Eine innovative Idee kann nicht mehr bestehen
07.11.2025 RegionWas vor rund vier Jahren optimistisch angefangen hat, wird Ende dieses Jahres wieder eingestellt. Taxito-Gründer Martin Beutler teilte Anfang Oktober mit, dass die Firma gesamtschweizerisch den Betrieb einstellt.
IRIS CAGLIONI
Die orangefarbenen Tafeln mit ...
Was vor rund vier Jahren optimistisch angefangen hat, wird Ende dieses Jahres wieder eingestellt. Taxito-Gründer Martin Beutler teilte Anfang Oktober mit, dass die Firma gesamtschweizerisch den Betrieb einstellt.
IRIS CAGLIONI
Die orangefarbenen Tafeln mit der grossen Hand drauf werden wieder verschwinden. Taxito gab in einer Medienmitteilung bekannt, dass sie aus finanziellen Gründen den Betrieb nicht aufrecht erhalten können. Somit ist dies auch das Aus für Taxito-Freiamt. Martin Beutler fällte damit einen betriebswirtschaftlichen Entscheid. Die zuständigen Gemeinderäte können den Entscheid des Firmeninhabers nachvollziehen, sind aber auch bestürzt darüber, dass dieser Schritt notwendig wurde. «Beutler hat in Taxito viel Herzblut und Engagement gesteckt. Und er hat Taxito auch finanziell vorangetrieben. Im Endeffekt ging die Rechnung nicht mehr auf. Er musste diesen betriebswirtschaftlichen Entscheid so treffen», teilte Hanna Hoenig, Gemeinderätin von Mühlau, mit.
Fünf Gemeinden verlieren
Taxito-Freiamt wurde 2023 als Pilotprojekt in Abtwil, Merenschwand, Mühlau und Dietwil lanciert und eingeführt, die Gemeinde Auw kam 2024 dazu. Die zuständigen Gemeinderäte berichteten im Mai 2024 zuversichtlich über die Fertigstellung des Netzes Taxito-Freiamt, alle Points seien in Betrieb.
Der Firmengründer Martin Beutler hatte mit seiner Idee in den umliegenden Gemeinden ohne oder mit dürftiger ÖV-Anbindung einen Nerv getroffen. Die Erfahrungen aus anderen Taxito-Netzen in der Schweiz liessen die Annahme zu, dass diese moderne Mitfahrgelegenheit eine optimale Ergänzung zum bestehenden ÖV-Angebot sein könnte. Auch konnte bei der Lancierung nicht erwartet werden, dass die Region ein viel besseres Busangebot erhalten würde. Dies wirkte sich stark auf die Nutzungszahlen von Taxito aus, und der Betreiber zog die Reissleine.
Investition wird abgeschrieben
Die Gesamtinvestition, die der Verbund tätigte, belief sich auf mehrere zehntausend Franken. Mühlau investierte rund 20’000 Franken, Dietwil rund 23’000 Franken, Auw, welches sich auch an elektronischen Points beteiligte, steckte rund 30’000 Franken in dieses Projekt. Von Abtwil und Merenschwand lagen bis zum Redaktionsschluss keine Zahlen vor.
Die Verantwortlichen informierten, dass sie die notwendige Infrastruktur für alle Points im Verbund gekauft haben. Dies erwies sich als deutlich günstiger als die Miete über die gesamte Pilotphase hinaus. «Eine Rückerstattung wird es nicht geben, aber auch keine Folgekosten. Auch nicht für die Demontage der Points, die im Januar 2026 erfolgen wird», so Hoenig.
Ob und in welchem Rahmen adäquate Lösungen gesucht werden, hängt von den Gemeinden ab. «Auw beispielsweise konnte sehr vom verbesserten ÖV-Fahrplan profitieren, ebenso Dietwil. In Mühlau werden wir sicherlich alle möglichen Optionen und andere Mitfahrgelegenheiten prüfen», teilte Hoenig weiter mit.
Am Rande auch betroffen
In Ballwil, Sins und Gisikon wurden Points installiert, die von den Verbundsgemeinden Taxito-Freiamt finanziert wurden. Die Haltestelle in Muri existierte bereits durch das Netzwerk Taxito-Seetal. In Sins sind die Tafeln an der Luzernerstasse und an der Aarauerstrasse zu finden. Jakob Sidler meinte zu den neuesten Entwicklungen: «Sins hat beim Taxito-Projekt nicht mitgemacht. Wir stellten lediglich Haltestellen zur Verfügung. Diese wurden von den umliegenden Gemeinden, die am Projekt beteiligt waren, finanziert. Sins war immer etwas skeptisch dem Projekt gegenüber. Unsere Strategie war, dass wir zuerst die Pilotphasen der Nachbargemeinden abwarten wollten und bei Erfolg später immer noch dazukommen könnten. Sins selbst ist gut erschlossen. Für die Aussendörfer Alikon, Aettenschwil, Fenkrieden und allenfalls Reussegg wäre ein solches Projekt interessant gewesen.»
«Es ist schade, dass die Idee nicht den erhofften Erfolg gebracht hat», teilte auch der Ballwiler Gemeinderat Hugo Lötscher mit. Ballwil war nicht im Verbund wie die anderen Gemeinden.


