Ein ganzes Jahrhundert in Mühlau
23.10.2026 MühlauJoachim Bachmann feierte am 17. Oktober seinen 100. Geburtstag. Fast sein ganzes Leben verbrachte er auf demselben Bauernhof in Mühlau. Der Jubilar blickt auf ein einfaches Leben im Kreise seiner Familie zurück.
RAHEL HEGGLIN
Zum 100. Geburtstag ...
Joachim Bachmann feierte am 17. Oktober seinen 100. Geburtstag. Fast sein ganzes Leben verbrachte er auf demselben Bauernhof in Mühlau. Der Jubilar blickt auf ein einfaches Leben im Kreise seiner Familie zurück.
RAHEL HEGGLIN
Zum 100. Geburtstag organisierte Beat Huwiler, der Neffe des Seniors, und Verena Zutter, seine Freundin, eine kleine Feier. Eingeladen waren neben Angehörigen und Bekannten auch Mitarbeitende der Spitex. Aber auch eine Delegation des Gemeinderates liess es sich nicht nehmen, dem Jubilar zu gratulieren. Gefeiert wurde in der Wohnung des Neffen, der in einer angrenzenden Wohnung lebt. Dass Bachmann einmal seinen 100. Geburtstag feiern wird, hätte er nicht gedacht. Zu seiner Gesundheit beigetragen hat vielleicht auch der Umstand, dass er nie viel Alkohol getrunken hat. So erklärt der Senior: «Einen Rausch vom Alkohol hatte ich noch nie.»
Ein Leben auf dem elterlichen Bauernhof
Geboren wurde Bachmann am 17. Oktober 1926 im selben Haus, in dem er heute noch mit seinem 93-jährigen Schwager Alfred Huwiler lebt. Seine Schwester, mit der er aufgewachsen ist, ist 2015 verstorben. Zur Schule gingen die beiden im Dorf, und zwar im selben Schulhaus, in welchem auch heute noch unterrichtet wird. Damals war es neu, denn es wurde erst wenige Jahre vor seiner Geburt, im Jahr 1917, fertiggestellt. An die genaue Zahl der Schulkinder erinnert er sich nicht mehr genau, «aber es waren schon gegen 50 bis 60 Kinder. Alle aus Bauernfamilien.»
Im vergangenen Jahrhundert hat sich in Mühlau nicht nur die Anzahl Schulkinder und die Schule verändert, sondern auch die Umgebung. «Die Luzernerstrasse war früher aus Schotter. Erst in den 40er Jahren wurde sie geteert», erklärt Bachmann, und sein Neffe ergänzt: «Auch die Eisenbahnlinie bestand früher nur aus einem Gleis. Erst in den 60er Jahren wurde ein zweites gebaut.» Die Eisenbahnlinie, wie auch die Luzernerstrasse grenzen an den Hof des 100-Jährigen. Rund vier Hektaren umfasst das Eigenland, welches heute noch bewirtschaftet wird. Unterstützt werden er und der 93-jährige Huwiler vor allem von Huwilers Sohn Beat, der neben seinem 100-Prozent-Job und der Betreuung der Senioren auch noch den Betrieb führt. Früher war dies die Aufgabe von Huwiler senior, während Bachmann bei den anfallenden Arbeiten mithalf.
Arbeiten in der Fremde
Als junger Mann, Bachmann erinnert sich an das Jahr 1945, wurde er von seinen Eltern dazu angehalten, auch einmal ausserhalb des Elternhauses Erfahrungen zu sammeln. So führte ihn sein Weg nach Oberengstringen im Kanton Zürich, wo er während rund einem Jahr bei einer Bauernfamilie arbeitete. Bachmann erinnert sich noch heute gerne an diese Zeit. Nach seiner Rückkehr verschlug es ihn nach Wohlen. Dort arbeitete er während ein paar Monaten in einer Fabrik, in der unter anderem Spulen hergestellt wurden. «Meine Aufgabe war es, die Spulen auf ihre Richtigkeit zu kontrollieren», erklärt er. Die industrielle Arbeitswelt war für den jungen Mann eine neue Erfahrung. Vor allem die Maschinen beindruckten ihn. Er erzählt von einem grossen Elektromotor, der zahlreiche Maschinen in einem Saal antrieb. «Die Leistung des Motors betrug rund 500 bis 600 PS.» Auch bei der Lonza in Sins sammelte er Arbeitserfahrungen. Er wollte damals auf eigenen Beinen stehen und seinen Lebensunterhalt selbst verdienen. Doch es zog ihn bald wieder zurück auf den heimischen Hof.
Wenn Bachmann heute auf sein Leben zurückblickt, würde er einen Beruf lernen, der etwas mit Technik, respektive mit Motoren, zu tun hat. Doch sein Lebensmittelpunkt blieb die Landwirtschaft.
Fischereirecht im Familienbesitz
Neben der Landwirtschaft spielte auch die Reuss eine Rolle in Bachmanns Leben. Die Familie besitzt ein privates Fischereirecht, das bereits sein Grossvater erworben hatte. Dieses erstreckt sich über einen bestimmten Abschnitt des Flusses und wurde innerhalb der Familie weitergegeben. Bachmanns Vater nutzte dieses Recht regelmässig. Er fing Fische mit Netzen und verkaufte einen Teil des Fangs als Ergänzung zum landwirtschaftlichen Einkommen. Auch Bachmann ging gelegentlich fischen. Dabei kamen unter anderem sogenannte «Bären» zum Einsatz, wie die Familie die Reusen bezeichnet, in denen sich die Fische fangen liessen.
Heute geht der Jubilar aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zum Fischen. Das Nutzniessungsrecht der Fischerei befindet sich aber weiterhin in seinem Besitz. Es ist ein Stück Familiengeschichte, das ebenso wie der Bauernhof über Generationen erhalten geblieben ist.
Das Leben ist ruhiger geworden
Der Tagesablauf des Seniors ist inzwischen ruhiger geworden. Zusammen mit seinem Schwager verbringt er die Tage. Am Mittag kocht jeweils der 93-jährige, am Abend schaut der Neffe, respektive der Sohn vorbei. Gelegentlich greift Bachmann auch noch zur Tageszeitung. Seine Augen machen noch erstaunlich gut mit. Lediglich zum Lesen benötigt er eine Brille. Allgemein ist er bei guter Gesundheit. «Ich bin zufrieden, so wie es geht.» Grössere Beschwerden hat er nicht und hatte er auch nie. Einzig die Hüfte musste er mal operieren. Aber das ist schon Jahre her.



