Trockenheit setzt dem Wald weiter zu
28.08.2026 RegionDie jüngsten Niederschläge bringen dem Wald zwar etwas Entlastung, reichen aber bei Weitem nicht aus, um die Folgen des trockenen und heissen Sommers auszugleichen. Auch im Oberfreiamt zeigen zahlreiche Bäume deutliche Stresssymptome. Besonders betroffen sind Buchen. ...
Die jüngsten Niederschläge bringen dem Wald zwar etwas Entlastung, reichen aber bei Weitem nicht aus, um die Folgen des trockenen und heissen Sommers auszugleichen. Auch im Oberfreiamt zeigen zahlreiche Bäume deutliche Stresssymptome. Besonders betroffen sind Buchen.
RAHEL HEGGLIN
Trotz der Niederschläge während der vergangenen Tage kann von einer Entspannung noch keine Rede sein. «Unter den grossen Bäumen ist der Boden vielerorts nach wie vor trocken. Um die Situation für die Natur zu verbessern, bräuchte es nun über einige Wochen kräftigen Regen», sagt Revierförster Tobias Wiss. Denn nur so könnte das Wasser wieder bis zu den Wurzeln vordringen.
Buchen besonders unter Druck
Für die Bäume war der Wassermangel während des Sommers eine enorme Belastung. Fehlt Wasser, reduziert ein Baum seine Verdunstungsfläche. Er lässt Blätter – und teilweise auch Nadeln – fallen und versucht so, mit den verbleibenden Reserven auszukommen. In den Baumkronen können dadurch einzelne Äste oder ganze Kronenteile absterben. Gleichzeitig trocknet das Holz stärker aus. Dadurch steigt die Gefahr von Trockenrissen und Astabbrüchen. Besonders auffällig sind die Auswirkungen bei den Buchen. «Verlieren sie aufgrund der Trockenheit frühzeitig einen Teil ihrer Blätter, fehlt der Rinde der natürliche Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung. Dadurch wird der Baum zusätzlich geschädigt und geschwächt», so Wiss. Im Oberfreiamt sind die Auswirkungen, sagte er, ihm in diesem Jahr heftiger als im trockenen Sommer 2018.
Folgen können Jahre später auftreten
Bislang mussten Wiss und sein Team nur wenige Bäume fällen. Eingeschritten wurde vor allem dort, wo Bäume ein unmittelbares Risiko darstellen, beispielsweise entlang von Strassen. Ein Restrisiko bleibt aber auch bei einem Waldspaziergang. «Da die Bäume aufgrund des Wassermangels an Stabilität verloren haben, können Äste abfallen. Dies auch bei Bäumen, die auf den ersten Blick gesund ausschauen», erklärt Wiss.
Die Auswirkungen der Trockenheit sind auch mit genügend Niederschlag noch nicht ausgestanden. Erfahrungen aus früheren Hitzejahren zeigen, dass die Folgen mit erheblicher Verzögerung auftreten können. «Von der letzten Hitze im Sommer wissen wir, dass Bäume bis zu fünf Jahre später noch reagieren können», sagt Wiss. Das könne im schlimmsten Fall bedeuten, dass ein Baum Jahre nach dem eigentlichen Trockenereignis noch abstirbt.
Auch wirtschaftlich ist die Entwicklung relevant. Stirbt ein Baum trockenheitsbedingt ab, verliert das Holz an Wert. Zudem sind die Bäume wegen des Wassermangels weniger stark gewachsen. «Wiederholen sich solche trockenen Sommer über mehrere Jahre, wächst entsprechend weniger Holz nach. Langfristig kann dadurch auch die verfügbare Holzmenge zurückgehen.» Die Frage wird daher sein, was die Bäume im nächstes Jahr machen. «Ob alle wieder grün werden, wissen wir erst im Frühling.
Wild sucht nach grünen Flächen
Die Trockenheit beeinflusst zudem die Tierwelt. Auffällig ist laut Wiss, dass Rehe häufiger ausserhalb des Waldes beobachtet werden. «Wir sehen aktuell mehr Rehe, die aus dem Wald herausgehen, ins Land oder an den Strassenrand, um Gras zu fressen.» Grössere Probleme oder auffällige Verluste beim Wild seien bislang nicht bekannt. Auch beim Borkenkäfer blieb die Situation bisher vergleichsweise ruhig. Für das kommende Jahr rechnet Wiss zwar mit einer Zunahme. Eine explosionsartige Entwicklung erwartet er derzeit jedoch nicht, da die Population in diesem Jahr noch klein gewesen sei.
Vorsicht vor abbrechenden Ästen
Die anhaltende Trockenheit erhöht laut Suva das Risiko, dass Äste oder ganze Kronenteile unvermittelt abbrechen. Besonders betroffen sind Buchen und andere Laubbäume. Tückisch ist, dass gefährdete Bäume von aussen weiterhin gesund aussehen können. Waldbesuchende müssen den Wald deshalb nicht grundsätzlich meiden. Die Suva empfiehlt jedoch, Warnhinweise und Absperrungen zu beachten und sich nicht unnötig lange unter grossen oder geschädigt wirkenden Bäumen aufzuhalten. Bei starkem Wind sollte ein Waldaufenthalt möglichst verschoben werden.



