Pascal Staub – immer im Dienst für die Sicherheit
06.03.2026 AuwSeit dem 1. Januar ist er neu gewählter Gemeinderat. In seinem Lebenslauf findet sich ein eher seltener Punkt – Staub diente zwei Jahre lang in der Schweizergarde. Eine Erfahrung, die er nicht missen möchte.
IRIS CAGLIONI
Der 48-jährige ...
Seit dem 1. Januar ist er neu gewählter Gemeinderat. In seinem Lebenslauf findet sich ein eher seltener Punkt – Staub diente zwei Jahre lang in der Schweizergarde. Eine Erfahrung, die er nicht missen möchte.
IRIS CAGLIONI
Der 48-jährige Familienvater ist in Hünenberg aufgewachsen. Seine Kindheit und Jugend waren geprägt von einem fürsorglichen Zuhause. «Ich wuchs zusammen mit meiner Schwester in einer liebevollen Familie auf. Die Werte, die mir meine Eltern mitgegeben haben, sind mir sehr wichtig: ein respektvoller Umgang miteinander, für die Kinder da sein.»
Einer seiner Kindheitsträume war es, Polizist zu werden, und darum stellte er die Weichen schon früh in die entsprechende Richtung. «Ich informierte mich, was es braucht, um Polizist werden zu können. Sicherheit war schon immer ein Bereich, der mich faszinierte, ebenso die Schweizergarde. Mein Berufswunsch war auch bei der Aushebung ausschlaggebend. Darum wurde ich in die Einheit der Territorialfüsiliere eingeteilt.» So ging Staub nach seiner Ausbildung zuerst in die Rekrutenschule und anschliessend in die Unteroffiziersschule – ein wichtiger Schritt für sein Vorhaben in Rom.
Weg zur Päpstlichen Schweizergarde
Nur ein kleiner Prozentsatz der Interessierten ist geeignet, Schweizergardist zu werden, denn die Auswahlkriterien sind umfassend: praktizierender Katholik, Schweizer Bürger, männlich, ledig, zwischen 19 und 30 Jahren alt, mindestens 1,74 Meter gross, einwandfreie Gesundheit, einwandfreier Leumund, absolvierte Rekrutenschule in der Schweizer Armee, abgeschlossene Berufslehre und die Bereitschaft, sich für 26 Monate zu verpflichten.
Staub war schon als Kind beeindruckt von dieser Einheit. Schweizergardist war eine Option in seinem Karriereplan. «Nach dem Militärdienst ergab sich die Möglichkeit. Ich brachte sämtliche Voraussetzungen mit. Der Bewerbungsprozess lief über ein Rekrutierungsbüro in Schaffhausen. Dann kam der Brief, dass ich angenommen wurde, eine Informationsveranstaltung mit allem Wissenswerten und der Marschbefehl: Einrücken am 1. Februar 2000.»
Bewachungs- und Ehrendienst
Die Vatikanstadt war für zwei Jahre Staubs Heimat. «Es war eine ganz besondere Zeit. Anfänglich wurden wir in die Gepflogenheiten des Vatikans eingeführt, lernten die Persönlichkeiten, die Rituale und die Räumlichkeiten kennen. Auch gab es eine rund achtwöchige Rekrutenschule und Trainings wie: Selbstverteidigung, im Gleichschritt gehen, Umgang mit den Hellebarden. Auch mussten wir die Priester und geistlichen Würdenträger erkennen, damit wir sie ihrem Rang entsprechend würdig begrüssen konnten.» Damals, als Staub in der Schweizergarde Dienst tat, waren 110 Gardisten in dieser Eliteeinheit. Es ist ein Bewachungs- und Ehrendienst. Die Gardisten sind eine professionelle Einheit, die nebst dem Personenschutz für den Papst sämtliche Zugänge und Durchgänge bewacht. «Wir sind die einzige Instanz dieser Art im Vatikan. Auch für die päpstliche Wohnung. Es gibt nur die Gardisten.»
Gardist zu sein ist aber auch ein Ehrendienst. «Bei Empfängen von Persönlichkeiten aus Politik und Kultur, bei Papstaudienzen und feierlichen Anlässen stehen sie Ehrenposten.»
Dabei ein, zwei oder gar drei Stunden an Ort und Stelle stillzustehen war für Staub kein Problem. «Mein längster Einsatz mit Stillstehen waren dreieinhalb Stunden. Das ging eigentlich ganz gut. Doch danach die ersten Schritte zu machen, mich wieder zu bewegen, das war herausfordernd.»
Begegnungen mit Persönlichkeiten
Die Begegnung mit dem höchsten Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche war für Staub ein besonderes Erlebnis. «Damals war Papst Johannes Paul II im Amt – eine charismatische Erscheinung, auch im hohen Alter. Er war bekannt dafür, dass er auch mal mit seinen Gardisten plaudern konnte. Während meiner Dienstzeit war er aber schon hochbetagt und nicht mehr so viel anzutreffen. Doch ich durfte ihm mehr als einmal die Hand geben. Zusehen, wie gerührt Menschen waren, die dem Papst begegnen durften, das war sehr speziell und prägend für mich. Ich sah, wie diese Menschen Hoffnung schöpften. Diese Zeit damals hat nachhaltig meine Sichtweise zur Spiritualität und zum Glauben verändert.»
Dann gibt es jene Vatikanbesucher, die gerne mit einem Gardisten ein Foto machen wollen. Staub erinnert sich an eine spezielle Begebenheit, und dabei lächelte er: «Nun, ich wurde gefragt, ob ich vielleicht so nett wäre, mit einem Herrn ein paar Bilder zu machen. Ich liess mich mit ihm ablichten. Später erfuhr ich durch meinen Kollegen, dass es Russell Crowe war. Damals lief neu in den Kinos der Film ‹Gladiator›, den ich noch nicht gesehen hatte. Darum erkannte ich den Schauspieler nicht.»
Der Dienst stand an erster Stelle
Der Bewachungsdienst brachte auch Entbehrungen mit sich. Eine davon war die Ferieneinteilung. In den ersten elf Monaten darf kein Urlaub genommen werden. «Danach waren zweimal vier Wochen Ferien möglich, und so konnte ich auch meine Familie besuchen. Meine Eltern besuchten mich in Rom. Während ihres einwöchigen Aufenthalts konnte ich nur an einem Abend mit ihnen essen gehen. Es war unmöglich, frei zu nehmen.» Er lernte, die persönlichen Interessen hinten anzustellen. Doch im kleinsten Staat der Welt war auch alles erhältlich. Und einkaufen konnte man da sogar zollfrei.
Zurück in der Schweiz
Nach zwei Jahren kehrte Staub in die Schweiz zurück und fand privat und im Beruf relativ schnell wieder Anschluss. Er absolvierte die Polizeischule und verwirklichte sich seinen Kindheitstraum. Vor 13 Jahren zog es Staub mit seiner Familie nach Auw. Inzwischen ist er wieder in der Privatwirtschaft, immer noch im Sicherheitsdienst, tätig und hat seit dem 1. Januar das Amt als Gemeinderat inne mit dem Ressort Hochbau. Die Zeit in Rom war für ihn prägend, und sie ist mit vielen positiven Erinnerungen verbunden, auch mit Freundschaften, die noch heute bestehen.


