Neugestaltung der Friedhofanlage
07.11.2025 OberrütiDie Friedhofanlage soll erneuert werden. Und dies trotz knapper finanzieller Mittel der Gemeinde. An der Informationsveranstaltung am Dienstagabend stellte der zuständige Ressortvorsteher das Projekt vor.
RAHEL HEGGLIN
Pius Hofstetter, Gemeinderat und ...
Die Friedhofanlage soll erneuert werden. Und dies trotz knapper finanzieller Mittel der Gemeinde. An der Informationsveranstaltung am Dienstagabend stellte der zuständige Ressortvorsteher das Projekt vor.
RAHEL HEGGLIN
Pius Hofstetter, Gemeinderat und Ressortvorsteher Friedhofwesen, konnte rund 40 Besucherinnen und Besucher zur Präsentation des Projekts «Neugestaltung Friedhof» begrüssen. Neben ihm nahmen auch Dominic Baumann von der Arnold Gartenbau AG aus Sins und Jan Amstutz, Vertreter der römisch-katholischen Kirchenpflege, als Referenten teil. Hofstetter erläuterte zunächst die Zuständigkeiten: Während die Kirche selbst der Kirchgemeinde gehört, liegt die Verantwortung für den Friedhof bei der Einwohnergemeinde. Grundlage dafür ist ein Dienstbarkeitsvertrag, der die Nutzung des Areals und der Aufbahrung regelt und bis ins Jahr 2083 gültig ist.
Verschiedene Mängel machen Projekt nötig
Doch weshalb wagt die Gemeinde in einer angespannten finanziellen Lage ein solches Projekt? Der Ressortvorsteher blickte dazu einige Jahre zurück. Die letzte Teilsanierung der Friedhofanlage liegt über zwei Jahrzehnte zurück. Immer wieder wurde der Gemeinderat auf Mängel hingewiesen: Das Gemeinschaftsgrab sei wenig ansprechend, es fehle an Sitzgelegenheiten und Schatten, und die Anlage wirke insgesamt nicht einladend. «Aus diesen Gründen wurde bereits vor einigen Jahren im Investitionsplan für 2026 ein entsprechendes Projekt vorgesehen», so der Gemeinderat. Zunächst musste jedoch der südliche Friedhofteil vollständig aufgehoben werden. Erst vor rund zwei Monaten wurde die letzte Grabreihe entfernt und die Fläche neu begrünt. Nun liegt ein überarbeitetes, gemeinsam mit der Kirchenpflege entwickeltes Projekt vor.
Planungsperimeter und bestehende Strukturen
Hofstetter stellte dazu die sechsköpfige Arbeitsgruppe vor und erläuterte die Ist-Lage: Im nördlichen Teil des Friedhofs befinden sich die Urnenstele und das bestehende Gemeinschaftsgrab. Der Bereich daneben ist für Einzelurnengräber reserviert. «Hier ist auch eine spätere Beisetzung einer zweiten Urne möglich, etwa bei Ehe- oder Familiengräbern», präzisierte Hofstetter. Der rechte Teil aus Sicht der Kirche dient den Erdbestattungen. Hier fügte Hofstetter ein interessantes Detail an: «Die letzte Beisetzung hat im Jahr 2020 stattgefunden.» Diese Grabfelder bleiben unverändert. Auch künftige Beisetzungen werden da weiterhin möglich sein. Lediglich beim bestehenden Gemeinschaftsgrab ist eine Verlegung der Asche in das neue Gemeinschaftsgrab, welches im neu angelegten Bereich vorgesehen ist, angedacht. «Allerdings nur mit ausdrücklicher Zustimmung sämtlicher Angehöriger», so der Gemeinderat. Entsprechende Abklärungen mit den kantonalen Behörden seien bereits erfolgt.
Im südlichsten Teil des Friedhofs befindet sich der eigentliche Planungsperimeter: Hier sollen eine neue Grabstätte sowie eine Begegnungszone entstehen. Wie diese aussehen soll, erklärte der Projektleiter Dominic Baumann.
Das Projekt «Heimatstätte»
Unter dem Titel «Heimatstätte» sollen ein neues Gemeinschaftsgrab sowie einzelne Urnengräber entstehen. Der Name stehe für das Miteinander und die enge Verbundenheit mit der Heimat. «Viele von uns sind in Oberrüti aufgewachsen und stark mit dem Dorf verwurzelt. Deshalb war schnell klar, dass Gemeinschaft und Heimat im Zentrum stehen sollen», so Baumann. Inspiriert vom Dorfwappen entwickelte er mit seinem Team ein Konzept, das die Rückkehr in die Heimat symbolisiert. Die Anlage ist mit einer feinen Stahleinfassung gestaltet, in deren Mitte sich eine Natursteinpflästerung befindet. Ein neu positionierter Brunnen sowie barrierefreie Wege schaffen Aufenthaltsqualität und Zugänglichkeit. Pflegeleichte Bepflanzungen mit robusten, heimischen Pflanzen sorgen für eine natürliche, ruhige Atmosphäre, mit genügend Schatten- und Sitzgelegenheiten. Ein weiterer wichtiger Punkt sind die Container- und Entsorgungsstellen, welche künftig in den Hintergrund rücken sollen.
Kostenübersicht und Baustart
Trotz knapper Gemeindefinanzen will der Gemeinderat dieses Projekt realisieren, da es als Investition in die Lebens- und Abschiedskultur des Dorfes verstanden wird. Der Bruttokredit beläuft sich auf 120’000 Franken. Diese Kosten betreffen ausschliesslich die Einwohnergemeinde. Arbeiten, die die Kirchgemeinde betreffen, werden separat finanziert.
Sagt der Souverän an der Gemeindeversammlung dem Kredit zu, kann die Arbeitsgruppe zusammen mit dem Gemeinderat das Detail- und Bauprojekt ausarbeiten. Bereits an der Gemeindeversammlung im kommenden Sommer soll die Revision des Friedhof- und Bestattungsreglements traktandiert werden, damit die neue Grabstätte auch rechtlich verankert ist. Der Baustart ist für Mitte August 2026 vorgesehen, wobei die Arbeiten rund drei Wochen dauern. «Zusätzlich sollen auch die Kiesflächen rund um die Kirche erneuert werden, damit diese rollstuhlgängig sind und zur neuen Friedhofanlage passen», erklärte Amstutz von der Kirchenpflege. Diese Kosten belaufen sich auf zusätzliche 30’000 Franken, worüber die Kirchgemeinde an ihrer Versammlung vom 28. November abstimmen wird. «Wir wollen diese Arbeiten zusammen mit den Arbeiten beim Friedhof umsetzen, um Synergien zu nutzen», so Amstutz. Vollständig abgeschlossen sein soll die Gestaltung des neuen Friedhofsbereich im September 2026.
Fragerunde
Bei der anschliessenden Fragerunde gaben vor allem die Finanzen zu reden. So wurde angeregt, dass die Gemeinde schon jetzt monatlich immer neue Schulden mache und diese sich weiter anhäufen werden. Ob der Stimmbürger der angedachten Investition zustimmen wird, wird sich an der Gemeindeversammlung vom 19. November zeigen. Auch die Frage nach der Gestaltung mit dem zackigen Wappen war ein Einwand. Bedenken sind hierbei, dass es umständlich sein könnte, um diese Zacken zu laufen, vor allem mit einem Rollator. Hier erläuterte Baumann, dass es sich aktuell um einen Vorschlag handle. Die Wegführung aber genug breit gedacht sei, so dass auch mit einem Rollator oder einem Rollstuhl die neue Grabstätte gut besucht werden könne.




