Woher kommt der Name «Freiamt»?
13.02.2026 RegionDie Bezirke Muri und Bremgarten im Kanton Aargau tragen den schönen und stolzen Namen «Freiamt». Leicht ist verständlich, was der Name bedeutet, nämlich das Amt, in dem Freie wohnen, wie schon der bekannte Sinser Lokalhistoriker Franz Rohner einst schrieb. Aber ...
Die Bezirke Muri und Bremgarten im Kanton Aargau tragen den schönen und stolzen Namen «Freiamt». Leicht ist verständlich, was der Name bedeutet, nämlich das Amt, in dem Freie wohnen, wie schon der bekannte Sinser Lokalhistoriker Franz Rohner einst schrieb. Aber wie ist dieser prächtige Name entstanden?
red | Wohl als Erster hat sich ein Mönch aus dem Kloster Muri mit dieser Frage beschäftigt, nämlich Pater Dominik Tschudi, der spätere Abt.
Im Jahre 1625 veröffentlichte er sein Buch «Origines Murenses» (Die Ursprünge des Klosters Muri). Er schreibt: «Als die Burgunder (um das Jahr 400 n. Chr.) erneut den Rhein überschritten und auch Vindonissa angegriffen haben, wo eine römische Legion stationiert war, hat sich der Lagerleiter ergeben, und die Soldaten sind in alle Richtungen entflohen.
Nicht wenige von ihnen, gewöhnt an Sonne, Wind und Wetter oder weil sie nichts anderes hatten, haben die naheliegenden Gegenden besetzt und sich dort häuslich eingerichtet. Wie schon in den Zeltgenossenschaften im Legionslager handelten sie auch jetzt selbständig, wurden sesshaft, bewahrten ihre Sitten und Gesetze, und wie so manche Stadt oder viele Staaten ertrugen sie keine fremde Einmischung. Sie lebten unabhängig und frei.
Von daher kommt der Name Freie Ämter. Muri ist ein wichtiger Teil von ihnen. Auch gab es ein altes Gesetz, dass Soldaten, die an der Grenze Land hatten, frei von Abgaben waren. Während mehreren Jahrhunderten, nämlich bis zur Zeit von König Otto, lebten sie frei in ihren Orten.»
Von Krummamt oder Waggental weg, hin zu Freiamt
In Franz Rohners Abhandlung «Zur Geschichte des Namens Freiamt» steht, dass der Name verhältnismässig jung sei und erst seit dem Jahre 1500 regelmässig in Urkunden erscheine. Vorher habe man das Gebiet zwischen Dietwil und Bremgarten «Krummamt» oder «Waggental» genannt. «Krummamt», weil dieses Gebiet an der Krümmung der Reuss liege, «Waggental», weil die Reuss mit ihren wogenden Wassern das Tal durchfliesse. Der alte Namen Waggental sei aber nach der Eroberung durch die Eidgenossen im Jahre 1415 bei den Einheimischen unbeliebt geworden, weil die Luzerner ihn als Spottnamen missbrauchten hätten. Anfänglich regierte nämlich Luzern entgegen den Abmachungen mit den übrigen Eidgenossen in den Ämtern Richensee, Meienberg und Villmergen allein, weil Luzern diese Ämter allein erobert hatte.
Es kam zu einem langen Streit unter den Eidgenossen um die Regentschaft im Freiamt und schliesslich zu einem Schiedsgericht unter der Führung von Bern. In diesem Gerichtsverfahren sagten die Freiämter gegen die Luzerner aus. Das brachte ihnen den Namen «Gwagglitaler» ein. Aber wer den schönen Namen Freiamt an Stelle der alten Bezeichnungen Waggental eingeführt hat, ist nach Rohner schwer zu bestimmen. Vielleicht sei es irgendein Beamter gewesen, der im Kloster Kappel in einer alten Urkunde vom Jahr 1273 den Begriff «die freien Leute im Reusstal» gefunden habe, oder vielleicht sei der Name vom benachbarten zürcherischen Freiamt Affoltern übernommen worden, wo dieser Name allerdings langsam verblasste.
Beide Autoren haben sicher viel Treffendes berichtet
Für Tschudi ist der schöne Namen Freiamt eindeutig den römischen Legionssoldaten zu verdanken, die aus dem Römerlager Vindonissa geflohen sind, sich im Raume Muri niedergelassen haben und vermochten, gemeinsam mit der einheimischen Bevölkerung unabhängige Freiräume zu schaffen, die etwa 500 Jahre lang Bestand hatten.
Für Rohner hingegen ist der Schöpfer des Namens Freiamt nicht eindeutig zu bestimmen. Die Freiämter selbst wollten aber den alten Namen Waggental loswerden, weil er als Spottname missbraucht wurde, und man erinnerte sich an den schönen Namen «Freiamt» in alten Urkunden.
Quellen: Dominik Tschudi: «Origines Murenses» (Staatsarchiv Aarau), Franz Rohner: «Zur Geschichte des Namens Freiamt» in Bd.2, Leben und Werk
Einige persönliche Gedanken von Bruno Marti, der den nebenstehenden Text verfasste. Marti ist ehemaliger Bezirksschullehrer und beschäftigt sich intensiv mit der regionalen Geschichte.
Freiamt ist auf jeden Fall ein schöner Name
Den Ausführungen von Tschudi und Rohner möchte ich noch einen eigenen Gedanken anfügen: Nach der Eroberung des Freiamts im Jahre 1415 mussten die Eidgenossen einen neuen Namen für die eroberten Untertanengebiete finden, weil die beiden alten Namen verblasst oder verpönt waren. Aus alten Urkunden war ihnen der Name Freiamt zwar noch bekannt, aber sie deuteten nun diesen Namen neu. Für sie waren die Freien Ämter im Aargau keine Gebiete, wo freie Leute wohnten, sondern Gebiete, die für die Eroberer noch frei zugänglich oder noch «zu haben» waren, um dort zu regieren. Dies im Gegensatz zu den sogenannten einzelörtigen Untertanengebieten, die für die Regentschaft schon vergeben waren, weil einzelne eidgenössische Orte sie allein erobert hatten. – Wie dem auch sei, die Freiämter erfreuen sich für immer eines wunderschönen Namens.


