Vertonter Verlust und Suche nach dem Neuen
09.01.2026 VermischtesMit Werken von Gustav Mahler, Alban Berg und Erich Wolfgang Korngold lässt das Ad Hoc Muri Kammerensemble unter der Leitung von Gevorg Gharabekyan das Lebensgefühl des Fin de siècle um 1900 aufleben.
pd | Im Zentrum des Kammerkonzerts stehen Gustav ...
Mit Werken von Gustav Mahler, Alban Berg und Erich Wolfgang Korngold lässt das Ad Hoc Muri Kammerensemble unter der Leitung von Gevorg Gharabekyan das Lebensgefühl des Fin de siècle um 1900 aufleben.
pd | Im Zentrum des Kammerkonzerts stehen Gustav Mahlers Orchesterliederzyklen «Lieder eines fahrenden Gesellen» und «Kindertotenlieder». In verschiedenen Bearbeitungen für Kammerensemble-Besetzungen strahlen die Werke eine besondere Nähe und Emotionalität aus. Zum Abschluss entrückt Mahlers Vertonung des Rückert-Gedichts «Ich bin der Welt abhanden gekommen» das Publikum in eine fast transzendente Sphäre. Diese eigens für Muri entstandene Fassung erlebt hier ihre Uraufführung.
Eingebettet in den Mahler-Kosmos setzen Klavierfassungen von Erich Wolfgang Korngolds «Lieder des Abschieds» und Alban Bergs «Vier Gesänge» einen kontrastierenden Akzent: Korngold bewahrt die Schönheit der alten Welt und verwandelt Trauer in veredelte Melancholie, während Berg visionär vorausblickt. So entsteht ein abwechslungsreicher Konzertabend, der die Vielfalt musikalischer Verlusterfahrungen um 1900 in vielfältiger Weise in die heutige Zeit überführt und erklingen lässt.
Neue Stimmen, die aufhorchen lassen
Mit der britischen Mezzosopranistin Annabel Kennedy und dem Schweizer Bariton Felix Gygli, der letzten Sommer am Opernhaus Zürich in der Titelrolle des Elias sein Debüt gab, treten zwei aufstrebende Talente auf, die bereits mehrfach ausgezeichnet wurden und am Beginn einer internationalen Karriere stehen – als Opern- wie als Liedinterpreten. Sie musizieren gemeinsam mit dem Ad Hoc Muri Kammerensemble unter der Leitung von Gevorg Gharabekyan, Gründer und Leiter des Basler Kammerorchesters I Tempi. Das Ad Hoc Muri Kammerensemble wurde für dieses Konzert aus ausgewählten Instrumentalisten zusammengestellt, wobei alle Stimmen solistisch besetzt sind. Die Bearbeitungen von Mahlers Zyklen stammen aus der Feder von Andreas N. Tarkmann.
Für die neue Kammermusik-Fassung von Mahlers Rückert-Vertonung wurde der international renommierte Arrangeur und Herausgeber Klaus Simon eigens beauftragt. Er wirkt beim Konzert auch selbst als Pianist mit.
Hochkarätiges Impulsgespräch
Das Impulsgespräch dient einerseits als Einstimmung auf das Konzert, ist zugleich aber ein eigenständiger Programmpunkt. Am 10. Januar diskutieren der Kulturwissenschaftler und Philosoph Thomas Macho und Pascal Hüppi, Ressortleiter Musik im Festsaal, über das Thema Verlust – sowohl als individuelle als auch als kollektive Erfahrung, ausgehend vom Fin de siècle um 1900 bis in die Gegenwart.
«Puls von Muri»
Der Zyklus «Puls von Muri» widmet sich im nächsten Quartal der Emotion Trauer: Im Januar steht das Thema Verlust und im März das Thema Trost im Mittelpunkt. Jeder dieser Abschnitte beleuchtet die musikalische Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Gefühl und wird durch ein Impulsgespräch ergänzt, das die Perspektive weitet und den Bezug zur Gegenwart herstellt.
