Von der Bürgerin zur Politikerin mit Herz
07.11.2025 BeinwilZwölf Jahre lang prägte Franziska Stenico-Goldschmid als Gemeinderätin das politische Geschehen in Beinwil. Nun tritt sie ab: mit Wehmut, aber auch mit Freude auf mehr Zeit für Familie, Tiere und neue Aufgaben.
RAHEL HEGGLIN
Den ersten Kontakt ...
Zwölf Jahre lang prägte Franziska Stenico-Goldschmid als Gemeinderätin das politische Geschehen in Beinwil. Nun tritt sie ab: mit Wehmut, aber auch mit Freude auf mehr Zeit für Familie, Tiere und neue Aufgaben.
RAHEL HEGGLIN
Den ersten Kontakt mit der öffentlichen Arbeit hatte Stenico-Goldschmid über die Spitex Muri, wo sie ab 1999 tätig war und auch als Präsidium fungierte. Sie lernte, mit Gemeinden über Leistungsvereinbarungen, Aufträge und Finanzen zu verhandeln. «Das war eine wertvolle Vorbereitung auf das spätere Amt als Gemeinderätin», so die Mitte-Politikerin.
Als im Jahr 2012 eine neue Person für den Gemeinderat gesucht wurde, wurde sie von mehreren Seiten angesprochen. «Ich war überrascht, dass man mich überhaupt fragte», erzählt sie. «Ich hatte ja keine Parteizugehörigkeit und verstand mich eher als Bürgerin denn als Politikerin.» Trotzdem liess sie sich aufstellen. Als sie schliesslich gewählt wurde, war sie selbst wohl am meisten darüber überrascht. «Ich war parteilos, neu im politischen Umfeld und kannte die Abläufe kaum. Aber offenbar hat die Bevölkerung gespürt, dass ich mit Herz bei der Sache bin.»
Zwölf Jahre Verantwortung für Gesundheit/ Soziales, Bildung und Asyl
Ihr Amt als Gemeinderätin nahm sie per 1. Januar 2013 auf. An die Anfänge erinnert sie sich gut, da ein kollegiales und respektvolles Untereinander herrschte: «Ich wurde mit Anstand aufgenommen. Dennoch musste ich mich als Frau mehr beweisen», erzählt sie. Anfangs beobachtete sie viel, hörte zu, arbeitete sich in die Dossiers ein und lernte Schritt für Schritt, ihre eigene Haltung einzubringen. Während ihrer gesamten Amtszeit leitete Stenico-Goldschmid das Ressort Gesundheit, Asyl, Soziales, Bildung und Friedhof. «Das passte zu meinem Hintergrund», sagt sie. In den ersten Jahren betreute sie zusätzlich die Abfallbewirtschaftung und erneuerte das Grüngutkonzept der Gemeinde. Besonders prägend war für sie der Schulhausanbau, den sie als eines ihrer grössten Projekte nennt. «Die Arbeit dahinter war herausfordernd. Wie ein Sprung ins kalte Wasser. Als wir das Schulhaus übergeben durften, war ich über das Geleistete aber sehr stolz.» Während ihrer Amtszeit hat sich auch im Bereich Bildung viel verändert, was eine stetige Weiterentwicklung an der Volksschule hiess. Ebenso im Asylwesen bewies sie Pragmatismus und Geduld, besonders in den herausfordernden Zeiten nach dem Kriegsausbruch in der Ukraine.
Ihr Zuhause ist ihre Erholungsoase
Privat findet Stenico-Goldschmid Ausgleich bei ihrer Familie und den Tieren: zwei Pferde, einen Hund und eine Schar selbstgezogener Hühner nennt sie ihr Eigen. «Im Stall kann ich völlig runterfahren», sagt sie. «Die Tiere werten nicht. Nach einem Tag in der Politik ist das der beste Ausgleich.» Auch ihr Garten mit Biotop ist ein Ort der Ruhe. «Wenn ich an einem sonnigen Nachmittag eine halbe Stunde in der Sonne sitze und einen Kaffee geniessen kann, ist das für mich das Schönste.»
Abschied vom Gemeinderat
Wahrscheinlich wird es ihr im kommenden Jahr vermehrt gelingen, sich diese halbe Stunde im Garten zu gönnen. Denn nach zwölf intensiven Jahren zieht sie einen Schlussstrich unter ihre Gemeinderatstätigkeit. «Ich bin einerseits wehmütig, aber auch dankbar», sagt sie. «Ich habe sehr viel gelernt, durfte gestalten und Verantwortung übernehmen.» Gleichzeitig freue sie sich, wieder mehr Zeit für sich und ihre Familie zu haben, insbesondere für ihr Enkelkind.
Den Schlussstrich hat sie bewusst auf das Ende einer Legislaturperiode gesetzt: «Dies ermöglicht eine saubere Nachfolgeregelung. Zudem ist es auch gut, wen nun neue Kräfte nachkommen.» Ihren Sitz im Gemeinderat wird zukünftig Bettina Krummenacher aus der SVP übernehmen.
Neue Türen öffnen sich
Ganz aus dem beruflichen Alltag zurückziehen wird sich die 59-Jährige aber nicht. Neben ihrer Arbeit als Grossrätin ist sie weiterhin in der palliativen Spitex tätig. Daneben möchte sie sich vermehrt in der Bezirkspartei und in regionalen Gremien einbringen, Vorträge halten und Workshops zu frauenpolitischen Themen geben. «Es öffnen sich neue Türen, und ich kann meine Lebenserfahrung weitergeben. Das finde ich unglaublich spannend.» Auch als Grossrätin will Stenico-Goldschmid weiterhin für ihre Region einstehen. Sie schätzt das kollegiale Klima in der Fraktion und die sachlichen Diskussionen über Parteigrenzen hinweg. Ein Rückzug aus der Politik ist für sie also nur halb vollzogen.
Auf die Zeit als Gemeinderätin blickt sie mit einem guten Gefühl zurück. «Ich darf sagen, ich habe mein Bestes gegeben und war stets authentisch und ehrlich. Jetzt beginnt ein neuer Lebensabschnitt, und darauf freue ich mich.» Für die Zukunft wünscht sie dem Beinwiler Gemeinderat «ein kameradschaftliches, wertschätzendes Miteinander» und der Bevölkerung «Toleranz und Akzeptanz gegenüber allen Mitbürgerinnen und Mitbürgern».
Der Weg in den Grossen Rat
Wie schon beim Gemeinderat führte auch ihr Weg in den Grossen Rat über eine eher zufällige Anfrage. Der amtierende Grossrat Herbert Strebel fragte sie an, ob sie auf die Liste der damaligen CVP wolle. «Ich wollte eigentlich gar nicht gewählt werden», erzählt sie rückblickend lachend. Sie ging auf dem vierten Listenplatz ins Rennen und erreichte das drittbeste Resultat. «Da Herbert Strebel nach weiteren zwei Jahren demissionierte durfte ich nachrutschen.» Im Januar 2019 wurde sie schliesslich als Grossrätin vereidigt. Seither engagiert sie sich auf kantonaler Ebene insbesondere für Gesundheits- und Bildungsthemen. Die Gesundheitsversorgung 2030 und die Zukunft der Geburtenabteilungen liegen ihr besonders am Herzen.


