Mühlau verliert seinen Dorfladen
14.08.2026 MühlauNach fast 40 Jahren verschwindet der Volg aus dem Mühlauer Dorfbild. Die Landi Freiamt wird den Laden per 30. November aufgeben. Ausschlaggebend sind wirtschaftliche Gründe: Trotz jahrzehntelanger Bemühungen gelang es nie, den Standort nachhaltig rentabel zu betreiben. ...
Nach fast 40 Jahren verschwindet der Volg aus dem Mühlauer Dorfbild. Die Landi Freiamt wird den Laden per 30. November aufgeben. Ausschlaggebend sind wirtschaftliche Gründe: Trotz jahrzehntelanger Bemühungen gelang es nie, den Standort nachhaltig rentabel zu betreiben.
RAHEL HEGGLIN
Für viele Mühlauerinnen und Mühlauer gehört der Volg seit Jahrzehnten zum Dorf. Doch aus Sicht der Betreiber war der Laden während Jahren ein Sorgenkind. «Wir haben fast 40 Jahre gekämpft, um den Laden auf ein finanziell tragbares Niveau zu bringen. Besonders in den vergangenen rund 20 Jahren war der Betrieb praktisch nie kostendeckend gewesen», sagt der ehemalige Verantwortliche der Volgläden, Daniel Strebel. Strebel war bis Ende Juni Vorsitzender der Geschäftsleitung der Landi Freiamt und hat bei der Entscheidung zur Schliessung massgeblich mitgewirkt. Per kommenden Jahres wird er pensioniert, weshalb er das Zepter per 1. Juli übergeben hat.
Keine Quersubventionierung auf die Dauer
Hoffnung auf eine Weiterführung des Ladens hat auch die zeitweise finanzielle Unterstützung der Gemeinde und das Bevölkerungswachstum in Mühlau gegeben. «Die gewünschte Verbesserung der Umsätze ist jedoch ausgeblieben», erklärte Strebel. Gleichzeitig sind die Lohn-, Energie- und Betriebskosten kontinuierlich gestiegen. Den endgültigen Ausschlag gab schliesslich die Erhöhung der Ladenmiete. «Diese wurde um 12’000 Franken jährlich angehoben, was einer monatlichen Erhöhung von 1’000 entspricht. Das war der Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hatte», erklärt Strebel. Die Schuld aber nur dem neuen Eigentümer und der Mietzinserhöhung zu geben, wäre seiner Ansicht nach falsch. «Wir wären auch nicht in der Lage gewesen, zukünftige Investitionen, beispielsweise bei Kühlgeräten, zu tätigen.» Der Entscheid ist der Geschäftsleitung laut Strebel nicht leichtgefallen. «Ein einzelner Standort kann nicht dauerhaft von den übrigen Filialen quersubventioniert werden. Die unternehmerische Verantwortung verlangt, dass die Landi Freiamt wirtschaftlich gesund bleibt.»
Gemeinde sucht eine Lösung
Mit der Schliessung endet die Einkaufsmöglichkeit im bisherigen Volg, doch für den Gemeinderat ist das Thema noch nicht abgeschlossen. Gemeinderat Peter Suter bestätigt, dass bereits intensive Gespräche mit verschiedenen möglichen Anbietern geführt werden. «Wir sind sehr daran interessiert, dass Mühlau weiterhin über eine Einkaufsmöglichkeit verfügt», sagt Suter, denn; «besonders für weniger mobile Menschen ist ein Dorfladen wichtig, gleichzeitig leidet auch die Attraktivität der Gemeinde, wenn die Einkaufsmöglichkeit verschwindet.»
Unter anderem steht die Gemeinde laut Suter mit der Volg Konsumwaren AG in Kontakt, um mögliche Lösungen auszuloten. Wie realistisch eine Nachfolgelösung ist, lasse sich derzeit nicht abschätzen. «Wir sind im Wechselbad der Gefühle. Die Chancen sind wohl eher kleiner als fünfzig Prozent, aber wir wollen alle Möglichkeiten ausschöpfen.»
Auch was den Standort anbelangt, würde es ziemlich sicher eine Änderung geben. Laut Suter wurden verschiedene Lokalitäten geprüft, wobei sich ein Favorit abzeichnet. «Allerdings müssten noch verschiedene Rahmenbedingungen und Bewilligungsfragen geklärt werden.» Auch eine befristete finanzielle Unterstützung durch die Gemeinde könnte grundsätzlich ein Thema werden. Ein solcher Entscheid müsste jedoch von der Einwohnergemeindeversammlung genehmigt werden.
Mitarbeitende behalten ihre Stellen
Für die vier Mitarbeitenden hat die Schliessung erfreulicherweise keine Kündigung zur Folge. Die Landi Freiamt zählt 18 Verkaufsstellen und kann allen Angestellten eine interne Anschlusslösung anbieten. Bereits klar ist, wo Filialleiterin Anita Birrer hingeht. Nach knapp 35 Jahren im Volg Mühlau,wechselt sie nach Dietwil.
Auch für die Post braucht es eine neue Lösung
Die Oberfreiämter Gemeinden Auw, Dietwil, Oberrüti und Beinwil müssen sich laut Strebel aktuell keine Sorgen um den Erhalt ihres Volgladens machen. Diese seien rentabel und würden von der Bevölkerung momentan genug stark frequentiert.
Anders die Bevölkerung in Mühlau. Diese muss sich nicht nur um zukünftig fehlende Einkaufsmöglichkeiten innerhalb der Gemeinde sorgen, sondern allenfalls auch um die Poststelle, welche aktuell in die Volg-Filiale integriert ist. Wie Suter angibt, wurden die Verträge zwischen der Landi-Freiamt und der Post ebenfalls per 30. November gekündigt. Bei der Gemeinde sind Bestrebungen für eine Nachfolgelösung im Gang, aber noch nicht spruchreif.
Anita Birrer feiert ihr 35. Jubiläum
kb | Im November 1985 eröffnete in Mühlau der Dorfladen Volg. Damals wohnten schätzungsweise rund 720 Menschen im Dorf. Im Jahr 1991 trat die aus dem Berner Oberland stammende Anita Birrer die Position der Filialleiterin an. Gerne erinnert sie sich an die Zeit, als die Kundschaft noch mit handgeschriebenen Einkaufszetteln in den Volg kam, um den Wocheneinkauf zu erledigen. An die vielen Familien, deren Kinder sie aufwachsen sah. Und an die Kinder, die zuerst mit ihren Eltern, später als Teenager und schliesslich als Erwachsene im Volg einkauften.
Wie sich das Kaufverhalten über die Jahre verändert hat, erlebte Birrer aus nächster Nähe. Während früher das klassische Rollenbild die Einkäufe prägte und vor allem die haushaltsführenden Frauen den Wocheneinkauf erledigten, wird heute kurzfristiger geplant. Auch sind Convenience-Produkte deutlich gefragter als früher. Mit dem Wachstum des Dorfes kamen zudem viele auf dem Bau tätige Personen als Kundinnen und Kunden in den Laden. Das machte sich zeitweise auch in höheren Einnahmen erfreulich bemerkbar. Ihr gutes Team und die persönlichen langjährigen Kontakte mit der Kundschaft wird sie vermissen.


