In Aettenschwil wird 4.-6. Klasse geschlossen
08.05.2026 SinsHitzige Debatte am Montagabend in der Aula des Schulhauses Letten. Die Schulleitung sowie der zuständige Gemeinderat informierten, dass die Mittelstufe des Primarschulhauses Aettenschwil per neuem Schuljahr nach Sins migriert.
RAHEL HEGGLIN
Es war einer ...
Hitzige Debatte am Montagabend in der Aula des Schulhauses Letten. Die Schulleitung sowie der zuständige Gemeinderat informierten, dass die Mittelstufe des Primarschulhauses Aettenschwil per neuem Schuljahr nach Sins migriert.
RAHEL HEGGLIN
Es war einer dieser Informationsanlässe, auf die man gerne verzichtet hätte. Seit Mittwoch vergangener Woche ist klar, dass die Klassen 4 bis 6 aus dem Schulhaus Aettenschwil dort nicht mehr länger unterrichtet werden können. Um den emotionalen Entscheid zu erklären, informierten die beiden Schulleiterinnen Denise Sonderegger und Sibylle Mahler, zusammen mit dem Schulvorsteher Pius Vogel.
Die Ausgangslage
Das zentrale Problem liegt in der Ressourcenverteilung. Die Schule erhält vom Kanton eine festgelegte Anzahl an Lektionen, welche auf den gemeldeten Schülerzahlen basiert. «Diese müssen wir im September für das kommende Schuljahr melden. Im Februar erhalten wir die dafür erlaubte Lektionenzahl», erklärte Mahler. Nicht in der gemeldeten Schülerzahl integriert sind die Kinder des kleinen Kindergartens, welche im kommenden Sommer in das Schulsystem eintreten. Und hier liegt die Krux: Weil im März erst herauskam, dass im Sommer viele Kinder in den Kindergarten eintreten werden, reichen die vom Kanton gesprochenen Ressourcen nur für die bestehenden zwei Kindergartenklassen im Letten. Aber es kommen weitere Neuzuzügerkinder dazu. «Wir müssen im Sommer eine zusätzliche Kindergartenklasse im Letten und eine zusätzliche 1. Klasse eröffnen.
Zudem splitten wir zwei 5. Klassen in drei 6. Klassen auf und bieten 16 zusätzliche Lektionen in den Lerninseln an», erklärte Sonderegger. Weil in Aettenschwil in der Mittelstufe nur wenige Kinder gemeinsam eine Klasse bilden, geht diese Rechnung nicht mehr auf.
Gemeinde darf keine Lehrpersonen anstellen
Während im Schulhaus Letten eine Klasse durchschnittlich 19.2 Lernende aufweist und rund 33 Lektionen pro Woche zur Verfügung hat, sind es im Schulhaus Aettenschwil bei den Jahrgangsklassen (4.–6. Klasse) zwölf bis dreizehn Schülerinnen und Schüler, die durchschnittlich 44 Wochenlektionen benötigen. «Dieses Ungleichgewicht können wir mit den vom Kanton gesprochenen Lehrpersonen nicht mehr tragen. Wir haben gerechnet und gerechnet und sämtliche Alternativen geprüft», bekräftige Mahler.
Um die benötigten zusätzlichen Klassen eröffnen zu können, wurde aber nochmals das Gespräch mit dem Kanton gesucht. «Leider haben wir eine Absage erhalten. Deshalb ist der Entscheid fix. Die Mittelstufe aus Aettenschwil muss nach Sins migrieren», so Mahler und wies darauf hin, dass «die Integration der 4.-6. Klasse kein politischer, sondern ein operativer Entscheid der Schulleitung war.» Vogel fügte hinzu, dass es den Gemeinden im Kanton Aargau nicht erlaubt sei, Lehrkräfte eigenständig anzustellen, weil sonst ein Ungleichgewicht zwischen finanzstarken und finanzschwachen Gemeinden entstehen würde.
Intensive Fragerunde
Trotz dieser Erklärungen war die Stimmung unter den rund 60 anwesenden Eltern angespannt, wie sich vor allem bei der anschliessenden Fragerunde zeigte. Ein Vater intervenierte immer wieder, da er überzeugt ist, dass noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Andere fragten, ob es sinnvoll wäre, Unterschriften gegen diesen Entscheid zu sammeln oder gar Sponsoren zu suchen, um Lehrkräfte zu finanzieren. «Wir können euch versichern, dass wir schlaflose Nächte hinter uns haben und alle möglichen Varianten durchgespielt haben. Es ist nicht erlaubt, Lehrkräfte auf eigene Rechnung einzustellen», stellte Mahler klar.
Ein weiteres, intensiv diskutiertes Thema war der Schulweg. Werde dieser mit dem Fahrrad absolviert, hätten die Kinder nur kurz Mittagspause. «Kaum sind sie den Berg hochgestrampelt, müssen sie innerhalb 20 Minuten essen und dann schon wieder los. Das ist nicht für jedes Kind während fünf Tagen pro Woche machbar», berichtete ein besorgter Vater und erhielt viel Zustimmung. Ein weiterer Vater forderte daraufhin einen Schulbus. «Wir haben diese Option geprüft. Ein solcher ist sehr teuer und würde eine Steuererhöhung von mindestens eins bis zwei Prozentpunkten erfordern. Dem müsste der Souverän an der Gemeindeversammlung zustimmen», erklärte Gemeinderat Vogel. Er bekräftigte jedoch, dass die Schulverwaltung mit Hochdruck dran ist, Konzepte auszuarbeiten und Lösungen zu finden. Dazu gehört auch die Möglichkeit, dass die Kinder über Mittag in Sins bleiben und von einem Mittagstisch betreut würden.
Zum Schulweg wurden auch verschiedene Kreuzungen und Geschwindigkeiten angemerkt. So sei beispielsweise die Kreuzung Meienberg oder die erlaubten 80 km/h auf der Sinserstrasse gefährlich. Die anwesenden Personen der Schulverwaltung nahmen alle Punkte auf, um diese auf ihre Machbarkeit zu prüfen. Möglicherweise werden Einzelfälle direkt mit den betroffenen Eltern besprochen.
Am Schulhaus wird festgehalten
Die Fragerunde dauerte rund zwei Stunden. Dass am Entscheid nichts zu rütteln ist, mussten schlussendlich alle hinnehmen. Die Schulleiterinnen wie auch der Gemeinderat betonten noch einmal, dass man an der Schule in Aettenschwil festhalten wolle und auch in diese investierte. Dass es nun aber voraussichtlich für die nächsten sechs bis acht Jahre keine 4.-6. Klasse in diesem Schulhaus geben wird. «Was danach ist, kann niemand voraussagen», so Mahler. Ob es weitergeht ohne Mittelstufe, ob diese wieder eingeführt wird oder ob der jetzt aktuelle Schritt doch der Anfang vom Ende des Schulhauses Aettenschwil ist, wird sich zeigen. Zum aktuellen Zeitpunkt sei dies aber keine Option.



