Warum sind aktuell so viele Störche hier?
30.01.2026 RegionDer Storch ist ein zentrales Symbol für Glück und Fruchtbarkeit. Als Kinderbringer ist er in der Mythologie tief verankert. In Kinder - büchern wird er «Adebar» genannt, was sinnbildlich steht für Glücksbringer.
IRIS CAGLIONI
...Der Storch ist ein zentrales Symbol für Glück und Fruchtbarkeit. Als Kinderbringer ist er in der Mythologie tief verankert. In Kinder - büchern wird er «Adebar» genannt, was sinnbildlich steht für Glücksbringer.
IRIS CAGLIONI
Prägnant, mit seinen breiten schwarzweissen Schwingen, die eine Spannweite von bis zu zwei Meter haben können, dem schlanken roten Schnabel und den langen staksigen roten Beinen, ist der Weissstorch aktuell in der Region viel gesehen. Ganze Kolonien bevölkern momentan die Wiesen zwischen Auw und Alikon. Die eher milderen Winter der letzten Jahre haben dazu geführt, dass die Tiere nicht mehr unbedingt in den Süden ziehen müssen, um zu überwintern.
Thomas Vonwil vom Natur- und Vogelschutzverein Oberfreiamt weiss: «Man kann nicht genau sagen, warum die Tiere sich aktuell das Oberfreiamt ausgesucht haben. Ausschlaggebend für die Störche ist die Attraktivität eines Standorts insbesondere in Bezug auf die Futterbeschaffung und die Nistplätze.»
Darum ziehen nicht alle weiter
«Schon immer gab es diejenigen Tiere mit einem ausgeprägten Zugdrang und die anderen, die lieber vor Ort blieben. Mit der Zeit wird aus dem Verhalten auch etwas in der Genetik bleiben, wenn die Standvögel hier brüten und ihre Jungen aufziehen», meinte Vonwil. Ob die Störche gehen oder bleiben hängt davon ab, welches wohl das grössere Übel ist. Wer den strapaziösen Flug in den Mittelmeerraum oder gar bis Afrika schafft, hat den Vorteil, warm und mit genügend Futter über den Winter zu kommen. Nachteilig sind für diese Vögel aber die vielen Gefahren auf dem Zug durch Stürme, Stromschlag, Energieverlust, sodass etliche von ihnen den Winter nicht überleben.
Die Tiere, die sich dafür entscheiden, den Winter hier auszuhalten, haben den Nachteil der winterlichen Futterbeschaffung, die je nachdem, wie hart der Winter ist, auch fatal sein kann. Im Zug der Klimaerwärmung kommt es jedoch immer weniger zu langen Perioden mit Schnee und gefrorenen Böden, sodass diese Gefahr abnimmt.
Entwicklung der letzten fünf Jahrzehnte
Generell kann gesagt werden, dass sich die Situation der Störche in den letzten 50 Jahren sehr gut entwickelte in der Schweiz. In den 70er und 80er Jahren wurden zwecks Wiederansiedlung schweizweit in vielen Regionen Nistplätze für die Storchenhorste zur Verfügung gestellt. Im Aargauer Reusstal, in der Nähe des Flachsees zum Beispiel, sind auf jedem dritten Strommast Storchennester auszumachen.
Der Bestand hat sich versechsfacht. Der Kanton Aargau hat zudem eine Vorreiterrolle übernommen, was die Aufwertung von Feuchtgebieten anbelangt. Das bedeutet auch für den Storch grössere Futterquellen. «Darum nahm die Storchenpopolation im Aargau überdurchschnittlich zu, verglichen mit dem Rest der Schweiz», weiss der Natur- und Vogelschützer.
Weniger romantische Seiten
Die Vorstellung, der Storch bringe die Babys, ist ja niedlich. Doch ist davon auszugehen, dass es keine Babyschwemme in der Region geben wird. Der Storch brachte aber Vogelkot auf die Hausdächer. Gut sichtbar ist das beim Kirchendach in Auw. Kirchenpflegepräsident Martin Casagrande sieht dies aber pragmatisch: «Es ist die Natur. Jeder Vogel, jedes Tier macht sein Geschäft in der Natur. Das war schon immer so. Dies reinigen zu wollen wäre unverhältnismässig.»
Ein weiterer Aspekt der weniger niedlichen Sorte ist die Möglichkeit der Vogelgrippe, die mit den Zugvögeln einhergehen könnte. Dies ist auch die Furcht der Landwirte Markus und Heidi Kaufmann aus Alikon. Sie halten 12’000 Hühner. Vogelgrippe wäre eine Katastrophe für ihren Betrieb. «Die Vögel anzuschauen ist wirklich schön. Was nicht so schön ist, sind die richtig grossen Kothaufen, die sie hinterlassen. Das Schlimmste jedoch ist die Gefahr der Vogelgrippe! Das beschäftigt uns tagtäglich», erzählte Heidi Kaufmann.
Gemäss Auskunft der Kantonalen Jagdverwaltung lagen bis Redaktionsschluss keine Kenntnisse über aktuelle Fälle vor.
Spezielle Fakten über die lustigen Vögel
Störche singen nicht
Neben den Äusserlichkeiten erkennt man die Vögel an ihrem Gesang – den Storch jedoch nicht. Er hat eine kaum hörbare Stimme, dafür hört man weitum sein Klappern mit dem Schnabel. Als wären es Morsezeichen, so verständigen sich die Tiere untereinander, sei es im Balzritual, bei der Begrüssung im Nest oder zum Vertreiben von Eindringlingen.
Futter, Futter, Futter
Genügend Nahrung ist vor allem für die Aufzucht der Jungen ein zentraler Punkt. Ein ausgewachsener Storch benötigt rund 700 Gramm Nahrung täglich, was man vergleichen kann mit 16 Mäusen oder 700 Regenwürmern. Die Jungtiere sind aber hungriger. In gewissen Wachstumsphasen verschlingen sie bis zu 1,6 Kilogramm Nahrung am Tag.
Nimmt man so eine vierköpfige Storchenfamilie, ergeben sich 4,6 Kilogramm Futter, die täglich angeschafft werden müssen – eine Herkulesleistung.
Ihr Horst und ihr Sexleben
Genauso wie beim Adler bezeichnet man das Nest des Storches als «Horst». Dieser kann bis zu zwei Tonnen wiegen und weisst oft einen Durchmesser von zwei Metern auf. Störche sind nesttreu und kehren für den Rest ihres Lebens in ihr Nest zurück, in welchem sie auch ein sehr aktives Sexleben führen. Die bizarren Grossvögel paaren sich mehrmals pro Stunde. Vielleicht gilt der Vogel darum als Symbol der Fruchtbarkeit.
Diese Fun-Facts stammen aus dem Pet-Book, dem Magazin für alle Tierbesitzer und -liebhaber.





