Ein Blick zurück – so hat sich Sins entwickelt
22.08.2025 SinsDie Gemeinde hat sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. Sie besteht aus mehreren Dörfern und Weilern. Die Einwohnerzahl liegt heute bei 4’587, mit einem Ausländeranteil von 22 Prozent.
IRIS CAGLIONI
Jakob Peterhans, Jahrgang 1937 und ...
Die Gemeinde hat sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. Sie besteht aus mehreren Dörfern und Weilern. Die Einwohnerzahl liegt heute bei 4’587, mit einem Ausländeranteil von 22 Prozent.
IRIS CAGLIONI
Jakob Peterhans, Jahrgang 1937 und seine Frau Rita, Jahrgang 1935 sind beide in Sins geboren, aufgewachsen und tief verwurzelt. Jakobs Vater führte sein eigenes Sanitär-Geschäft im Dorf, und so war es nicht erstaunlich, dass der Sohn als junger Mann ins väterliche Geschäft einstieg. Rita Peterhans, geborene Köpfli wuchs auf einem Bauernhof auf. Er lag dort, wo heute die Wohnsiedlung Bühl steht, und die Ländereien reichten bis weit hinter die Bahnlinie.
Sie beide erinnern sich: «Wir hatten eine schöne Jugend.» Sins war ein reines Bauerndorf. Dazu kamen die fünf grossen Aussendörfer Alikon, Aettenschwil, Fenkrieden, Reussegg und Meienberg.
Alles Nötige war erhältlich
Im Jahr 1950, als Peterhans 13-jährig war und die Oberstufe besuchte, zählt die Gemeinde insgesamt 2’054 Einwohner. Davon lebten in Sins selbst lediglich 783, die restlichen 1’378 wohnten in den Aussenortschaften. Er erzählt, dass Sins überwiegend bäuerlichen Charakter hatte. Es gab die üblichen Handwerksbetriebe, Kaufläden, drei Wirtschaften, eine Mühle. Seit dem Aufkommen der Industrie im Jahr 1941 und den dadurch neu entstandenen Arbeitsplätzen wuchs auch die Bevölkerung stetig an. Peterhans erzählt weiter: «Die wirtschaftliche Grundversorgung war in Sins etabliert. Zu jener Zeit hatten wir hier drei Haushaltsoder Eisenwarengeschäfte, drei Schuhmacher in Sins und einen vierten in Alikon, dann waren die Metzgerei, zwei Bäckereien, drei Kolonialwarengeschäfte, eine Drogerie, ein Herrenschneider. Ebenso waren zwei Ärzte etabliert, die noch Hausbesuche machten.»
Handwerksbetriebe
Die Baubranche war schon damals sehr gut vertreten im Dorf mit Elektriker, Baumeister, Sanitär, Zimmermann, Dachdecker und vielen mehr. Der 88-jährige Sinser meint: «Wollte jemand ein Haus bauen, konnte er das mit Sinser Baubetrieben vom A bis Z machen, es brauchte keine auswärtigen Handwerker oder Architekten und Bauleiter. Die Entwicklung von Sins war nur möglich, weil vier landwirtschaftliche Vollerwerbsbetriebe und sechs bis acht Kleinbetriebe ihr Land zur Überbauung zur Verfügung gestellt haben. Dank dieser Landwirte hat sich Sins vom Bauerndorf zur wichtigen Zentrumsgemeinde des Oberfreiamts entwickelt.»
Peterhans weiss um viele Beispiele wie die folgenden zwei: «Wir suchten Land für das Zentrum Aettenbühl. Unsere Wunschparzelle war die Matte des Bauern Sachs, gegenüber dem Oberstufenschulhaus. Er jedoch wollte sein Land nicht verkaufen. So suchten wir weiter und konnten mit dem nötigen Landabtausch und Umzonungen das Aettenbühl dort errichten, wo es heute steht. Ein weiteres Beispiel für gelungenen Landabtausch ist die Migrol-Tankstelle. Diese war dort geplant, wo heute das Brautmodengeschäft ist. Das konnte geschickt verhindert werden.»
Was boten die Aussendörfer an?
In jedem der Dörfer gab es eine Wirtschaft und einen eigenen Löschzug unter dem Feuerwehrkommando von Sins. Ausser in Meienberg wurde überall eine Käserei betrieben. Bis auf Reussegg führte die Post in jedem Aussendorf eine Filiale. Sie sind inzwischen alle verschwunden. Die Gesamtschulen in Fenkrieden und Alikon existieren heute nicht mehr, die Primarschule Aettenschwil ist noch in Betrieb.
Die Kirche spielte eine grosse Rolle. Das zeigt sich in den Kapellen. Die Eligiuskapelle von Meienberg, die Verenakapelle in Aettenschwil, die Wendelinskapelle in Fenkrieden und die Jost- und Antoniuskapelle in Alikon sind Zeitzeugen. Auch auf abgelegenen Höfen wie Gerenschwil und dem Holderstock stehen Kapellen.
«Früher kam meistens nur ein Gemeinderat aus Sins, die anderen wurden von den Aussendörfern gestellt. Sie setzten sich für deren Anliegen ein.» Heute amtet lediglich ein Gemeinderatsmitglied, das nicht in Sins wohnt.
Riesige Schulklassen
Als Peterhans zur Schule ging, gab es in Sins nur das heutige Bezirksschulhaus. Alle Kinder aller Stufen gingen dort zur Schule. Er weiss noch genau: «Fräulein Heinzer hiess unsere Lehrerin der 1. und 2. Klasse. Wir waren 42 Kinder in einem Schulzimmer.» Alle Kinder aus jeder Stufe fanden Platz in den Klassenräumen des heutigen Bezirksschulhauses. «Viele Klassenzimmer gab es nicht, dafür waren wir grosse Klassen. Auch in der Oberstufe waren wir über 30 Schüler pro Klasse. Das kann man mit heute gar nicht vergleichen.»
Im Schuljahr 2024/25 betrug die Gesamtschülerzahl inklusive Kindergarten 762 mit total 43 Klassen/Abteilungen. Drei Klassen wurden in Aettenschwil geführt und 40 Klassen in Sins. Das ergibt einen Schnitt von 17,7 Schüler pro Klasse.