Die südlichste Gemeinde des Kantons Aargau erlebte einen tierischen Ausnahmezustand. Ein ausgebüxtes Wallaby sorgte am vergangenen Donnerstag für Schlagzeilen in der ganzen Schweiz. Für einen Moment war auch die Gemeindeverwaltung im Känguru-Fieber.
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Die südlichste Gemeinde des Kantons Aargau erlebte einen tierischen Ausnahmezustand. Ein ausgebüxtes Wallaby sorgte am vergangenen Donnerstag für Schlagzeilen in der ganzen Schweiz. Für einen Moment war auch die Gemeindeverwaltung im Känguru-Fieber.
RAHEL HEGGLIN
Über 30 Grad, enorme Hitze und die südlichste Gemeinde des Kantons Aargau: Da könnte man glatt meinen, Australien sei ein Stück näher gerückt. Als dann tatsächlich ein Känguru durch Dietwil hüpfte, schien die Sache klar: Der Klimawandel hat endgültig zugeschlagen.
Doch nicht ganz so überrascht war Gemeindeamman Theo Kern: «Unmöglich erschien mir die Meldung nicht, da es in den Nachbargemeinden Inwil und Ballwil Personen gibt, die Wallabys halten».
Die Erklärung ist daher auch nicht so spektakulär, wie zunächst angenommen. Das Tier war nämlich keinem Zoo entlaufen, sondern einer Privathaltung im benachbarten Inwil. Durch eine kleine Öffnung im Gehege hatte sich das Wallaby, eine kleinere Känguruart, auf einen ungeplanten Ausflug über die Kantonsgrenze gemacht.
Kinder machten die Entdeckung
Entdeckt wurde der ungewöhnliche Besucher von Kindern der Cevi Dägerlen & Veltheim. Sie waren in Dietwil vergangene Woche im Ferienlager. «Wir waren gerade in unserem Hauptzelt am Mittagessen, als die Kinder riefen, dort oben ist ein Känguru. Wir haben es natürlich nicht geglaubt», so der Lagerleiter Robin Hächler. Doch bei genauerem Betrachten hüpfte wirklich etwas umher. Zunächst glaubten einige, einen besonders grossen Hasen gesehen zu haben. Erst beim genaueren Hinsehen wurde klar: Das sieht verdächtig nach einem Känguru aus.
Glücklicherweise gelang es den einen, Videos und Fotos vom ungewöhnlichen Besucher zu machen. So konnte Beweismaterial gesichert, die Meldung aber auch rasch verbreitet werden. «Als Lagerleitung haben wir entschieden, dass wir die Sichtung aufgrund des Tierwohls melden. Wir haben bei verschiedenen Bauern nachgefragt, ob sie wüssten, woher das Tier stammen könnte.» Auch die Kantonspolizei wurde informiert und suchte zunächst nach möglichen Tierhaltern. Weil anfangs niemand ein Wallaby vermisste, blieb die Herkunft des exotischen Gastes zunächst ein Rätsel.
Happy End im Wald
Erst am Samstag, zwei Tage später, konnte der Fall gelöst werden. Gemeinsam mit dem Besitzer, der Kantonspolizei, einem Tierarzt und dem Grosstier-Rettungsdienst konnte das Wallaby in einem Waldstück lokalisiert, betäubt und wohlbehalten eingefangen werden. Inzwischen ist der tierische Ausreisser wieder zurück in seinem Gehege in Inwil.
Dietwil nahm es mit Humor
Die Videos, die von der Lagerleitung gemacht worden waren, verbreiteten sich rasend schnell und sorgten schweizweit für Schlagzeilen. Diese Aufmerksamkeit nutzte auch die Gemeinde Dietwil und zeigte sich humorvoll. «Schon am Donnerstag kam mir spontan die Idee, ein spezielles Wappen und einen speziellen Flyer zu kreieren», sagt Gemeindeschreiber Raphael Köpfli. Die Gemeinde hat laut ihm viele positive Rückmeldungen darauf erhalten. «Ich wurde sehr oft auf die Geschichte angesprochen. Interessant war auch zu sehen, dass aufgrund des Flyers auf den Social-Media-Kanälen die Geschichte erst richtig Fahrt aufgenommen hat.»
Mit dem Einfangen am Samstag hat die Episode Känguru nun ein Ende. Die Gemeinde wird die Sichtung auch nicht weiter ausschlachten. «Mit dem guten Ende der Geschichte wird diese nun entspannt zu Ende gehen. Im Rechenschaftsbericht zum Jahr 2026 ist es aber gut möglich, dass diese aussergewöhnliche Anekdote nochmals aufgenommen wird» so Köpfli. Gemeindeammann Kern hält zudem fest, dass es nicht das erste Mal gewesen sei, dass ein Wallaby in Dietwil herumhüpft. «Vor rund 15 Jahren wurde schon eines in Gumpelsfahr gesichtet.» Dennoch freut er sich über die Aufmerksamkeit, die seine Gemeinde erhalten hat: «Wir sind jetzt nicht nur die Gemeinde mit der Paintball-Farm, sondern auch die Gemeinde mit dem Känguru. Es war schön zu sehen, wie Dietwil durch diese Geschichte positiv wahrgenommen wurde.»