Haben Sie Ihre Firmennachfolge schon geregelt?
08.05.2026 SinsWer seine eigene Firma führt, weiss, dass irgendwann der Zeitpunkt kommt, wo die Nachfolge geregelt werden muss. Dies war das zentrale Thema des Frühlings-Gewerblerhöcks vom letzten Donnerstagabend.
IRIS CAGLIONI
Rund 30 interessierte folgten der ...
Wer seine eigene Firma führt, weiss, dass irgendwann der Zeitpunkt kommt, wo die Nachfolge geregelt werden muss. Dies war das zentrale Thema des Frühlings-Gewerblerhöcks vom letzten Donnerstagabend.
IRIS CAGLIONI
Rund 30 interessierte folgten der Einladung des Gewerbevereins Sins und Umgebung in den Saal des Mexicano Restaurant Einhorn. Michael Villiger begrüsste die Gäste und stellte die beiden Gastredner vor. Jules Bittel, Verwaltungsratspräsident der Einhorn Sins AG, erzählte Interessantes und Wissenswertes zum altehrwürdigen Haus, in welchem der Anlass stattfand. Nicolas Huber, Kundenberater und Nachfolgeexperte der Aargauer Kantonalbank (AKB) informierte zum Thema «Unternehmensnachfolge».
Planung ist das A und O
Praktisch jede zweite Nachfolgeregelung scheitert. Woran das liegt, kann Huber nur erahnen. «Es liegt sicherlich einiges an der Kommunikation.» In seinem Referat betont er darum immer wieder, dass frühzeitiges Planen wichtig sei. «Die einen meinen, sie arbeiten bis 70. Andere glauben, die Nachfolge sei geregelt», erklärte Huber. Sein Fazit aus jahrelanger Erfahrung ist aber, dass Unternehmer oft eine Vorstellung im Kopf, diese aber nicht durchgeplant haben. Und auch potenzielle Nachfolger nicht oder ungenügend involviert wurden. «Und dann scheitert der ursprüngliche Plan. Existiert ein Plan B, fährt man zurück auf Feld 1 und investiert nochmals etwas Zeit.»
Wer tritt die Nachfolge an?
Gemäss dem AKB-Experten werden rund 30 Prozent der KMU-Nachfolgen familienintern gemacht. 20 Prozent der Firmen können einen Nachfolger aus der Belegschaft berücksichtigen, weitere 20 Prozent suchen extern einen passenden Nachfolger. Die restlichen 30 Prozent lösen die Firma auf. Je nachdem dauert es zwischen zwei und zwölf Jahren, bis der ganze Prozess vollzogen ist. «Da reicht es nicht, sich mit 62 Jahren erstmals mit einer Nachfolgeregelung auseinander zu setzen.»
Wollen – können – dürfen
Für die übergebende wie auch die übernehmende Generation sind die Aspekte «wollen – können – dürfen» eine Notwendigkeit. Sie sind verknüpft mit dem Übernehmenwollen von Verantwortung und dem Abgebenwollen der Zügel. Auch die nötigen Fähigkeiten rund um Finanzen und Führung sind zentral für denjenigen, der übernimmt. Eine erfolgreiche Übergabe gelingt, wenn Gewissheit besteht, dass alles weiterhin gut läuft. Vieles steht und fällt auch mit dem Umfeld: «Steht die Familie, mein Umfeld hinter mir?», erklärte Huber.
Interessierte Fragen aus dem Publikum zeigten auf, wie wichtig das Thema für die Einzelnen ist.
Mexicano Restaurant Einhorn
Das bald 200-jährige, geschichtsträchtige und altehrwürdige Haus am Einhornplatz in Sins gilt seit Jahrzehnten als Kulturtempel schlechthin. Es war die erste Bühne in der Region, hier wurden alle Feierlichkeiten, Theater und Konzerte im Einhornsaal aufgeführt. Dann kam mit der ersten Turnhalle auf dem Ammannsmatt-Schulhof der Einbruch. Jules Bittel erzählte: «Viele Jahre lang lag der Saal ungenutzt, denn die Feste fanden in der Turnhalle statt. 1991 gründeten dann Stefano Florida und ich den Konzertklub d’Seiser Kurve.» Mit einer Powerpoint-Präsentation zeigte er anschaulich die Veränderung des Hauses mit historischen Bildern. «Dann kam die erste Nachfolgeregelung, die hier stattfinden musste.» Bittel informierte über den Verkauf der Liegenschaft durch die Besitzer Stauffer, die Gründung der Einhorn Sins AG zur Rettung der Beiz und des Kultursaals.
Zweite Nachfolgeregelung: neuer Pächter gesucht
Stefano Florida übernahm 1995 die Pacht des Restaurants und setzte 2004 mit dem neuen Konzept «Mexicano» ein kulinarisches Zeichen in der Region. Ende Juni 2028 geht er in den wohlverdienten Ruhestand. Seit längerer Zeit sucht die Einhorn Sins AG einen neuen Pächter als Nachfolger. «Die Gegebenheiten sind eigentlich optimal: Wir haben ein erfolgreiches Restaurant mit vielen Stammgästen, stabile Verhältnisse, einen attraktiven Zins und eine starke Verbundenheit mit der Bevölkerung.» Bittel als Präsident des Verwaltungsrates der Einhorn Sins AG hofft auf eine gute Nachfolgelösung.
Netzwerken und geniessen
Noch können die Köstlichkeiten aus Floridas Küche genossen werden, so auch nach dem informativen Teil durch die beiden Redner. Die AKB und das Mexicano Restaurant Einhorn offerierten einen gluschtigen Imbiss ganz nach Art des Hauses. Die Gäste nutzten den Moment für den Erfahrungsaustausch.


