Ein musikalisches Frühlingserwachen
02.04.2026 BeinwilAm letzten Samstagnachmittag verwandelte sich die Turnhalle in einen Konzertsaal. Unter dem Motto «Musical» bot das Programm der Musikgesellschaft eine abwechslungsreiche Reise vom Broadway über eine Disney-Hymne bis zur traditionellen Polka.
EDI ...
Am letzten Samstagnachmittag verwandelte sich die Turnhalle in einen Konzertsaal. Unter dem Motto «Musical» bot das Programm der Musikgesellschaft eine abwechslungsreiche Reise vom Broadway über eine Disney-Hymne bis zur traditionellen Polka.
EDI WIDMER
Eine erwartungsvolle Stille verbreitete sich in der fast bis auf den letzten Platz gefüllten Turnhalle, bis Silvan Zemp den Dirigentenstab erhob und so den Startschuss gab, für das über eine Stunde dauernde Frühlingskonzert. Es war wieder einmal ein Schaulaufen des musikalischen Schaffens der Akteurinnen und Akteure der Musikgesellschaft.
Den glanzvollen Auftakt bildete die Eröffnungshymne «Starlight», aus der Feder des renommierten Komponisten Alan Fernie. Im Anschluss an die sanften Harmonien des Openers blieb die Musikgesellschaft beim selben Komponisten, wechselte aber radikal das Genre. Mit einem «Grease Medley» katapultierte man das Publikum direkt in die 50er-Jahre. Bei den bekannten Melodien sah man in den Zuschauerreihen einige Köpfe im Takt nicken. Silvan Zemp verstand es bei diesem Stück gekonnt, die Dynamik des Ensembles zu steuern – mal druckvoll und rockig, dann wieder charmant und verspielt.
Wir bleiben bei Musicals und reisen in der Zeit ins Jahr 1994. Mit dem emotionalen «Circle of Life» von Elton John bewies die MG Beinwil ihre Fähigkeit zu grossen, orchestralen Klängen und liess für einen Moment die afrikanische Savanne in der Turnhalle auferstehen.
Kurz darauf bildete der marschbetonte Klassiker «Liberty Bell» den Abschluss des ersten Blocks. Das Stück mit dem markanten Glockenschlag wurde ebenfalls von Alan Fernie arrangiert. Der Komponist gilt quasi als «Haus-Arrangeur» der MG Beinwil, wahrscheinlich weil seine Werke dem Korps besonders gut liegen.
Bühne frei für den Nachwuchs
Danach hiess es: Vorhang auf für die Stars von morgen. Unter der fachkundigen Leitung von Michael Rösch und Tom Känzig betraten die Musikschüler die Bühne. Seit dem letzten Konzert ist es in Beinwil zur Tradition geworden, dass die jungen Talente nicht nur im stillen Kämmerlein üben, sondern frühzeitig die Bretter, die die Welt bedeuten, kennenlernen.
Voller Stolz zeigten die acht Kornettisten und drei Schlagzeugschüler, was sie gelernt hatten. Besonders beeindruckend war ihr Solo-Auftritt mit dem Queen-Klassiker «We Will Rock You.» Das Publikum liess sich nicht zweimal bitten und klatschte den ikonischen Rhythmus begeistert mit.
In einem fliessenden Übergang verschmolzen die Musikschüler mit der MG Beinwil zu einem grossen Ensemble. Gemeinsam intonierten sie den Kulthit «Sweet Caroline» von Neil Diamond. Die generationenübergreifende Zusammenlegung hatte auch einen pragmatischen Hintergrund: «Wir versuchen so die Jugend zu fördern und zu integrieren, damit sie später in die Musikgesellschaft kommen. Wenn sie die Leute schon kennen, fällt ihnen der Einstieg leichter», hofft die Präsidentin Claudia Rosenberg.
Stimmungsvolle Stücke
Nach dem erfrischenden Intermezzo mit den Musikschülern kehrten die Musiker wieder zu ihren Wurzeln zurück. Was wäre ein Konzert ohne eine zünftige Polka? Geht gar nicht! Deshalb folgte die «Sorgenbrecher Polka» von Norbert Gälle. Das Stück machte seinem Namen alle Ehre und sorgte für eine fröhliche Stimmung im Saal.
Dass das Ensemble auch moderne, tiefgründige Balladen beherrscht, zeigte sich bei «The Story» von Brandi Carlile. Moderiert wurde das Frühlingskonzert übrigens zum zweiten Mal von Stefan Willi. Er bedient normalerweise den B-Bass in den Reihen der MG Beinwil. Nun machte er ebenfalls am Mikrofon eine gute Figur. «Eine der emotionalsten Trennungsballaden», so kündigte er das letzte Stück seiner MG an. Der ABBA-Ohrwurm «The Winner takes it all», aus dem Jahr 1980 wurde vom Orchester mit viel Feingefühl interpretiert und bildete den offiziellen Abschluss eines abwechslungsreichen Programms.
Die interaktive Zugabe
Doch wer gehofft hatte, dass mit dem letzten Ton von ABBA bereits Schluss sei, hatte die Rechnung ohne das Publikum gemacht. Bei der ersten Zugabe, dem berühmten «Colonel Bogey March», wurde die Melodie gepfiffen. Und zwar nicht von den britischen Kriegsgefangenen, sondern von den Musikern, die auch ohne Instrumente zu begeistern wussten. Während das Orchester die Melodie pfiff, animierte der Dirigent das Publikum erfolgreich zum Mitklatschen.
«Es ist immer schön, wenn man das Publikum so direkt einbeziehen kann. Das gibt einfach eine super Stimmung im Saal», freute sich Rosenberg. Mit der zweiten Zugabe «Bis bald, auf Wiedersehen» verabschiedete sich die MG endgültig von der Bühne.
Doch der Abend war damit noch nicht vorbei. Im Anschluss lud die Festwirtschaft mit Pommes, Würsten, Kuchen und verschiedenen Teesorten zum Verweilen ein. Dabei wurde noch lange über die musikalischen und andere Highlights gefachsimpelt, während die Kinder der Musikschule bereits wieder stolz ihre Instrumentenkoffer durch die Halle trugen.
«Future Brass»-Premiere
Wer das Konzert am Samstag verpasst hat oder mehr hören möchte, muss nicht lange warten. Am 12. Juni wird es beim Quartierständli zudem noch eine Premiere geben: Den ersten offiziellen Auftritt der neu gegründeten Jugendband «Future Brass». Unter der Leitung von Silvan Zemp formieren sich hier rund 15 Musikschüler aus den Gemeinden Beinwil, Abtwil und Mühlau zu einer hoffnungsvollen Nachwuchs-Combo.


