Ein Nachmittag im Zeichen der japanischen Kultur
26.06.2026 OberrütiAm vergangenen Samstag fand in Oberrüti ein Mini-Matsuri statt. Für alle, die sich nun fragen, was das ist: ein kleines Fest zur japanischen Kultur. Organisiert wurde es vom Kyudo Hamaya Verein Oberrüti.
MANUELA ROTH
Trotz der Hitze fanden einige ...
Am vergangenen Samstag fand in Oberrüti ein Mini-Matsuri statt. Für alle, die sich nun fragen, was das ist: ein kleines Fest zur japanischen Kultur. Organisiert wurde es vom Kyudo Hamaya Verein Oberrüti.
MANUELA ROTH
Trotz der Hitze fanden einige Besucher den Weg ans Mini-Matsuri, welches von 12 bis 20 Uhr auf dem Schulhausareal stattfand. Matsuri bedeutet auf japanisch «Fest», «Mini» hiess es, da es zum ersten Mal und in überschaubarem Rahmen organisiert wurde.
Es gab viel zu erkunden
Das Mini-Matsuri hatte viel zu bieten - für Gross und Klein. Nebst diversen Spielständen zum Basteln und «Gumpibälle» aus einem Wasserbecken Fischen gab es auch mehrere Food-Stände. Die Spiele waren alle an die japanische Kultur angelehnt. Aber lebendige Goldfische zu fischen, kam in Oberrüti nicht infrage, deshalb wurde auf Wasser- und «Gumpibälle» ausgewichen. An einem weiteren Stand konnten japanische Gegenstände wie Glücksbringer und Tee gekauft werden.
Auch beim Essen war alles japanisch: Gyoza, Nikuma, Dango, Mochi, Daifuku, Karaage, Melon Pan und vieles mehr wurde angeboten. Da fragt man sich gerne mal: Was ist das denn eigentlich? Mit Schildern an den Ständen wurden die Besucher aufgeklärt und konnten sich auf den Genuss konzentrieren.
K-Pop, Tanz und Kendo
Nebst dem Kyudo-Bogenschiessen zeigten weitere Vereine ihr Können in der Turnhalle. Es wurde eine Vorführung – mit Möglichkeit zur aktiven Teilnahme – in Kendo (japanische Schwertkampfkunst) gemacht. Einige Kinder trauten sich, die Schutzmaske umzubinden und mit den Leiterinnen der Senbukan Budoschule Luzern zu kämpfen. Danach führten die Tänzerinnen der K-Pop Gruppe D-Dream aus Zug einen Tanz vor. Die Tanzgruppe tanzt auch zur J-Pop-Musik, welche aus Japan kommt, und bot am Nachmittag einen Workshop zum Erlernen der Tänze an.
Der Verein ist noch jung
Der Verein «Kyudo Hamaya Oberrüti» (auf deutsch: japanischer Bogenschiessverein) hat erst acht Mitglieder. Er wurde vor zirka zwei Jahren von drei Mitgliedern gegründet und besteht bisher ausschliesslich aus Erwachsenen. Trainiert wird jeweils am Montag und Freitag in der neuen Turnhalle in Oberrüti – oder im Dojo Oberrüti, wie die Japaner es nennen würden.
Montags wird an der Technik des Bogenschiessens gefeilt, am Freitagabend trainiert der ganze Verein. Neue Mitglieder sind herzlich willkommen, sie können sich gegen Anmeldung am Montag unverbindlich im Bogenschiessen versuchen und erhalten eine Ausrüstung dafür zur Verfügung gestellt.
Diese ist nämlich schön teuer: Rund 1’000 Franken kostet eine Anfängerausrüstung. Nebst schwarzen Hosen und weissem Shirt werden auch ein Bogen, Pfeile und ein Lederhandschuh benötigt. Der Handschuh kann ab Stange oder massgefertigt gekauft werden und gilt als wichtigstes Ausrüstungsteil. Man wechselt die Pfeile und Bögen je nach Distanz, nicht aber den Handschuh. Die massgefertigte Variante bekommt man ab 1’000 Franken – nach oben ist die Summe je nach Wünschen offen. Es gibt aber auch einen Secondhandmarkt für Preisbewusste.
Geschossen wird je nach Distanz auf eine Zielscheibe aus Holz und Papier oder Stroh. Die Sicherheit wird gross geschrieben, denn die Pfeile sind aus Carbon, Aluminium oder Bambus – davon möchte man definitiv nicht getroffen werden! Damit die Pfeile auch in der Halle nichts beschädigen, werden die Zielscheiben an eine Halterung platziert. So ist die Halle jederzeit geschützt. Dies ist dem Verein sehr wichtig.
Sport und Kultur werden vereint
Beim Kyudo wird die traditionelle japanische Kunst des Bogenschiessens mit der japanischen Kultur vereint. Es zählen Technik, Konzentration, Achtsamkeit - und auch das soziale Gefühl der Gemeinschaft zum Sport dazu. In der ganzen Schweiz betreiben rund 180 Personen den Sport. In Oberrüti wird die japanische Technik mit Abdrehen des Pfeilbogens trainiert. Diese beansprucht, im Gegensatz zur westlichen Technik, den ganzen Schulterbereich und verhindert, dass die Gelenke nur einseitig beansprucht werden.
Die Faszination Japan hat alle Mitglieder des Vereins gepackt, viele sind dadurch erst zum Sport gekommen. Es scheint, als wäre es mehr ein Lebensgefühl als einfach ein Fest, das in Oberrüti gefeiert wurde.




