Feuerwehr Dietwil-Oberrüti übt den Ernstfall
04.11.2022 RegionDie Hauptübung der Feuerwehr stellte den Abschluss eines ereignisarmen Feuerwehrjahres dar. Umso wertvoller, den Ernstfall an einem komplexen Objekt wie der Schreinerei Niederberger zu proben.
EVELYNE HEEB
Über der Schreinerei steigt am vergangenen Samstag ...
Die Hauptübung der Feuerwehr stellte den Abschluss eines ereignisarmen Feuerwehrjahres dar. Umso wertvoller, den Ernstfall an einem komplexen Objekt wie der Schreinerei Niederberger zu proben.
EVELYNE HEEB
Über der Schreinerei steigt am vergangenen Samstag dichter Rauch auf. Am Strassenrand parkt das Tanklöschfahrzeug, auf dem Vorplatz sind meterweise Schlauch ausgerollt. Während die Atemschutztruppe in der Werkstatt mit Wärmebildkamera und Blindenstöcken nach vermissten Personen sucht, versuchen andere Einsatzkräfte, ein Übergreifen des Feuers auf das angebaute Wohnhaus zu verhindern. Die Sanität kümmert sich um die Verletzten, die aus den Gebäuden getragen werden. Spezialisten der Elektroabteilung haben die Stromzufuhr abgeschaltet und auf der Strasse sorgt die Verkehrsgruppe für sichere Verhältnisse. Mittendrin Jan Steiner, Kommandant der Feuerwehr Dietwil-Oberrüti, der alles aufmerksam beobachtet. Und hin und wieder ein Wort mit den zahlreichen Zaungästen wechselt, die hinter der Absperrung das Treiben mitverfolgen. Denn: Es handelte sich glücklicherweise nur um eine Übung.
Einsatzarmes Feuerwehrjahr
«Bis jetzt läuft alles gut», erzählt Steiner und schaut Einsatzleiter René Stöckli über die Schulter. Der erste Offizier, der am Einsatzplatz eintrifft, übernimmt die Einsatzleitung, verschafft sich einen Überblick und koordiniert das Geschehen. Und teilt im Ernstfall auch dem Kommandanten eine Funktion zu. Rund sechzig Einsatzkräfte gehorchen bei dieser Hauptübung den Befehlen von Stöckli. Zum Glück kein alltägliches Szenario. Im vergangenen Jahr musste die Feuerwehr Dietwil-Oberrüti nur zu vier Einsätzen ausrücken. «So wenige Einsätze hatten wir in den vergangenen zwanzig Jahren nicht mehr», erzählt Steiner. «Dafür waren die Jahre 2020 und 2021 mit zwölf respektive zehn Einsätzen überdurchschnittlich intensiv.»
Traditionelle Hauptübung
Bei der diesjährigen Hauptübung setzte Steiner auf eine Angriffsübung. «Auch schon organisierten wir Feuerwehrolympiaden oder Postenarbeiten. Doch für die Bevölkerung ist ein solch simulierter Grosseinsatz sicher spannender.» Und dies schätzten die zahlreichen grossen und kleinen Zuschauerinnen und Zuschauer sehr. Gebannt verfolgten sie das Schauspiel aus sicherer Distanz und lauschten gleichzeitig den Worten von Offizier Ivan Rust, der die einzelnen Aktionen erklärte und spannende Hintergrundinformationen lieferte. «Wir sind sehr dankbar, dass sich die Schreinerei Niederberger als hervorragender Übungsplatz zur Verfügung gestellt hat. Die Zuschauer konnten hier hautnah miterleben, wie das Zusammenspiel all unserer Abteilungen funktioniert», so der Kommandant.
Grosser Teamspirit
Nach dem Aufräumen und der abschliessenden Übungsbesprechung bedankte sich Steiner bei seinem Team für den tollen Einsatz und lud alle Anwesenden zu einem Apéro ein. Die Zeit wurde für spannende Gespräche genutzt, aber auch ein Blick in die Einsatzfahrzeuge gehörte dazu.
Im Anschluss verschob sich die Feuerwehrtruppe zur Metzgerei Klausner-Stocker, wo ein leckeres Mittagessen wartete. Die Kameradschaft wird gross geschrieben. Steiner lobt: «Wir sind eine super Truppe. Solidarisch und effizient, es macht einfach Spass.»
Unsichere Zukunftsaussichten
Nur etwas lag dem Kommandanten an diesem prächtigen Herbstnachmittag auf dem Herzen. Der Blick in die Zukunft. In den nächsten Jahren stehen grössere personelle Veränderungen an, ab 2025 treten viele Kadermitglieder in den Ruhestand. Doch die Rekrutierung neuer Feuerwehrleute gestaltet sich schwierig. «Wir haben mit diesem Anliegen kürzlich 250 Briefe an feuerwehrpflichtige Frauen und Männer im Alter zwischen 23 und 27 Jahren verschickt. Mit ernüchterndem Fazit. Keine einzige Person hat Interesse gezeigt. Das gibt mir zu denken.»
Die Feuerwehr Dietwil-Oberrüti wird weitere Wege suchen, um junge, gewillte Nachfolgerinnen und Nachfolger zu finden, die Bürgerinnen und Bürger mit guten Argumenten zum Beitritt zu motivieren.



