Pius Wiss gibt sein Amt nach insgesamt 28 Jahren ab
14.11.2025 DietwilEr hinterlässt grosse Fussabdrücke. 1990 startete der amtierende Gemeindeammann seine erste Amtszeit über drei Perioden, 2010 stellte er sich nochmals zur Verfügung und amtete während vier weiteren Legislaturen. Wiss hat die Gemeinde nachhaltig geprägt. ...
Er hinterlässt grosse Fussabdrücke. 1990 startete der amtierende Gemeindeammann seine erste Amtszeit über drei Perioden, 2010 stellte er sich nochmals zur Verfügung und amtete während vier weiteren Legislaturen. Wiss hat die Gemeinde nachhaltig geprägt.
IRIS CAGLIONI
Es sieht so aus, als läge es in der Familie: Bereits Ihr Vater hatte das Amt des Gemeindeammanns inne. Sie wurden mit knapp 31 Jahren als sehr junger Mann in den Gemeinderat gewählt. Wie kam es dazu?
Pius Wiss: Interessiert hat mich das immer, schon als Kind und Jugendlicher. Mein Vater war zwölf Jahre lang Gemeindeammann, da haben wir daheim natürlich das eine oder andere mitbekommen. Ich fand das immer spannend. Ein solches Amt war für mich die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen und dem Dorf etwas zurückzugeben.
Dann kam der Zeitpunkt, als vier von fünf Gemeinderäten demissionierten. Der fünfte hätte weitergemacht, wurde dann aber nicht mehr gewählt. Also starteten am 1.1.1990 fünf neue Gemeinderäte in ihre Amtsperiode.
Sie bekleideten von Beginn weg das Amt des Gemeindeammanns. War das Ihr Wunsch?
Die Wahlen liefen damals etwas anders ab als heute. Gewählt an der Urne wurden wir als Gemeinderäte – dafür gab es einen Wahlgang. Später dann, in einem weiteren Wahlgang, wieder an der Urne, wurden der Vize- und Gemeindeammann gewählt. Das war einige Wochen nach der ersten Wahl.
Nun ich bin der Typ Mensch, der, wenn er ja sagt zu etwas, das dann auch gleich richtig machen will – also ganz oder gar nicht. Das neue Gremium musste aber trotzdem Überzeugungsarbeit leisten, bis ich mich als Ammann zur Verfügung stellte. Ich war der Jüngste von uns fünf.
Das Amt brachte Veränderungen mit sich. Es gab plötzlich vor allem ältere Einwohner, die mich mit «Herr Gemeindeammann» ansprachen. Aber vor der Wahl war ich für sie immer der Pius gewesen. Das war schon speziell.
Was haben Sie in Ihrer ersten Amtszeit bewirken können?
Während dieser Zeit ist Dietwil gewachsen, und wir konnten den tausendsten Einwohner begrüssen. Was wir erreichen konnten, war der Bau des Gemeindehauses. Früher waren unsere Büros im Schulhaus, im heutigen Lehrerzimmer. Der Gemeindeschreiber hatte dort ein Büro mit zwei Arbeitsplätzen und im hinteren Teil befand sich ein Sitzungszimmer. Auch die Feuerwehr war beim Schulhaus stationiert. Für alle wurden die Platzverhältnisse immer prekärer. Das neue Gemeindehaus brachte Entspannung in diese Situation. Auch eine Schwimmbadsanierung fand während meiner ersten Amtszeit statt.
Nach zwölf Jahren legten Sie Ihr Amt in der Gemeinde nieder, um es dann nach weiteren acht Jahren wieder aufzunehmen – und wieder als Gemeindeammann. Was waren die Beweggründe?
Ich wurde Präsident des Schweizerischen Forstunternehmerverbandes. Zwei so wichtige Ämter wollte ich nicht zeitgleich führen, darum habe ich den Gemeindeammann abgegeben. Nach acht Jahren wiederholte sich dann das Szenario von 1989 – wieder demissionierten alle Gemeinderäte gleichzeitig. Die Gründe für diese Demissionen waren unterschiedlich, Streit war es nicht, der die Niederlegungen auslöste.
Der abtretende Gemeinderat stellte eine Wahlkommission zusammen und fand auch relativ schnell drei geeignete Kandidaten, die sich aufstellen liessen, sofern jemand gefunden würde, der den Ammann machte. Nun, irgendwann stand die Wahlkommission dann bei mir in der Stube, und daraus wurden vier Amtsperioden. Zugesagt habe ich, weil mir das Amt immer gefallen hat. Mit dieser Tätigkeit konnte ich etwas für die Gemeinde tun, konnte etwas bewegen.
Vergleicht man die beiden Amtszeiten, wo waren die grössten Unterschiede?
Für mich war der Einstieg beim zweiten Mal deutlich einfacher, denn ich wusste plus/minus, wie der Laden läuft. Vieles kannte und wusste ich noch, auch über laufende Geschäfte. Die Verwaltung funktionierte sehr gut. Zudem konnte ich auf Mitarbeiter in der Kanzlei zurückgreifen, die ihr Business kannten.
Ich durfte mit einigen Gemeinderäten zusammenarbeiten. Wir hatten in beiden Amtszeiten stets ein sehr gutes Miteinander zum Wohl des Dorfes. Mir ist der ehrliche Umgang mit den Menschen wichtig.
Das Dorf hat sich im Einfamilienhausbereich am stärksten gewandelt. Wo liegen die Zukunftsperspektiven der Gemeinde in den nächsten zehn Jahren?
Während meiner Amtszeit konnten in Dietwil diverse Bauten errichtet werden, die das Wachstum der Gemeinde moderat zuliessen. So zum Beispiel das Einfamilienhausquartier Chrummacher und das Mehrgenerationenhaus auf der Ochsenmatt. Das Schulhaus Badi-Blick wurde realisiert, das Schwimmbad wurde zum zweiten Mal saniert, und die letzte grosse Sache war die Sanierung der Turnhalle.
Ausserhalb des Dorfkerns war unser grösstes Projekt die Deponie Babilon, die ich 16 Jahre lang begleiten konnte. Diese Projekte waren Erfolgserlebnisse für mich.
Grosses Wachstum wird die Gemeinde, denke ich, nicht erleben, denn Bauland ist äusserst rar. Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2024 und 2025 sind wir etwas besser an das ÖV-Netz angebunden als vorher, doch noch nicht so attraktiv, als dass wir von Pendlern überrollt würden.
Und was machen Sie ab Januar mit der neu gewonnen Freizeit?
Wenn die vielen Sitzungen wegfallen, habe ich mehr freie Abende mit meiner Frau. Sie hat mich in meinen Amtszeiten immer unterstützt und musste oft auch zurückstehen. Ohne ihren grossen Rückhalt und ihr Verständnis wäre das nicht machbar gewesen.
Vielleicht lege ich mir ein Hobby zu, da bin ich noch in der Findungsphase. Sicherlich arbeite ich im Forstunternehmen meines Sohnes weiterhin mit. Das Amt als Chef-RFO behalte ich vorläufig auch noch.

