Was die Natur schenkt, wird verwertet
14.08.2026 BeinwilEin ergiebiger Garten muss nicht immer mit vielen Quadratmetern daherkommen. Katja Eisenhut pflegt ihren Sitzplatzgarten achtsam und verwertet sinnvoll, was er hervorbringt.
IRIS CAGLIONI
Vor 23 Jahren zog die gelernte Pflegefachfrau in die Wohnung mit ...
Ein ergiebiger Garten muss nicht immer mit vielen Quadratmetern daherkommen. Katja Eisenhut pflegt ihren Sitzplatzgarten achtsam und verwertet sinnvoll, was er hervorbringt.
IRIS CAGLIONI
Vor 23 Jahren zog die gelernte Pflegefachfrau in die Wohnung mit Gartensitzplatz ein. An den Sitzplatz grenzte eine Wiese, an deren Rändern waren Hecken gepflanzt, welche die Mieterin liebevoll «Gestrüpp» nannte. Zwei mächtige Bäume spendeten Schatten. Das war es.
Nach einer gewissen Zeit gestaltete der Grundstückseigner die Grünfläche beim Mietshaus um. Eisenhut erzählte: «Wir Mieterinnen baten darum, einen kleinen Gemeinschaftsgarten anlegen zu können. Der Besitzer war einverstanden. So entstand ein Beet nahe meines Sitzplatzes. Die anfängliche Garteneuphorie klang nach und nach ab, und seit einigen Jahren bin ich die Einzige, die den kleinen Garten pflegt.»
Bewusster Verzicht auf Gift
Aktuell kämpft die Hobbygärtnerin mit den Schnecken, die ihr jeden Setzling abfressen, noch bevor er richtig in der Erde ist. «Darum gibt es kein Gemüse aus meinem Garten. Ich sträube mich, Gift zu streuen, denn wir haben Igel, Katzen und auch einen Hund in der Nähe. Und die Schnecken zusammenlesen, das kann ich auch nicht machen. Also habe ich beschlossen, vorerst das zu pflanzen, was den Schnecken nicht schmeckt. Das sind vor allem kräftig riechende Kräuter wie Frauenmantel, Lavendel oder Pfefferminze sowie gewisse Blumen wie zum Beispiel die Ringelblumen.
In Töpfen und im Erdstreifen nahe der Hauswand finden sich Verbena, Johanniskraut, Malve und Zitronenmelisse und der etwas dezenter riechende, kleinblättrige griechischer Basilikum, den die Schnecken erstaunlicherweise in Ruhe lassen. Es darf auch gedeihen, was spontan wächst. Es ist immer spannend zu sehen, was die Natur plötzlich selbst hervorbringt.
Deko als Blickfang
An mehreren Stellen sind Wasserschalen für die Vögel und Insekten aufgestellt. «Damit gebe ich der Natur etwas zurück.» Eisenhut achtet mit grosser Wertschätzung auf ihr kleines Reich. Immer wieder wird der Blick von kleinen Kunstwerken aus verschiedenen Materialien eingefangen. «Viele dieser Sachen habe ich bei einer Räumung gefunden. Das, was aussieht wie ein leerer Vogelkäfig, könnte eigentlich von einer Pflanze genutzt werden, um daran hochzuklettern.»
Verwerten, Verschenken, Spenden
«Der warme Frühling hat mein Gärtlein explodieren lassen», erzählt die 55-Jährige. «Und bei dieser Blütenpracht haben die Insekten ihren Nutzen – und ich schlussendlich auch.» Mit dem Ertrag aus dem Garten produziert Eisenhut Sirup, Tee und Konfitüre. Ein weiteres Projekt ist das Herstellen von Seifen. Zwei Beispiele zeigen die Passion, die hinter dem Garten steckt. Die Pflegefachfrau erzählt: «Sirup aus Zitronenmelisse und Johannisbeeren mache ich, und der ist gängig. Ich mache aber auch welchen aus Lavendel oder Rotklee. Mit Johanniskraut produziere ich Öle. Das Öl zur äusseren Anwendung hat als Basis Bio-Mandelöl. Dafür werden Blüten und wenige Stängel des Johanniskrauts darin eingelegt. Nach einigen Wochen, wenn das Öl eine tiefrote Farbe erhalten hat, werden die festen Teile herausgesiebt, und das fertige Produkt kann ich in Flaschen abfüllen. Ich mache in derselben Art auch Johanniskrautöl zum Einnehmen, dann mit Olivenöl als Basis.» Sie nutzt ihre Produkte selbst und verschenkt sie. Die Ware, die sie aktuell an Lager hat, möchte sie verkaufen, um einen Teil des Erlöses einer Schweizer Meeresschutzorganisation zukommen zu lassen.




