Die Zukunft wird noch mehr Hitzetage bringen. Auf einem «Klimaspaziergang» durch die Gemeinde wurde deutlich, wo sich hohe Temperaturen schon heute gut aushalten lassen. Aber es gibt auch noch Handlungsbedarf.
ANNETTE KNÜSEL
Am Abend des 27. ...
Die Zukunft wird noch mehr Hitzetage bringen. Auf einem «Klimaspaziergang» durch die Gemeinde wurde deutlich, wo sich hohe Temperaturen schon heute gut aushalten lassen. Aber es gibt auch noch Handlungsbedarf.
ANNETTE KNÜSEL
Am Abend des 27. Augusts führte Martina Siegrist vom Naturama Aargau eine Gruppe interessierter Sinser zwei Stunden lang durch die Gemeinde. Eingeladen worden war sie von der Energie- und Umweltkommission. Der Spaziergang startete am Bahnhof und führte über sechs Stationen bis zum Schulplatz Ammannsmatt.
Zu Beginn rüstete Siegrist die Teilnehmer mit kleinen Temperaturmessgeräten aus und ermunterte sie, unterwegs fleissig die Temperatur des Bodens zu messen. Denn eine zuverlässige Schätzung, so stellte sich gleich zu Beginn heraus, ist ziemlich schwierig. Der einzige Anhaltspunkt, wenn man kein Messgerät hat: die Innenfläche der Hand ist ungefähr 32 Grad warm.
Faustregeln für den Hausgebrauch
Die aktuellen Herausforderungen im Städtebau beschrieb Siegrist so: Weil es immer mehr Hitzetage und immer mehr Starkwetterereignisse geben wird, muss sich die Bauweise so verändern, dass sie in erster Linie vor Hitze schützt statt vor Kälte. Die Infrastruktur dagegen muss einerseits in der Lage sein, starke Regenfälle rasch abfliessen zu lassen, andererseits aber das wenige Wasser in Trockenphasen grossflächig verfügbar halten.
Klingt kompliziert? Ist es auch. Aber Siegrist gab den Teilnehmern ein paar Faustregeln an die Hand. Damit ein Ort bei grosser Hitze angenehm bleibt, braucht es: weniger versiegelte Flächen, mehr Grünflächen, Schatten und offene Gewässer sowie mehr alte Bäume. «Wenn ein Baum im zarten ‹Teenager-Alter› von nur 50 Jahren schon wieder gefällt wird, hat er sein volles Potenzial zur Verbesserung unseres Klimas noch nicht entfaltet», erklärte sie.
Bedeutung der Bodenstruktur
An der zweiten Station des Spaziergangs, dem Platz an der Luzernerstrasse, Ecke Lettenstrasse, liess sich die Gruppe gerne nieder: angenehme Temperatur, frische Luft. Von den neun Platanen, die früher hier auf Asphalt standen, sind nur noch drei übrig. Der Boden: Sickerfläche aus Kies und Pflaster. Siegrist lobte die verschiedenen Bodenstrukturen und dass die Bäume genug Platz zum Wachsen haben. Zwar seien Platanen weitgehend wertlos für die Biodiversität. Doch mit Blick auf die Nachhaltigkeit sei es sicher die richtige Entscheidung gewesen, die bestehenden Bäume nicht durch neue zu ersetzen.
Am Parkplatz in der Bahnhofstrasse wurde der Einfluss des Bodenbelags auf die Temperaturen besonders deutlich: Auf sonnigen Rasengittersteinen mass eine Teilnehmerin 28 Grad Bodentemperatur, auf der schattigen Asphaltfläche wenige Meter weiter dagegen 38 Grad. «In der Sonne wird Asphalt schnell mal 51 Grad heiss», erläuterte Siegrist, und erklärte noch die Bedeutung des Bodens für das Wassermanagement: Eine knapp 12 Quadratmeter grosse Parkfläche muss übers Jahr fast 12’000 Kubikmeter Wasser aufnehmen. Mit Rasengittersteinen kann dieses Wasser einfach versickern, bei Asphalt fliesst es weiter, sammelt sich und kann zu nassen Kellern in der Umgebung führen.
Hitzeschutz in der Schule
Auf dem Schulhof Ammannsmatt war es heiss. Alle waren sich einig: Hier ist einer der heissesten Plätze im Ort. Das ist problematisch, denn Kinder leiden noch stärker unter der Hitze als Erwachsene. «Kinder brauchen Licht, Luft und Platz für Spiel und Bewegung», erläuterte Siegrist. Verdunkelte Klassenzimmer und heisse Betonflächen auf dem Pausenhof werden diesen Bedürfnissen nicht gerecht.
Gemeindeammann Jakob Sidler freute sich über jedes Lob und nahm die Kritik gelassen entgegen. «Die Energiestadt Sins berücksichtigt diese Fragen bei jedem neuen Tiefbauprojekt», hielt er fest. Und auch er weiss: Es gibt noch einiges zu tun.