Wenn die Erwachsenen schwierig werden
27.02.2026 SinsDie Jugendförderung Oberfreiamt lud zu einem Fachvortrag für Eltern von Kindern in der Adoleszenz ein. Die eidgenössisch diplomierte Psychosoziale Beraterin Maren Tromm hielt dazu ein aufschlussreiches Referat.
IRIS CAGLIONI
Jeder macht sie ...
Die Jugendförderung Oberfreiamt lud zu einem Fachvortrag für Eltern von Kindern in der Adoleszenz ein. Die eidgenössisch diplomierte Psychosoziale Beraterin Maren Tromm hielt dazu ein aufschlussreiches Referat.
IRIS CAGLIONI
Jeder macht sie mindestens einmal durch – die Pubertät, und danach den Kampf mit der Adoleszenz. Eltern erleben diese Herausforderung mit den Jugendlichen ein zweites Mal, jedoch mit einem drastischen Perspektivenwechsel. Die versierte Beraterin zeigte eindrücklich auf, wie die jungen Persönlichkeiten sich zu behaupten und zu finden versuchen, wie die Hormone und das Gehirn hinein spielen, wie das mit dem Planen und Ordnen funktioniert und wie sich die Jugendlichen in der Welt zurecht finden müssen. Für die Jugendlichen ist das die Zeit, in welcher die Eltern und die Lehrer komisch werden. Maren Tromm erklärte anhand vieler Beispiele, wie die Kinder reagieren, und auch die biologischen Gründe dafür.
Was abgeht und warum
Der Begriff «Pubertät» bedeutet «Geschlechtsreife». Meistens startet sie im Alter zwischen 10 und 14 Jahren und ist gleichwohl der erste Teil der Adoleszenz. Der Fokus beim Begriff «Pubertät» liegt in der biologischen Veränderung auf dem Weg vom Kind zum Erwachsenen. Darin enthalten sind die geschlechtliche Reifung, die Veränderung im Körperbau und die hormonellen Veränderungen, die auch zu Stimmungsschwankungen führen können.
Während die Mädchen durchschnittlich zwischen dem elften und zwölften Lebensjahr grosse Schritte in der Wachstumsentwicklung machen, sind die Jungs zwei Jahre später dran. Markant verändern sich in diesen Jahren auch die benötigte Schlafdauer und die Einschlafzeit der jungen Leute. Für viele Veränderungen sind die einschiessenden Hormone verantwortlich: Östrogen und Progesteron für die emotionale Labilität – also die Achterbahn der Gefühle, Testosteron für mögliche Aggressionen und Melatonin für den Tagesrhythmus.
Das Gehirn wird umgebaut
Zeitgleich mit der Pubertät beginnt die Adoleszenz, und sie bedeutet: heranreifen, stark werden – eine Persönlichkeit entwickeln. Die grossen Fragen der jungen Menschen sind gemäss Tromm: «Wer bin ich?», «Bin ich cool?» und «Gehöre ich dazu?». Und diese so wichtigen Fragen werden überdeckt mit Gamen, Sport, Freunden, Social Media und dem Aussehen, dem Haar, der Kleidung und der Figur.
Tromm meinte, dass speziell die Jugendlichen heute nicht nur ihre eigene Person heranwachsen und reifen lassen müssen, sondern auch ihre zweite, virtuelle Persönlichkeit. Und das bedeutet eine deutlich höhere Belastung für sie. Planung oder Ordnung sind bei den Jugendlichen in dieser Zeit nur dort wichtig, wo grosses persönliches Interesse vorhanden ist. Meist können sie es, sehen aber keine Notwendigkeit, dieses Können in jedem Bereich anzuwenden. Solche und weitere einleuchtende Erklärungen der Beraterin durften die Gäste hören.
Die Referentin empfahl, den Jugendlichen zuzuhören, an sie zu glauben, aber auch Grenzen zu setzen. Und sie betonte mehr als einmal: «Es ist wie eine Diplomarbeit der Eltern. Bleiben Sie dran, auch wenn Ihre Kinder Sie ätzend finden.»
Das Jugi und was alles dazu gehört
Der Abend war für die Jugendförderung ein Schritt auf die Eltern zu: «Wir haben oft keinen bis sehr wenig Kontakt mit den Eltern. Das ist im Grundsatz kein Problem, die Jugendlichen dürfen bei uns ihren eigenen Raum haben. Für uns ist es wichtig, dass die Eltern wissen, wer wir sind und was wir anbieten. Wir sind auch für die Eltern da, wenn Fragen auftauchen. Zum Beispiel beim Thema Sucht. Wir haben unsere Kontakte und helfen auch bei Vermittlungen an andere Fachstellen», informierte Gizem Kiliç-Yavuz bei der Vorstellung ihres Diensts.
Kiliç ist Sozialpädagogin HF i.A. Zusammen mit dem Sozialarbeiter FH i.A. Engin Özer und dem Praktikanten Maurin Rey setzt sie sich für die Jugendlichen der Region ein. Das auf die jungen Leute ausgerichtete Angebot ist vielfältig und wird sehr stark genutzt. Die Jugendförderung ist mit ihren Angeboten wie Pausenplatzbesuchen und Saturday Night Sports (SNS) in den fünf Trägergemeinden Auw, Abtwil, Dietwil, Oberrüti und Sins unterwegs. Zudem ist der Jugendtreff in Sins – kurz das Jugi – für alle ab der 5. Klasse bis Ende Oberstufe an fixen Tagen geöffnet. Einmal im Monat auch als reiner Girls- oder Boystreff. Dazu verweist Kiliç auf die unterschiedlichen Flyer, die über die Schule verteilt werden und auch auf ihrer Homepage aufgeschaltet sind.
Auch diente der Abend dazu, weitere für die Eltern wichtige Themen anzusprechen. Die Sozialpädagogin Kiliç sagte: «Wir gehen davon aus, dass viele Eltern unser Angebot nicht wirklich kennen. Die Kinder erzählen zwar, dass sie im Jugi waren, doch dann ist der Informationsfluss bereits fertig. Sie wollen nichts Zusätzliches preisgeben, obwohl im Jugi nichts läuft, was nicht rechtens wäre. Es geht darum, dass es das Ding der Jugendlichen ist und dass sie es für sich behalten wollen.» Weiter meinte sie: «Wir finden es aber wichtig und relevant, dass die Eltern wissen, dass es uns gibt und was wir anbieten. Wir sind überzeugt, dass die Eltern wertvolle Informationen für sich und ihre Kinder mitnehmen können.»
Ergänzung zur Schulsozialarbeit
Ebenso eingeladen waren die beiden Schulsozialarbeiter Frowin Limacher und Klea Weibel, die an der Oberstufe Sins beschäftigt sind. Sie stellten sich ebenfalls vor und informierten über ihren Wirkungskreis und auch die Unterschiede zwischen den beiden Fachstellen. Nach dem Referat waren alle herzlich eingeladen, das Jugi zu besichtigen und dort einen Apéro zu geniessen. Dabei hatten die Eltern die Möglichkeit zu sehen, wo sich ihre Kinder aufhalten. «Es kamen sehr viele gute Gespräche zustande. Der Abend ist auf äusserst positives Echo, gestossen und wir werden sicherlich weitere solche Infoabende durchführen», informierte Kiliç abschliessend.


