Zwei ausserordentliche Rücktritte
28.11.2025 BeinwilEs hätte eine ganz normale Wintergemeindeversammlung werden sollen. Wie immer standen wichtige Kredite und das Budget auf der Traktandenliste. Doch zu reden geben schlussendlich zwei Gemeinderäte.
RAHEL HEGGLIN
Der Saal war gut gefüllt, am ...
Es hätte eine ganz normale Wintergemeindeversammlung werden sollen. Wie immer standen wichtige Kredite und das Budget auf der Traktandenliste. Doch zu reden geben schlussendlich zwei Gemeinderäte.
RAHEL HEGGLIN
Der Saal war gut gefüllt, am vergangenen Freitagabend. Insgesamt konnte Gemeindeammann Stefan Zemp 147 Stimmberechtigte begrüssen. Dass er am Ende dieses Abends etwas irritiert dastehen wird, wusste er um halb acht noch nicht. Denn für die Bombe haben Gemeinderat Guido Wigger und schlussendlich auch Jürg Barmettler gesorgt
Zemp brachte die Versammlung wie immer zufriedenstellend über die Bühne und wollte diese für beendet erklären, als Wigger aufstand und das Wort ergriff.
Unzufriedenheit führt zu Rücktritt
Während rund zwanzig Minuten verlas er eine Erklärung, in der er die Geschehnisse der letzten Wochen Revue passieren liess. Inhaltlich etwas verschachtelt vorgetragen, ging es um die Windkraft-Abstimmung, wie der Abstimmungskampf geführt wurde und wie das Resultat schlussendlich ausfiel. Dass er mit seinen Worten nicht alle Anwesenden abholte, merkte man am ungeduldigen Geräusper des ein oder anderen. Doch Wigger führte seine Rede weiter. Zum Schluss kam er auf die WhatsApp-Nachricht zu sprechen, die kurz vor der Abstimmung Verschwörungstheorien verbreitet hatte. «Das ist eine absolute Frechheit. Und deshalb trete ich und auch Gemeinderat Jürg Barmettler zum nächstmöglichen Zeitpunkt im 1. Quartal 2026 zurück», liess er die Bombe platzen.
Das Publikum, wie auch der Gemeindeammann, waren von diesem Ende der Wintergmeind ziemlich überrascht. Zemp trat nochmals ans Mikrofon und verkündete, dass er «im Moment nicht viel dazu sagen kann. Wir werden in den nächsten Tagen analysieren und das weitere Vorgehen besprechen.» Damit schloss er die Versammlung offiziell.
Für ein Statement oder Foto waren die beiden scheidenden Gemeinderäte anschliessend nicht mehr zu haben.
Stellungnahme
Wigger nahm sich jedoch am Montag Zeit und stand Rede und Antwort. Auf die Frage, was der Hauptgrund für seinen Rücktritt sei, sagte er: «Ganz klar der persönliche Angriff auf die Gemeinderäte, und hier insbesondere auf die befürwortenden Mitglieder im Sinne eines Korruptionsverdachts, und die verlorene Vertrauensbasis für die weitere Zusammenarbeit.» Er findet es inakzeptabel, wie mit engagierten Personen umgegangen wurde.
Dass er den Ausgang des Abstimmungsresultates nicht akzeptieren kann und deshalb seinen Rücktritt gab, verneint er: «Die Chronologie der Ereignisse seit der Info-Veranstaltung führte bereits durch die unmittelbar vor der Abstimmung versandte Nachricht abschliessend zu einem wahrscheinlichen Rücktrittsentschluss. Die Abstimmung war eindeutig und ist demokratisch so zu akzeptieren. Leider wurde dadurch kein Umdenken angeregt. Es ist klar, dass bei oberflächlicher Reflexion ein Vorwurf entstehen würde, dass man schlechte Verlierer sei. Das lassen wir so stehen.» Auf die Bekanntgabe des Rücktritts hat er seither viele Rückmeldungen bekommen «Bis auf eine kritische Stimme waren es ausnahmslos positiv unterstützende Worte. Von Gratulationen bis um Dank für die geleistete Arbeit. Allen war gemeinsam, dass man den Entschluss absolut nachvollziehen kann. Das tut gut und zeigt, dass viele den Kern der Sache erfasst haben: dass es kein Anstand und Respekt ist, wenn man Personen auf diese Weise angreift. Auch wenn man in der Sache anderer Meinung ist.»
Auch Jürg Barmettler gab am Montag eine kurze Erklärung ab: «Mit sehr viel Engagement, viel Know-how und unzähligen Stunden Vorbereitung haben wir beide uns eingebracht für diese Gemeinde. Das werden wir auch professionell bis zum Ende des nächsten Quartals so halten. Die künftige strategische Ausrichtung der Gemeinde Beinwil sollen nun jene erarbeiten, welche das Gefühl haben, ohne zusätzlichen finanziellen Impact auszukommen. Wir sind unternehmerisch und strategisch denkend, und keine Verwalter.»
Gemeindeammann Zemp wollte sich nicht weiter zu den Rücktritten äussern. Die Gemeindeverwaltung teilt auf Anfrage mit, dass die Ersatzwahlen am 8. März 2026 stattfinden werden.



