Neuer Förster hat viele Projekte und Herausforderungen
27.02.2026 RegionMit 690 Hektaren Wald trägt Alain Döbeli im Oberfreiamt Verantwortung für Natur, Holzproduktion und neue Herausforderungen wie Klimawandel und Rothirsch. Der 31-Jährige verbindet handwerkliche Leidenschaft mit strategischem Denken und sucht den Dialog mit der ...
Mit 690 Hektaren Wald trägt Alain Döbeli im Oberfreiamt Verantwortung für Natur, Holzproduktion und neue Herausforderungen wie Klimawandel und Rothirsch. Der 31-Jährige verbindet handwerkliche Leidenschaft mit strategischem Denken und sucht den Dialog mit der Bevölkerung.
RAHEL HEGGLIN
Alain Döbeli ist im Seetal aufgewachsen, in Sarmenstorf. «Mein Vater ist Landschaftsgärtner, meine Mutter Floristin», erzählt er. Die Nähe zur Natur sei ihm früh in die Wiege gelegt worden. Nach der Forstwartlehre blieb er dem Wald treu, arbeitete mehrere Jahre als Forstwart, engagierte sich in der Ausbildung von Lernenden und gab Kurse in Jungwaldpflege und Ökologie.
Es folgte die Ausbildung an der Försterschule in Maienfeld. Dort lernte er, einen Forstbetrieb zu leiten: Rechnungswesen, Waldbau, nachhaltige Nutzung. «Es geht darum, den Wald so zu pflegen, dass er weiterhin Erträge bringt und wir qualitativ gutes Holz ernten können.» Im Oktober schloss er die Ausbildung ab. Im Januar übernahm er die Revierleitung bei wald kommunal + bei der Ortsbürgergemeinde Auw.
Verantwortung für 690 Hektaren
Zu seinem Revier gehören neben Auw auch Abtwil, Oberrüti und Sins. Insgesamt betreut er rund 690 Hektaren Wald. Sein Team ist in Auw stationiert, bei den anderen Gemeinden kommen externe Unternehmer zum Einsatz. «Ich organisiere, zeichne Holzschläge an, rechne ab und schaue, dass alles läuft», sagt er. Der Unterschied zwischen Forstwart und Förster sei deutlich: «Der Forstwart ist der Handwerker draussen im Wald. Der Förster ist stärker in der Betriebsführung und Administration tätig.» Trotzdem bleibt ihm die Leidenschaft für das Holz. «Einen Baum zu begleiten, ihn zu ernten und später als Produkt wiederzusehen, das fasziniert mich bis heute.»
Lebensräume schaffen
Wald kommunal + arbeitet auch im Auftrag der Gemeinde und unterhält Waldstrassen, baut und pflegt Grillstellen oder kümmert sich um die Biodiversität. «Der Wald ist Erholungsraum, Naturraum und Wirtschaftsraum zugleich», sagt Döbeli. Totholz wird bewusst liegen- und stehengelassen, um Spechten und Fledermäusen Lebensraum zu bieten. In Richtung Beinwil entstand kürzlich ein neues Amphibiengewässer. «Wir konnten im Tannwald nahe einer Quelle mit dem Bagger ein Loch ausschaufeln, dieses mit Lehm abdichten und so Kleinstrukturen schaffen. Damit wollen wir Arten wie den Feuersalamander oder die Gelbbauchunke fördern.
Ein weiteres Projekt sind die Partnerbäume. Einzelpersonen können eine Patenschaft für ökologisch wertvolle Bäume im Auwer Wald übernehmen. Diese bleiben bis zu ihrem natürlichen Lebensende stehen. «So schaffen wir Nähe zur Bevölkerung und stärken das Bewusstsein für Biodiversität», erklärt Döbeli.
Klimawandel und Rothirsch
Die grösste Herausforderung sieht der Förster im Klimawandel. Trockenperioden setzen insbesondere der Fichte, auch Rottanne genannt, stark zu. Geschwächte Bäume werden so anfälliger für Borkenkäfer. «Früher war die Rottanne unser Brotbaum. Heute merkt man, dass sie in tieferen Lagen an ihr Limit kommt.» Monokulturen seien riskant. Deshalb verfolgt Döbeli mit seinem Team das Ziel, eine vielfältige Mischung mit klimaresistenteren Arten wie der Traubeneiche zu schaffen. «Wir denken in Zeiträumen von 100 Jahren. Niemand weiss genau, wie das Klima dann aussieht.» Neben dem Klimawandel, dem Borkenkäfer und auch Pilzkrankheiten bei Eschen beschäftigt eine weitere Entwicklung die Branche: der Rothirsch. Das Wildtier wandert zunehmend aus den Voralpen ins Mittelland ein und tappte bereits in eine Fotofalle in Auw. «Der Rothirsch frisst höher als das Reh. Deshalb reichen unsere bisherigen Schutzmassnahmen da nicht mehr aus.» Noch seien die Schäden gering, doch die Aufmerksamkeit für eine Population ist gross.
Zwischen Naturschutz und Nutzung
Was den neuen Förster besonders stört, sind Abfall und Vandalismus. «Littering ist ein No-Go. Der Wald ist einer der letzten naturnahen Lebensräume, die wir haben.» Insgesamt erlebt er die Bevölkerung jedoch als interessiert und offen für Erklärungen. Transparente Kommunikation sei entscheidend, etwa nach einem Kahlschlag infolge eines Borkenkäferbefalls.




