Jugendarbeit – wertvoll, wichtig und viel genutzt
30.10.2026 Jugend/AusbildungDie Jugendförderung Oberfreiamt wurde während drei Jahren im Rahmen einer Pilotphase aufgebaut und erprobt. Am Freitagabend stellten die beiden Fachpersonen Gizem Kiliç-Yavuz und Engin Özer sowie die Gemeinderäte Pius Vogel, Sins, Andrea Gwerder, Dietwil und ...
Die Jugendförderung Oberfreiamt wurde während drei Jahren im Rahmen einer Pilotphase aufgebaut und erprobt. Am Freitagabend stellten die beiden Fachpersonen Gizem Kiliç-Yavuz und Engin Özer sowie die Gemeinderäte Pius Vogel, Sins, Andrea Gwerder, Dietwil und Marlis Villiger, Auw das weitere Vorgehen vor.
IRIS CAGLIONI
Der Informationsanlass fand am letzten Freitagabend im Jugi statt. Im März 2027 ist die dreijährige Pilotphase abgeschlossen. Die Evaluation kommt zu einem klaren Ergebnis: Die zu Beginn definierten Ziele wurden erreicht, und die Fachpersonen empfehlen ausdrücklich die Weiterführung der Jugendförderung. Sins, Auw und Dietwil wollen das Angebot aufrechterhalten. Das Geschäft ist daher an der kommenden Herbstgmeind in Auw, Dietwil und Sins traktandiert. Oberrüti und Abtwil ziehen sich aus dem Projekt zurück und verzichten auf dieses Angebot.
Ein neues Modell für Sins, Auw und Dietwil
Die Hauptkonzentration der Angebote wird in Sins sein. «Aber», meinte die Sozialpädagogin HF Kiliç-Yavuz, «wir möchten festhalten, dass Dietwil und Auw weiterhin von der regionalen Lösung ihren Nutzen haben. Wichtige Leistungen wie die Schulbesuche, Klassenbesuche und damit Präventionsarbeit, Beziehungsarbeit, Informationsangebote, punktuelle Projekte, einzelne Veranstaltungen bleiben Auw und Dietwil erhalten.»
Als effizient und finanziell verantwortungsvoll wird das neue Modell vorgestellt. Insgesamt sollen 110 Stellenprozent auf zwei Fachpersonen aufgeteilt werden mit 50 und 60 Stellenprozent. «Wir wollen künftig die Ressourcen gezielter nutzen und die Zeit den Jugendlichen schenken und weniger in die Infrastruktur und Organisation», meinte Vogel. Sozialarbeiter FH Engin Özer ergänzte: «Die Angebote wie Girls- und Boys-Treff, SNS sowie der Mittwochnachmittag-Treff und der Freitagabend-Treff finden ausschliesslich in Sins statt.»
Das Jugi hat riesigen Zulauf
Vogel zeigte in seiner Präsentation auf, dass die Pilotphase ein erfolgreicher Praxistest war. Dies zeigten gemäss seinen Ausführungen die Besucherzahlen auf eindrückliche Weise.
Allein in den statistisch erfassten Treff-, SNS- und Genderangeboten wurden während der Pilotphase in allen fünf angeschlossenen Gemeinden zusammen 5’161 Besuche registriert. Zudem ist die Anzahl der Besuche deutlich angestiegen während dieser drei Jahre.
In diesen Zahlen fehlen aber etliche Komponenten. Das sind: Schulbesuche, die Klassenbesuche, Beratungen, Gespräche mit den Jugendlichen, Präventionsarbeit, Vernetzungsarbeit, Elterngespräche und auch die Zusammenarbeit mit der Schule und weiteren Fachstellen. «Wir sind Dienstleister im Sozialwesen. Jugendarbeit bedeutet Nähe, Vertrauen und Verlässlichkeit. Viele Jugendliche kommen mit Anliegen zu uns, die sie sonst niemandem anvertrauen würden. Gerade diese niederschwellige Unterstützung macht unsere Arbeit so wertvoll», so Kiliç-Yavuz.
Grosser Fokus auf Sins
Rund 70 Prozent aller erfassten Besuche stammen aus Sins, was auch damit zusammenhängt, dass Sins der Oberstufenstandort der Region ist. Die Jugendlichen aus den beteiligten Gemeinden verbringen bereits heute einen grossen Teil ihres Alltags in Sins: Schule, Vereinsleben, Freizeitgruppen. Das ergibt eine logische Konzentration der Hauptnutzung in den Lokalitäten in Sins. «Wir werden die Eingangskontrolle fortführen. Dort tragen sich die Jugendlichen ein mit der Notiz, aus welcher Gemeinde sie ins Jugi kommen. Die Kinder aus Oberrüti und Abtwil werden wir wegweisen müssen – auch wenn dies bedeutet, dass sie damit ausgegrenzt sind. Das ist sehr bedauerlich, denn wir wären gerne für alle da, die offene Ohren benötigen. Oder einfach einen Ort brauchen, wo sie sie selbst sein können und auch einfach nichts tun dürfen», meinte Vogel betreten. Hierzu meinte Villiger: «Jugendliche bewegen sich heute nicht innerhalb der Gemeindegrenzen. Sie gehen gemeinsam zur Schule, treffen sich im Freundeskreis und verbringen ihre Freizeit regional. Deshalb ist eine gemeinsame Jugendarbeit die richtige Lösung.»
Jugendarbeit ist keine Konkurrenz zu Vereinen
Marlis Villiger, Gemeindeammann von Auw, betont, wie wichtig Integrationsarbeit ist und dass das Jugi genau hier ansetzt. «Wir können hier die jungen Menschen integrieren und abfangen.» Klar sehen die Gemeinderäte, dass der Nutzen nicht wirklich sichtbar oder greifbar ist, doch Vogel zitierte einen Gefängnisaufseher von Lenzburg, der sagte: «Die Jugendlichen wären nicht hier im Gefängnis, wäre ihnen eine Jugendarbeit zur Seite gestanden.»
Die Jugendarbeit ist als zusätzliches Angebot ausgelegt. «Oft sieht man nicht, welche Probleme durch die Jugendarbeit verhindert werden. Wenn Jugendliche früh Unterstützung erhalten, profitieren nicht nur die Betroffenen selbst, sondern die ganze Gesellschaft», meinte die Dietwiler Gemeinderätin Andrea Gwerder.


