Neue Eigentümerstrategie beim Abwasserverband
06.11.2026 RegionDer Abwasserverband Oberfreiamt soll künftig eigenständiger organisiert werden. Bis jetzt entscheiden die vier Verbandsgemeinden Sins, Auw, Abtwil und Mühlau über grössere Investitionen. Neu soll eine Abgeordnetenversammlung einen Teil dieser Aufgaben ...
Der Abwasserverband Oberfreiamt soll künftig eigenständiger organisiert werden. Bis jetzt entscheiden die vier Verbandsgemeinden Sins, Auw, Abtwil und Mühlau über grössere Investitionen. Neu soll eine Abgeordnetenversammlung einen Teil dieser Aufgaben übernehmen.
RAHEL HEGGLIN
Damit könnte der Verband künftig selbständig Investitionen finanzieren und dafür bei Bedarf Kredite aufnehmen. Gleichzeitig sollen die wichtigsten Sammelleitungen der vier Gemeinden sowie die Pumpwerke und Regenbecken in sein Eigentum übergehen. Die kleineren Kanalisationsleitungen innerhalb der Gemeinden sollen hingegen weiterhin in deren Besitz bleiben und auch von ihnen unterhalten werden. Dass die Finanzierung jetzt neu organisiert werden soll, liegt an den umfangreichen Investitionen, welche in den kommenden Jahren anstehen. Vorgestellt wurden die Pläne vergangene Woche im Küngsmattsaal in Sins.
ARA ist an ihrer Kapazitätsgrenze
Die Abwasserreinigungsanlage (ARA) Giessenmatt in Sins ist seit 1985 in Betrieb. In den Jahren 2007 und 2008 wurde sie umfassend saniert. Mit dem Anschluss der Gemeinde Mühlau im Jahr 2016 erfolgte eine Erweiterung. Heute reinigt die Anlage das Abwasser aus den vier Verbandsgemeinden. Ihre Kapazität liegt bei 12’100 Einwohnerwerten. Diese Zahl berücksichtigt neben den Einwohnenden auch die Abwasserbelastung durch Gewerbe und Industrie. «Wir sind inzwischen immer wieder zu 100 Prozent ausgelastet. Reserven haben wir keine mehr», erklärte Stefan Balmer, Präsident des Abwasserverbands Oberfreiamt. Eine Sanierung und Erweiterung der ARA ist deshalb unumgänglich. Hinzu kommen notwendige Anpassungen an die Gewässerschutzvorschriften.
Investitionen in Millionenhöhe
Dafür wird mit Kosten von rund 17 bis 18 Millionen Franken gerechnet. Hinzu kommen wichtige Sanierungen am Kanalisationsnetz und an weiteren Anlagen. Dort wird der Investitionsbedarf auf 10 bis 20 Millionen Franken geschätzt. An der Informationsveranstaltung wurde erläutert, dass verschiedene Möglichkeiten geprüft worden waren. «Insbesondere ein Ausbau der bestehenden Anlage, eine Erweiterung mit Anschluss der Gemeinden Oberrüti und Dietwil sowie eine Ableitung des Abwassers zur regionalen Kläranlage in Cham», so Balmer.
Letztere Möglichkeit wurde jedoch verworfen, nachdem ein entsprechendes Anschlussgesuch abgelehnt worden war. Vorgesehen ist deshalb ein Ausbau der ARA Giessenmatt. Auch Oberrüti und Dietwil könnten sich künftig anschliessen. Die beiden Gemeinden haben bereits ein entsprechendes Gesuch gestellt. Über die Einzelheiten soll aber erst nach den Abstimmungen zur neuen Eigentümerstrategie entschieden werden.
Gemeinden müssen Kapital einzahlen
Damit der Abwasserverband künftig finanziell eigenständig agieren kann, benötigt er ausreichend Eigenkapital. Dieses sogenannte Dotationskapital wird von den vier Gemeinden bereitgestellt. Die Berechnung erfolgt anhand von 1’200 Franken pro Einwohnerwert. Insgesamt ergibt dies ein Bruttokapital von rund 13,8 Millionen Franken. «Davon werden unter anderem die bestehenden Restwerte der übertragenen Anlagen sowie bereits bewilligte Investitionen abgezogen. Übrig bleibt ein einzuzahlender Betrag von rund 10,35 Millionen Franken», erklärte Jakob Sidler, Vizepräsident Abwasserverband Oberfreiamt. Weiter führte er aus, dass Sins den grössten Anteil mit rund 5,63 Millionen Franken übernimmt. Auw muss rund 3,73 Millionen Franken und Abtwil knapp eine Million Franken beisteuern. Eine Besonderheit ergibt sich für Mühlau. Weil die Gemeinde beim Anschluss an die ARA im Jahr 2016 bereits grössere Investitionen getätigt hat, verfügt sie über entsprechend hohe Restwerte. Daraus entsteht ein Guthaben von rund 988’000 Franken gegenüber dem Verband.
Steigende Kosten sind zu erwarten
Gemäss den Ausführungen an der Informationsveranstaltung ändert sich mit der neuen Eigentümerstrategie für die Bevölkerung zunächst wenig. Die Einwohnerinnen und Einwohner bezahlen ihre Abwassergebühren weiterhin an ihre jeweilige Gemeinde. Allerdings stehen unabhängig davon umfangreiche Investitionen an. Und diese werden sich finanziell bemerkbar machen. Der Verband rechnet damit, dass sich die jährlichen Kosten, die er den Gemeinden in Rechnung stellt, aufgrund der anstehenden Investitionen mindestens verdoppeln werden. In welchem Umfang die Abwassergebühren in diesem Fall für die Bevölkerung steigen werden, wurde an der Veranstaltung nicht beziffert. Langfristig sollen die Kosten für die gemeinsam genutzten Anlagen jedoch solidarisch und nach einem einheitlichen Schlüssel auf die Gemeinden verteilt werden.
Weniger Einfluss für Gemeindeversammlungen
Mit der Neuorganisation verändern sich auch die Entscheidungsbefugnisse. Anstelle der bisherigen Verbandsstruktur soll eine Abgeordnetenversammlung mit elf Mitgliedern geschaffen werden. Sins erhält vier Sitze, Auw drei, Mühlau und Abtwil je zwei. Dieses Gremium wird künftig unter anderem über Budgets, Jahresrechnungen und Investitionen entscheiden. Die einzelnen Gemeindeversammlungen verlieren dadurch einen Teil ihres bisherigen Einflusses.
Entscheid fällt im November
Damit die neue Eigentümerstrategie umgesetzt werden kann, müssen alle vier Verbandsgemeinden den angepassten Satzungen und der Finanzierung zustimmen. Die entsprechenden Abstimmungen finden an den Gemeindeversammlungen im November statt. Stimmen sämtliche Gemeinden zu, sollen die neuen Strukturen am 1. Januar 2027 in Kraft treten.



