Kirchgemeinden im Wandel: dringender denn je!
05.06.2026 RegionDie katholischkirchlichen Richtlinien auch in Bezug auf die Kirchenpflegemitglieder sind rigide. Die wenigen Personen, die sich seit Jahren einsetzen, sind vielerorts nicht mehr bereit weiterzumachen, neue sind schwer zu finden. Ein Wandel ist unumgänglich. Und bleiben dabei die ...
Die katholischkirchlichen Richtlinien auch in Bezug auf die Kirchenpflegemitglieder sind rigide. Die wenigen Personen, die sich seit Jahren einsetzen, sind vielerorts nicht mehr bereit weiterzumachen, neue sind schwer zu finden. Ein Wandel ist unumgänglich. Und bleiben dabei die Werte bestehen?
IRIS CAGLIONI
Anhand des Beispiels im Pastoralraum Muri mit der Kirchgemeinde Beinwil ist klar sichtbar was passiert, wenn niemand mehr Kirchenpfleger sein möchte. Die Kirchgemeinden dieses Pastoralraumes verwarfen auch die Möglichkeit eines Zusammenschlusses und somit einer Regionalisierung. Aktuell sind noch drei Mitglieder in Beinwil tätig, was das absolute Minimum darstellt. Eine Person zieht im Herbst weg aus Beinwil und kann somit das Amt nicht mehr weiterführen. Zwei meldeten schon lange an, dass sie per Ende Jahr ihr Amt niederlegen. Nachfolger wurden nicht gefunden, das Fazit ist: die äusserst kostspielige Zwangsverwaltung wird für Beinwil Realität.
Auw kämpft am Limit
Im Pastoralraum Oberes Freiamt wird die Besetzung der diversen Kirchenpflegen zunehmend zum Problem. Der Auwer Kirchenpflegepräsident Martin Casagrande erklärt, dass der gesellschaftliche Wandel in den Dörfern auch die Kirche treffe. Wie viele Vereine haben die Kirchgemeinden Mühe, genügend Freiwillige und Nachwuchs zu finden. Die Arbeit in einer Kirchenpflege verlange Idealismus und Engagement, was immer weniger Menschen aufzubringen bereit seien.
«Das ist bei uns in Auw nicht anders. Als Kirchenpfleger verrichten wir Freiwilligenarbeit. Es wird immer schwieriger bis unmöglich, Menschen dafür zu begeistern.» Er hofft, bis zum Zeitpunkt der Wahlen Ende Jahr doch noch Kandidaten zu finden, die die Geschicke der Kirchgemeinde Auw lenken wollen. Eigens dafür wird ein Informationsabend am 16. Juni durchgeführt. Da werden offene Fragen beantwortet. Casagrande befürchtet nebst den Kosten auch kulturellen Verlust: «Viele wertvolle, lokale und einzigartige Traditionen werden verloren gehen.» Findet sich niemand, blüht auch der Kirchgemeinde Auw die sehr kostspielige Zwangsverwaltung durch die Landeskirche. «Inkrafttreten würde diese externe Verwaltung ab dem 1. Januar 2027 und würde laufen bis sich eine andere Lösung findet – also entweder der regionale Zusammenschluss oder lokale Kirchenpfleger. Ich wünschte mir, mehr engagierte Mitglieder in der Sache zu haben, als wir aktuell laute Kritiker haben.»
Gleichwertig gut aufgestellt
Tatjana Hofmann, Präsidentin der Kirchenpflege Abtwil und des Zweckverbandes Pastoralraum Oberes Freiamt glaubt an den Kirchgemeindezusammenschluss. «Das Projekt zur Prüfung eines Zusammenschlusses ist auf gutem Weg.» Nach der ersten Präsentation zum Thema des Zusammenschlusses der sechs Kirchgemeinden Auw, Abtwil, Mühlau, Oberrüti, Dietwil und Sins hat die Projektgruppe eine Auslegeordnung gemacht und differenzierte Argumente überprüft. Die anfänglichen Bedenken, insbesondere was eine mögliche finanzielle Ungleichheit der Gemeinden anbelangt, konnten nach einer genauen Überprüfung ausgeräumt werden. Hofmann erklärte: «Wir haben die finanzielle Lage aller sechs Kirchgemeinde anhand der Zahlen 2025 miteinander verglichen. Diese Überprüfung beinhaltete sowohl die liquiden als auch die angelegten Mittel sowie den Investitionsbedarf bei den Liegenschaften. Wir müssen sicherstellen, dass keine versteckten Kosten erst nach dem geplanten Zusammenschluss ans Licht treten. Alle Gemeinden stehen finanziell gleichwertig auf guten Beinen. Dieser Fakt hat auch Erstaunen ausgelöst und stärkt die Projektgruppe in der Meinung, dass ein Zusammenschluss der richtige Weg ist.»
Zentralisieren wird effizient und professionell
Seit der Gründung des Pastoralraums wurden die unterschiedlichsten administrativen Arbeiten zentralisiert und erfolgen über ein einziges Büro. Hofmann meinte: «Personelle Entscheide, Seelsorge, pastorale Versorgung und das Sekretariat sind bereits zentral geregelt. Wenn nun die Kirchenpflege ebenso zentralisiert wird, ermöglicht es uns, Ressorts ähnlich wie bei den Gemeindeverwaltungen zu bilden. Dann können wir gezielt qualifizierte Personen für die einzelnen Ressorts mit einem gewissen prozentualen Pensum anstellen und entsprechend entlöhnen.»
Eine einzige grosse Kirchgemeinde bilden, bedeutet die Ressourcen gebündelt zu nutzen.
Zeitplan festgelegt
Die Wahlen für die Kirchenpflegen in der regulären Amtsperiode finden im ganzen Kanton im Dezember 2026 statt. Diese sind so, unabhängig von einem möglichen Zusammenschluss, von der Landeskirche vorgeschrieben.
Die Zeitachse für den Zusammenschluss sieht gemäss Hofmann grob wie folgt aus:
Im kommenden Herbst wird eine Info-Veranstaltung zum geplanten Zusammenschluss stattfinden. Die Abstimmung darüber erfolgt für jede einzelne Kirchgemeinde im ersten Halbjahr 2027 an der Urne. Wird Ja zum Zusammenschluss gesagt, werden Neuwahlen für die regionale Kirchenpflege im Herbst 2027 stattfinden und die neue Kirchgemeinde tritt per 2028 in Kraft «Ursprünglich wollten wir alles ein Jahr früher durchziehen, um unter anderem nicht zweimal Kirchenpfleger wählen zu müssen. Doch diverse Rückmeldungen haben uns dazu aufgefordert, dem ganzen Planungsteam mehr Zeit zu geben.»


