Wie soll sich das Oberfreiamt entwickeln?
27.09.2024 AuwZum zweiten Mal lud Brennpunkt Oberfreiamt zum Anlass. Am Montagabend lagen die Schwerpunktthemen auf den kommenden Grossratswahlen, dem Fachkräftemangel, der Verkehrsentwicklung und der Wohnbauentwicklung im Bezirk Muri.
RAHEL HEGGLIN
Rund 50 Personen ...
Zum zweiten Mal lud Brennpunkt Oberfreiamt zum Anlass. Am Montagabend lagen die Schwerpunktthemen auf den kommenden Grossratswahlen, dem Fachkräftemangel, der Verkehrsentwicklung und der Wohnbauentwicklung im Bezirk Muri.
RAHEL HEGGLIN
Rund 50 Personen folgten der Einladung und fanden sich ab 19 Uhr in der Mehrzweckhalle ein. Nach einem Willkommens-Apéro begrüsste Alexander Eigensatz, Mitorganisator von Brennpunkt Oberfreiamt die Anwesenden und übergab das Wort an Pius Vogel, Sinser Gemeinderat und Moderator des Abends. Seine Gäste waren die Grossratskandidatinnen und -kandidaten Alain Bütler (SVP), Finn Neider (SP), Stefan Huwyler (FDP), Daniel Käppeli (Die Mitte), Lea Küng, (Grüne), Marlon Keller (GLP), Seraina Herzberg (EVP) und Markus Bammert (EDU).
Moderator Vogel gab jeder anwesenden Politikerin und jedem Politiker für zwei Minuten die Gelegenheit, sich vorzustellen. Dabei haben diese sich vorgängig eine eigene Frage überlegt, die sie beantworteten und so auch gleich etwas Wahlkampf für sich betrieben. Nach dieser kurzweiligen Viertelstunde ging es in das erste, zu diskutierende Schwerpunktthema.
Fachkräftemangel im Bezirk Muri
Die Frage lautete: Wie kann man dem Fachkräftemangel in Oberfreiamt begegnen, und was braucht es, um diesen zu beheben? Für FDP-Grossrat Huwyler ist klar, dass es Anreize braucht. Man sollte ältere Arbeitnehmende weiterhin beschäftigen. Andererseits brauche es Investitionen in die Zukunft, sprich: Ausbildungsplätze. Für den SP-Grossratskandidaten Neider soll die Wertschätzung gegenüber tieferklassierten Jobs, wie Pflegenden oder Handwerkern, verstärkt und das Lohnniveau angehoben werden. So würden die Arbeitsbedingungen verbessert und sich mehr Leute für diese Berufe interessieren. Für den GLP-Grossratskandidat Keller braucht es flexiblere Möglichkeiten für die Teilzeitarbeit und die Bereitstellung einer lückenlosen Kinderbetreuung. Für den SVP-ler Bütler ist klar, dass kein Weg an der Berufslehre vorbeiführt. Bammert von der EDU würde sich wünschen, dass auch ältere Menschen für offene Positionen eingestellt würden. Diese seien gut ausgebildet und hätten viel Erfahrung. Käppeli (Die Mitte) hob hervor, dass es viele gute und innovative Firmen im Freiamt gibt. Man solle sich diese anschauen und so auch in der Region arbeiten. Zudem brauche es Weiterbildungsmöglichkeiten und attraktiven Wohnraum in der Region. Die EVP-lerin Herzberg sieht den Schlüssel gegen den Fachkräftemangel in der Ausbildung von Migrantinnen und Migranten. Diese sollen nicht nur im Hilfskräftebereich eingesetzt, sondern auch ausgebildet werden.
Wohnbauentwicklung
Das zweite Schwerpunktthema widmete sich der Frage: Braucht es mehr Wohnraum in der Region? Der Mitte-Kandidat Käppeli findet, dass es mehr Wohnraum braucht, aber weniger Regulierungen, um diesen zu erstellen. Dieser Meinung ist auch der FDP-ler Huwyler. Er findet sogar, dass das Raumplanungsgesetz Anpassungen brauchen könnte. Das Gesetz aus dem Jahr 2013 entspreche nicht mehr den heutigen Anforderungen. Für Bütler von der SVP ist Bauland ein heisses Eisen. Er findet es vor allem schlimm, dass es im Oberfreiamt kein Bauland mehr für Gewerbetreibende gibt. Zudem solle es weniger Vorschriften geben, um mehr in die Höhe bauen zu können. Verdichtetes Bauen zu fördern, dem stimmt auch die Grünen-Politikerin Küng aus Beinwil zu. Die EVP-lerin Herzberg will die beiden Zentren Muri und Sins städtischer entwickeln. Dort sollen höhere Häuser entstehen. Keine hohen Blöcke will der GLP-ler Keller. Er bevorzugt mittelgrosse Mehrfamilienhäuser und die bessere Ausnutzung der Fläche. Siedlungsfläche solle jedoch Lebensraum sein und kein Raum für den Verkehr. Bammert von der EDU fügte an, dass verdichtetes Wohnen zu mehr sozialer Spannung führt. Er findet, das Oberfreiamt soll nicht attraktiver zum Wohnen werden.
Verkehrsentwicklung
Die dritte Diskussion widmete sich der Verkehrssituation. Herzberg findet es peinlich, dass es immer noch Gemeinden gibt, die keinen Bus oder nur einen sehr dünnen ÖV-Fahrplan haben. Das fördere den Kauf von Autos. Aus diesem Grund brauche es Vorleistungen in den ÖV, findet Keller von der GLP. Dieser Meinung sind auch der SP-ler Neider und Küng von den Grünen. Keine Ausspielung des ÖV gegenüber dem Individualverkehr will FDP-ler Huwyler. Er findet, in Aarau wisse man um die ÖV-Anbindung im Oberfreiamt. Ausbauten könnten nur im Rahmen der Möglichkeiten umgesetzt werden. Keller von der SP fühlt sich in seiner Freiheit eingeschränkt, wenn er bereits auf den letzten Bus um 21.20 Uhr gehen muss. Deshalb müsse man jetzt etwas bewegen. Huwyler hebt hervor, dass die Repla in Bezug auf den ÖV im Oberfreiamt einen sehr guten Job mache, und findet, dass es eine überparteiliche Zusammenarbeit in der Verkehrsentwicklung braucht.
Fragen und Ausblick
Nach diesen Diskussionen bekamen die acht Politiker nochmals die Möglichkeit, individuell für sich zu werben. Einerseits erklärten sie, wie sie bei einer Wahl in den Grossen Rat feiern würden, andererseits sagten sie, wie und für was sie sich in Aarau einsetzen würden. Nach einer kurzen Fragerunde aus dem Publikum übergab Vogel das Wort wieder an Eigensatz. Dieser bedankte sich bei allen Anwesenden, bat um Spenden für weiteren Anlässe und informierte, dass der nächste Brennpunkt-Oberfreiamt-Anlass im Frühjahr 2025 sein wird. Ausgeklungen wurde der Abend bei einem weiteren Apéro.



