Siebeneichen-Wald – Kahlschlag ist begründet
19.06.2026 MerenschwandDer Aufschrei ging sogar bis in die Sozialen Medien: Ein 40 Aren grosses Waldstück mit dem Namen «Siebeneichen-Wald» musste gerodet werden. Dem Namen wird das Waldstück nach der Aufforstung im Herbst wieder gerecht.
IRIS CAGLIONI
Auf den ersten ...
Der Aufschrei ging sogar bis in die Sozialen Medien: Ein 40 Aren grosses Waldstück mit dem Namen «Siebeneichen-Wald» musste gerodet werden. Dem Namen wird das Waldstück nach der Aufforstung im Herbst wieder gerecht.
IRIS CAGLIONI
Auf den ersten Blick erscheint es unfassbar tragisch, dass ein Waldstück dieser Grösse einfach gerodet wurde. Wie eine aufmerksame Leserin mitteilte, sei dies ein tragischer Eingriff in die Natur. Die Antworten des Revierförsters Tobias Wiss bringen Licht ins Dunkle.
Warum wurden nicht nur die kranken Bäume entfernt?
Tobias Wiss: In diesem Waldstück standen zwei Baumarten: Fichten und Eschen. Eichen standen keine darin. Wir stellten bei beiden Arten Krankheiten fest. Viele der Fichten waren vom Borkenkäfer befallen. Die Eschen zeigten alle den Pilzbefall, der die Eschentriebe absterben lässt. Die Problematik der Eschenwelke besteht in unserer Region schon seit mindestens zehn Jahren, in der Schweiz seit 2008 und in Europa seit den 1990er Jahren. Bei dieser Baumkrankheit handelt es sich um eine hochinfektiöse Krankheit die von einem ostasiatischen, eingeschleppten Pilz namens «Hymenoscyphus fraxineus» ausgeht.
Bereits vor acht Jahren entfernten wir in diesem Waldstück die am schlimmsten befallenen Bäume. Jetzt stellten wir fest, dass leider alle Eschen befallen waren, und wir mussten handeln. Damit auf diesen 40 Aren wieder etwas Sinnvolles entstehen kann, wurden alle Bäume entfernt. Dazu gehörten auch die wenigen noch grünen Fichten. Hätten wir in diesem Waldteil nicht eingegriffen, wären von Zeit zu Zeit die Bäume umgefallen, auch über die angrenzenden Wege. Hätten wir noch länger zugewartet, wäre das Sicherheitsrisiko für die Waldbesuchenden noch grösser geworden.
Gleichzeitigt nimmt durch das Absterben der Bäume der Wert des Holzes ab. Ist der Baum abgestorben, kann das Holz nur noch als Energieholz verwendet werden. Das jetzt angefallene Holz – unser einziger nachwachsender Rohrstoff – konnte zu einem grossen Teil noch als «Sagholz» in der Bau- und Möbelindustrie verwendet werden.
Wie ist der Verlauf der Krankheit?
Wiss: Die Sporen dieses aus Asien eingeschleppten Pilzes werden über die Luft transportiert. Erst sieht man, dass die Bäume schwach belaubt sind. Dann fallen Blätter und auch die Rinde ab. Nach dem Pilzbefall in der Baumkrone durch den Eschenwelkepilz befällt der einheimische Hallimaschpilz die Wurzeln. Damit wird die Stabilität der Eschen geschwächt und sie können ohne Windeinwirkung umfallen. Das ist eine reelle Unfallgefahr. Die Zeitspanne: zwei bis drei Jahre vom Befall bis zum totalen Absterben. Etwas differenzierter sieht das bei den Borkenkäfer-Fichten aus. Da geben die Wurzeln dem kranken Baum noch Stabilität.
Was geschieht mit den Tieren, die hier lebten?
Wiss: Wir wissen, dass hier viele Tiere Unterschlupf fanden und dass wir durch die Räumung die Natur bis zu einem gewissen Punkt einschränken. Aber der Wald wird im Herbst wieder aufgeforstet. Es wird einen standortgerechter Mischwald mit Eichen geben. Bei der Pflanzung sind die Bäume zirka ein bis zwei Meter hoch. Auch lassen wir Geäst auf dem Waldboden liegen. Wir sind besorgt darum, dass die Fauna erhalten bleibt und sich die Natur hier wieder erholen kann. Die Waldtiere werden zwischenzeitlich im angrenzenden Naturschutzgebiet verweilen. Ich bin überzeugt, dass die Vögel und auch die anderen Waldbewohner zurückkommen, sobald die Bäume wieder eine ansprechende Höhe aufweisen. Zudem bieten die Asthaufen in der Zwischenzeit auch Unterschlupf für verschiedene Tierarten.
Wie wurden sie auf die Problematik aufmerksam?
Wiss: Im letzten Herbst musste wir eine umgefallene Esche von der Strasse räumen. Dabei ist uns und den Privatwaldbesitzer aufgefallen, wie stark die Eschen von der Eschenwelke befallen sind. Bei diesem Wald handelt es sich um Privatwald. Für die beiden Besitzer ist diese ganze Angelegenheit auch ein finanzieller Verlust. Für sie ist es von Bedeutung, dass sie bald wieder einen Wald bewirtschaften können.




