Generationenwechsel angebrochen
28.02.2025 SinsBei der 130. Generalversammlung der Wasserversorgungs-Genossenschaft (WVG) Sins und Umgebung ging es für einmal um mehr als Zahlen und Projekte. Der Präsident und der Brunnenmeister traten zurück und wurden für ihre langjährigen Dienste geehrt.
...Bei der 130. Generalversammlung der Wasserversorgungs-Genossenschaft (WVG) Sins und Umgebung ging es für einmal um mehr als Zahlen und Projekte. Der Präsident und der Brunnenmeister traten zurück und wurden für ihre langjährigen Dienste geehrt.
EVELYNE HEEB
Zum letzten Mal begab sich Präsident Urs Rüttimann am Mittwochabend vergangener Woche auf die Bühne des Saals im Restaurant Einhorn. Neunzig Genossenschaftsmitglieder sowie zahlreiche Ehrengäste waren gekommen, um seiner letzten Amtshandlung beizuwohnen. 24 Jahre hat sich Rüttimann in den Dienst des Wasserversorgers gestellt, Brunnenmeister Urs Amhof gar über drei Jahrzehnte. Doch bevor Abschied und Neuanfang in den Fokus rückten, blickte der Vorstand auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr zurück, und die Versammlung genehmigte alle gestellten Kreditanträge.
Anteil Quellwasser ist gestiegen
Die WVG hat im vergangenen Jahr 4’028 Einwohnende mit 330’000 Kubikmetern einwandfreien Trinkwassers versorgt. Auf dem 52 Kilometer langen Leitungsnetz wurden 14 Leckstellen festgestellt und behoben. Dank der neuen, fix verbauten Leckortung können Wasserverluste nun viel schneller lokalisiert werden. Amhof appelliert an die Bevölkerung, tropfende Hydranten und Leitungsschäden umgehend zu melden.
Erfreuliches hatte der Brunnenmeister von der Wassergewinnung zu berichten. Der Anteil Quellwasser ist im vergangenen Jahr von 19 Prozent auf 28 Prozent gestiegen. Die drei Quellen im Brandwald, Moos-Chriegholz und Bergmatt/Haselrein führten aufgrund der vielen Niederschläge im Jahr 2024 massiv mehr Wasser.
Erweiterung Grundwasserschutzzone Staadmatt
Der grösste Teil des Trinkwassers wird im Grundwasserpumpwerk Staadmatt gefördert. «Das Grundwasservorkommen in diesem Gebiet ist mächtig und schützt vor allfälligen Trockenzeiten. Mit dem stetigen Wachstum von Sins wird immer mehr Wasser aus diesem Gebiet benötigt», verdeutlichte Amhof die Wichtigkeit dieser Trinkwasserfassung. Deshalb beschäftigt sich der Vorstand intensiv mit Plänen zur Erweiterung und Sanierung von Brunnen und Pumpen. In einem ersten Schritt muss zwingend die Schutzzone erneuert werden. 185’000 Franken sind für das Umsetzen dieses Teilprojekts budgetiert.
Zusatzkredit Pumpwerk Ballwil-Sins
Ein weiteres Grossprojekt ist in vollem Gange, der Spatenstich für das Pumpwerk Sins-Ballwil in der Oberrüter Winterhalte ist bereits erfolgt. Mit diesem Pumpwerk kann Trinkwasser aus dem Reusstal ins Seetal und umgekehrt gepumpt werden. Im Laufe des Projekts ist aus dem Trinkwasserverbund zwischen Sins und Ballwil ein Netzverbund geworden, der WVG Ballwil, Fenkrieden, Oberrüti und Sins. Dadurch fallen Zusatzkosten an, etwa für Zuleitungen.
Kreditantrag Leitungserneuerungen
Mit dem geplanten Bau der Migros und der damit einhergehenden Sanierung der Bahnhof- und Käsereistrasse sollen gleichzeitig auch die Wasserleitungen aus dem Jahr 1895 erneuert werden. Ebenfalls zu ersetzen gilt es die Leitungen an der Obergrundstrasse, die zu den ältesten aus der Gründungszeit gehören. 525’000 Franken wurden dafür gesprochen.
Ordentliche Wahlen 2025–2029
Wie bereits seit Langem angekündigt, traten Rüttimann und Amhof nicht mehr zur Wiederwahl an. Als Nachfolger konnten bereits vor einem Jahr Mathias Müller und Stefan Amhof gewonnen und intensiv auf ihre neuen Funktionen vorbereitet werden. Die Versammlung wählte unter grossem Applaus Müller zum neuen Präsidenten und Amhof zum Brunnenmeister. Petra Heldstab, Stefan Huber, Marcel Lötscher und Trudy Strebel wurden in ihren Vorstandsämtern bestätigt und Letztere für 20 Jahre Vorstandsarbeit geehrt.
Auch in der Rechnungsprüfungskommission (RPK) gab es Änderungen. Jeanine Villiger und Thomas Huwiler ersetzen René Gamma und Hanspeter Zehnder. Marcel Niederberger stellte sich für eine weitere Periode zur Verfügung.
Gebührende Verabschiedungen
Dann war es an der Zeit, die zurückgetretenen Vorstandsmitglieder zu ehren. Vizepräsident Marcel Lötscher richtete seine dankenden Worte zuerst an Urs Amhof, der seit 2001 das Amt des Brunnenmeisters innehatte. Davor war er bereits acht Jahren in der RPK tätig. «Urs, während 24 Jahren warst du rund um die Uhr erreichbar, hast unsere Anlagen sorgfältig gewartet, 380 Lecks repariert und 12’500 Meter Hauptleitungen ersetzt oder neu gebaut.» Er tat dies an der Seite von Urs Rüttimann, der nach drei Jahren als Beisitzer im Vorstand im Jahre 2005 zum Präsidenten gewählt worden war. «Während deiner zwei Jahrzehnte als Präsident hast du die Genossenschaft professionalisiert, unglaublich gut geführt und nach aussen vertreten. Du hast 240 Vorstandssitzungen geleitet, 480 Baugesuche bearbeitet und 4’600 Rechnungen kontrolliert. Urs und Urs, wir danken für euren unermüdlichen Einsatz.» Auch Alfons Knüsel, Präsident der WVG Ballwil, Martin Schibli von den Waldburger Ingenieuren sowie Gemeindeammann Josef Huwiler griffen zum Mikrofon und lobten die gute Zusammenarbeit.
«Bestes Amt in der Gemeinde»
«Wir waren ein super Team. Mein Amt war das Beste in der ganzen Gemeinde.» Rüttimann verabschiedete sich mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Genauso wie Amhof. «Doch es ist an der Zeit, die Aufgaben den Jüngeren weiterzugeben.» So endete der offizielle Teil dieser denkwürdigen Versammlung nach rund neunzig Minuten und ging über in den gemütlichen Austausch mit offeriertem Nachtessen.



