Über 40 Jahre lang sammelten die Schülerinnen und Schüler das Altpapier ein. Diese abenteuerlichen Stunden, egal ob bei Sonne, Schnee oder Regen, sind vorbei. Die letzte Tour fand am vergangenen Freitag statt.
IRIS CAGLIONI
Gesammelt wurde immer an ...
Über 40 Jahre lang sammelten die Schülerinnen und Schüler das Altpapier ein. Diese abenteuerlichen Stunden, egal ob bei Sonne, Schnee oder Regen, sind vorbei. Die letzte Tour fand am vergangenen Freitag statt.
IRIS CAGLIONI
Gesammelt wurde immer an einem Freitagmorgen. Bei jedem Wetter, dreimal, früher sechsmal im Jahr. Über viele Jahre hinweg beteiligten sich alle Kinder ab der Kindergartenstufe, später blieb dann diese Aufgabe den beiden ältesten Jahrgängen in der Schule vorbehalten. «Wir forderten die Bevölkerung auf, kleine Bündel zu schnüren, damit sie für die Kinder tragbar waren», informierte Alvaro Mattli, Klassenlehrperson der 5./6. Klasse in Auw und mitverantwortlich für die Sammelaktion.
In den Anfängen brachten die Kinder Leiterwagen oder Sackkarren von daheim mit. Alle sammelten in ihren jeweiligen Wohnquartieren das Papier mit den eigenen Wagen ein und brachten es zum Sammelplatz. Später wurde mit Traktor und Anhänger gesammelt, so wie auch am letzten Freitag, dem effektiv letzten Sammeltag der Schüler.
Darum wurde die Sammlung gestrichen
Die Gründe für die Einstellung dieser Jahrzehnte alten, liebgewonnenen Arbeit sind einige. Vordergründig ist es der Zahn der Zeit. Hinter dem Mehrzweckgebäude entsteht das neue Recyclingzentrum, welches Mitte April eröffnet wird. «Bereits an der alten Sammelstelle konnten Papier und Karton abgegeben werden. Doch den Kindern zuliebe lagerten viele Einwohner ihr Papier daheim bis zur Abholung», erzählte Gemeindeammann Marlies Villiger. Auch die Kosten-Nutzen-Rechnung ist mit dem neuen Ökihof nicht mehr vertretbar. Villiger erklärte, dass die Papier- und Kartonsammlung seit Jahren defizitär sei und zudem immer wieder auch Sicherheitsbedenken vonseiten der Eltern kommen.
Ein letzter Einsatz
Auf dem Kiesplatz hinter dem Mehrzweckgebäude standen zwei grosse, gelbe Container. In den einen sollte das Papier, in den anderen der Karton. In drei Gruppen aufgeteilt, gingen die Schüler mit ihrer Lehrperson ans Werk. Zwei Traktoren und drei Anhänger standen bereit. Zwei Gruppen verteilten sich zu den Traktoren mit den leeren Anhängern, und ab ging die Tour. Die dritte Gruppe Kinder begann, den bereits gefüllten dritten Anhänger leerzuräumen.
«Bei dieser Aufgabe haben die Kinder immer viel gelernt. Sie konnten ein bisschen Geld für die Schule verdienen und taten etwas für die Allgemeinheit. Sie gaben so faktisch der Gemeinde etwas zurück», erzählte Alvaro und ergänzte: «Nicht selten fanden die Kinder auch beim aufgehäuften Altpapier eine Tafel Schokolade, die als Dankeschön galt und immer redlich geteilt wurde.»
Die fixen Sammeldaten wurden immer eingehalten. «Ich mag mich nur an ein einziges Mal erinnern, wo wir die Durchführung der Sammlung infrage stellten. Damals war Sturm angesagt. Doch die Prognosen waren schlechter als das Wetter selbst. So führten wir die Sammlung durch», erzählte Schulleiterin Susanne Portmann. «Das Geld aus der Sammlung nutzten wir für die Finanzierung von Spezialprojekten.» Sie weiss jetzt schon, dass ihr dieser finanzielle Zustupf fehlen wird.
Verabschiedung der Fahrer
Begrüsst wurden die Kinder und die beiden Fahrer Raphael Brun und Markus Villiger von der Schulleiterin Susanne Portmann. Sie bedankte sich bei den Fahrern für ihre Dienste und die vielen Jahre umsichtiger Zusammenarbeit mit den Kindern. Auch von Behördenseiten verdankte Gemeindeammann Villiger wertschätzend die beiden Fahrer.
Eifrig und mit sichtbarer Freude waren die Kinder dabei. Ausgestattet mit Leuchtwesten machten sie sich ans Werk. Sie wussten genau, was zu tun ist. «Das ist das dritte Mal, dass wir sammeln», meinte eines der Mädchen, nachdem sie ihren Anhänger abgeladen hatten. Mit einem Brötchen, einem Schoggistängeli und einem Becher Eistee stärkten sie sich in der Pause.