Unkraut vermiest Ernte
20.09.2024 MühlauSchon im vierten Jahr baut die BG Schorenplus Reis an. Eher als Steckenpferd, wie Peter Suter betont. In jedem Jahr ergeben sich neue, spannende Lernfelder. Heuer ist es das Thema «Unkraut».
ANNETTE KNÜSEL
«Der Froschlöffel punktet als ...
Schon im vierten Jahr baut die BG Schorenplus Reis an. Eher als Steckenpferd, wie Peter Suter betont. In jedem Jahr ergeben sich neue, spannende Lernfelder. Heuer ist es das Thema «Unkraut».
ANNETTE KNÜSEL
«Der Froschlöffel punktet als Teichrandbepflanzung gleich dreimal: Er filtert Schadstoffe aus dem Wasser, besitzt dekorative Blütenrispen und dient damit gleichzeitig Insekten als wertvolle Nahrungsquelle», schwärmt die Zeitschrift «Mein schöner Garten». Auch auf den Informationstafeln von Agroscope wird der Froschlöffel gefeiert. Er gilt als Ausweis der neuen Biodiversität, die durch den Reisanbau in der Schweiz gefördert wird. Doch die Realität sieht anders aus: Im Jahr vier der beiden Reisfelder der BG Schorenplus in Mühlau ist der Froschlöffel zum Problem geworden.
Nicht nur für Reis optimal
Peter und Helen Suter haben ihre Nassreisfelder als Dauerkultur angelegt, ähnlich wie Obstplantagen. Ein Grund sind die hohen Investitionskosten: Etwa 20’000 Franken hat es gekostet, die beiden Felder à einem Hektar mit geliehenen Spezialmaschinen optimal auf den Reisanbau vorzubereiten. Der Humus wurde abgetragen, die darunterliegende Lehmschicht minutiös nivelliert, und dann der Humus wieder aufgetragen. Die Fläche muss topfeben sein, damit der Wasserspiegel überall auf dem Feld gleich hoch ist. Nur so können gute Bedingungen für alle Reispflanzen auf dem Feld sichergestellt werden.
Doch es gibt noch andere Pflanzen, die gerne «nasse Füsse» haben. Auch sie finden auf den Feldern eine gute Grundlage für Wachstum, zum Beispiel der Froschlöffel. Und so kommt es, dass sein Bestand in diesem Jahr förmlich explodierte. Suters mussten das untere der beiden Felder brachlegen, um sich ganz dem Unkrautjäten auf dem höheren Feld widmen zu können. Im Jahr 2023 hatten sie gemeinsam mit der Hofgemeinschaft 500 Stunden in beide Felder investiert. In diesem Jahr waren es dreimal 150 Stunden nur für das höhere Feld. Das untere Feld wurde umgepflügt, lediglich ein Teststreifen wurde belassen, um zu beobachten, wie sich das Verhältnis Reispflanze versus Froschlöffel ohne Jäten entwickelt. Ergebnis: Im September – einen Monat vor der Ernte – ist dort keine einzige Reispflanze zu sehen.
Immer neue offene Fragen
Herbizide zu spritzen, kommt nicht infrage. So bleibt die Möglichkeit, von Dauerkultur auf Fruchtfolge umzustellen und den Reis im Wechsel mit einer anderen Kultur anzupflanzen. Doch welche Veränderungen würde diese Umstellung sonst noch mit sich bringen? Das ist eine offene Frage, deren Beantwortung viel Zeit erfordert.
Und es ist nicht die einzige Frage, die beantwortet werden muss, wenn der Reisanbau wirtschaftlich betrieben werden soll. Peter Suter spricht motiviert von «Lernfeldern»: Im ersten Jahr hatten sie den Boden zu tief bearbeitet und den Reis direkt auf den Feldern ausgesät – die Keimlinge sind beim ersten Regen ertrunken. Die anschliessend gezogenen Setzlinge konnten im Juni ausgesetzt werden – doch so reichte das warme Wetter bis zur Fruchtreife nicht, es gab im ersten Jahr keine Ernte.
Auch andere, grundlegende Fragen stellen sich: Könnte man vielleicht grössere Setzlinge ziehen, die dann auf dem Feld insgesamt besser wachsen? Dafür bräuchte man grössere Töpfe und andere Maschinen. Gibt es Sorten, die mit unserem Klima noch besser zurechtkommen als die Risotto-Sorte Loto, die derzeit gepflanzt wird? Im nördlichen Japan herrscht ein ähnliches Klima wie im Aargau, man könnte sich vielleicht dort informieren und Saatgut kaufen. Aber Japan betreibt eine eher protektionistische Politik, ist also nicht besonders interessiert daran, sein Know-how weiterzugeben. Und so weiter, und so fort. Im Grund eröffnet jedes Detail des Reisanbaus ein neues Forschungsfeld.
Grosses Interesse der Kunden
Doch die Suters sehen es gelassen. Sie probieren, sammeln Erfahrungen, tauschen sich mit den Kollegen aus der IG Aargauer Reis aus. Das Interesse der Konsumenten ist auf jeden Fall da, für die Reispflege können sie die sonst ruhigen Sommermonate nutzen, und spannend ist es allemal. Der Reis ist ein «Hobby», das sie sich leisten können, weil ihr Betrieb ansonsten gut läuft. Helen hat sogar Reisen nach Vietnam und Australien unternommen, um den Reisanbau dort in Augenschein zu nehmen. Nur: Die nachfolgende Generation konnten sie noch nicht recht davon überzeugen, dass der Reisanbau die Mühen wert ist. Dies aber wäre Bedingung dafür, über die Experimentierphase hinaus weiterzumachen.
Nach der Ernte Anfang Oktober werden die Reiskörner getrocknet, entspelzt, poliert und abgepackt. Erst wenn klar ist, wie hoch die Ernte in diesem Jahr sein wird, beginnt die Vermarktung. Denn im letzten Jahr, als die Ernte wegen eines Kälteinbruchs nach der Blüte um drei Viertel reduziert wurde, war es sehr schwierig, alle Bestellungen tatsächlich auszuliefern. Wer also Reis aus Mühlau essen oder verschenken möchte, muss Anfang Dezember auf der Hut sein. Und schnell zugreifen, so lange es noch hat.