Brennpunkt Oberfreiamt: In Merenschwand diskutierten Fachleute über steigende Wohnkosten, schwierige Bauverfahren und die Zukunft des Wohnens.
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Brennpunkt Oberfreiamt: In Merenschwand diskutierten Fachleute über steigende Wohnkosten, schwierige Bauverfahren und die Zukunft des Wohnens.
str | «Der Wohnraum wird weniger und immer teurer», sagte Moderator Alexander Eigensatz zur Eröffnung des sechsten Brennpunkts Oberfreiamt. Im gut besetzten Schwanensaal in Merenschwand diskutierten am Dienstag vergangener Woche Fachleute darüber, wie die Region künftig bezahlbare Wohnungen schaffen kann. Patentrezepte gab es keine, dafür klare Forderungen an Politik, Behörden und Immobilienwirtschaft.
Gaby Millasson, Geschäftsführerin des Mieterinnen- und Mieterverbandes Aargau, schilderte, wie hohe Wohnkosten selbst Haushalte mit mittleren Einkommen belasten. Wer einen grossen Teil seines Einkommens für die Miete aufwenden müsse, könne kaum Eigenkapital ansparen. Besonders für junge Familien rücke Wohneigentum damit in weite Ferne. «Es braucht das Zusammenspiel aller Akteure im Markt», betonte sie.
Fabian Schnell, Geschäftsführer des Hauseigentümerverbandes Aargau, bezeichnete das Oberfreiamt als Boomregion. Die Lage zwischen Zürich, Zug und Luzern mache es attraktiv für Unternehmen und Zuzüger. Der Erfolg erhöhe aber den Druck auf den Wohnungsmarkt. Schnell forderte einfachere Verfahren und mehr Spielraum für die Verdichtung. Diese werde grundsätzlich befürwortet, stosse bei konkreten Bauvorhaben jedoch oft auf Widerstand.
Frust über Baubehörden
Unternehmer und Investor Urs Peterhans aus Sins sparte auf dem Podium nicht mit Kritik an den Baubehörden: «Bauen ist mittlerweile fast das Einfachste.» Aufwendig und kostspielig seien vor allem Planung und Bewilligungen. Im Kontakt mit Baubehörden frage er sich manchmal: «Wer ist hier eigentlich der Kunde?» Statt nach Fehlern sollten Verwaltungen stärker nach Möglichkeiten suchen, um Projekte rechtmässig umzusetzen. Verzögerungen verteuerten das Bauen, bezahlen müssten letztlich Käufer und Mieter. Auf Nachfrage von Eigensatz bestätigte Peterhans seinen Frust. Der Moderator gab zu bedenken, dass es auch unter Investoren «anständige und weniger anständige» gebe.
Immobilienfachmann Thomas Räber aus Muri bezifferte die Leerwohnungsquote im Bezirk Muri auf 0,53 Prozent. Viele Menschen wagten keinen Wohnungswechsel, weil passende und erschwingliche Angebote fehlten. Räber begrüsste, dass die Ortsbürger in Merenschwand günstigen Wohnraum schaffen wollten. Die politischen Gemeinden sollten aus seiner Sicht vor allem gute Voraussetzungen für Bauwillige bieten.
René Eschmann von der Aargauischen Kantonalbank beschrieb die Hürden für junge Käufer. Ein Einfamilienhaus im Freiamt koste im Durchschnitt rund 1,8 Millionen Franken, sagte er. Ohne erhebliche Eigenmittel und ein hohes Einkommen sei ein Kauf kaum möglich. Unterstützung durch die Eltern oder eine Erbschaft sei deshalb oft entscheidend.
Zehn Banken sagten ab
Wie schwierig neue Wohnideen umzusetzen sind, zeigte eine Wortmeldung aus dem Publikum. Mehrere Interessierte hätten gemeinsam ein grosses Haus erwerben, renovieren und bewohnen wollen. Die Banken hätten 40 Prozent Eigenkapital verlangt. Eschmann empfahl, weitere Institute anzufragen. Die Antwort aus dem Saal: «Wir haben zehn Banken angefragt.» Alle hätten abgelehnt.
Zum Schluss fragte Eigensatz nach Massnahmen, um bis 2035 die Situation spürbar zu verbessern. Genannt wurden Zusammenarbeit, Verdichtung, weniger Auflagen, raschere Bewilligungen und zeitgemässe kommunale Bau- und Nutzungsordnungen. Auch Behördenvertreter seien im Saal, bemerkte der Moderator. Mit einem Augenzwinkern forderte er sie auf, die gehörten Wünsche umzusetzen. Der humorvolle Schluss passte zur Erkenntnis des Abends: Die Wohnungsfrage lässt sich nur gemeinsam angehen.