Die Deponie Babilon soll weiterwachsen
14.08.2026 Oberrüti, DietwilUmwelt Die Aushubdeponie Babilon soll Richtung Norden ausgebaut werden. Die betroffenen Gemeinden Dietwil und Oberrüti veranstalteten diese Woche dazu je eine Informationsveranstaltung. In Oberrüti sorgt sich die Bevölkerung vor allem um den Lärm und den ...
Umwelt Die Aushubdeponie Babilon soll Richtung Norden ausgebaut werden. Die betroffenen Gemeinden Dietwil und Oberrüti veranstalteten diese Woche dazu je eine Informationsveranstaltung. In Oberrüti sorgt sich die Bevölkerung vor allem um den Lärm und den Staub.
RAHEL HEGGLIN
Die Veranstaltung war am Montagabend. Gemeindeammann Urban Stenz erläuterte zusammen mit Josef Wanner vom Planungsbüro ilu AG und Dieter Greber von der Deponie Freiamt AG das Vorhaben.
Bestehenden Standort weiterführen
Geplant ist Platz für weitere 1,4 Millionen Kubikmeter unverschmutztes Aushubmaterial. Seit 2016 ist die Deponie Babilon in Betrieb. Die heutige Deponiezone umfasst 19,7 Hektaren und ist bald ausgeschöpft. «Auf der Suche nach einer Anschlusslösung wurden 15 Standorte geprüft. Babilon Nord gilt dabei als beste Variante», erklärte Stenz in seiner Rede. Dabei soll jene Projektvariante verfolgt werden, bei welcher der Wald Babilon nicht tangiert wird.
Die Erweiterung ist gemeindeübergreifend angelegt. Je rund 700’000 Kubikmeter des zusätzlichen Volumens entfallen auf Dietwil und Oberrüti. Bei einer durchschnittlichen Ablagerungsmenge von 175’000 Kubikmetern pro Jahr ist eine Betriebsdauer von acht Jahren vorgesehen. «Der Betrieb soll in drei Hauptetappen erfolgen, die voraussichtlich während den Jahren 2028 bis 2036 genutzt würden. Dabei gehen wir von einer wandernden Baustelle aus. Fertige Bereiche werden laufend rekultiviert, damit möglichst wenig Boden gleichzeitig offenliegt», erklärte der Planer Wanner. Ein weiterer Vorteil der Erweiterung der bestehenden Deponie wäre, dass die Waage, das Radwaschbecken sowie die Zufahrt nicht neu gebaut, sondern vom bestehenden Betrieb genutzt werden könnten. Interessant am ganzen Projekt sind die Einnahmen von 1,75 Millionen Franken, welche für beide Gemeinden in Aussicht gestellt werden.
Nur sauberes Aushubmaterial
Babilon ist eine Deponie des Typs A. Ablagern darf man dort ausschliesslich unverschmutztes Aushub- und Ausbruchmaterial. Die Verantwortlichen verwiesen auf den grossen regionalen Bedarf. «Beim Bauen fällt nun mal Aushub an, der an einen geeigneten Ort gebracht werden muss. Eine regionale Deponie reduziert zusätzliche Lastwagenkilometer», erklärte Greber. Für die Deponie Babilon rechnet er mit durchschnittlich 121 Lastwagenfahrten pro Arbeitstag. «Dabei kommen 70 Prozent von Oberrüti her, die anderen 30 Prozent aus der Richtung Dietwil.» Weil die jährliche Ablagerungsmenge gegenüber dem bisherigen Betrieb nicht erhöht werden soll, erwarten die Projektverantwortlichen keine zusätzliche Verkehrsbelastung. Die bestehende Erschliessung in Dietwil soll weiterverwendet werden, sodass es keine Zufahrt via Oberrüti geben würde.
Bäche sollen offengelegt werden
Dem Eingriff in die Landschaft stehen verschiedene ökologische Massnahmen gegenüber. 15 Prozent des Ablagerungsperimeters sind als ökologische Ausgleichsflächen vorgesehen. Weiter sollen der Gibelbach und der Ausserfeldbach verlegt beziehungsweise offengelegt und revitalisiert werden. Für beide Gewässer ist ein separates kantonales Wasserbauprojekt vorgesehen.
Auch der Umgang mit Starkregen ist Teil der Planung. Retentionsflächen sollen während des Betriebs Wasser zurückhalten. Eine Basisentwässerung soll Oberflächenwasser gezielt fassen und ableiten.
Die Gemeinden erhalten 1,75 Millionen
Von den Einnahmen gehen in Oberrüti 45 Prozent an die Einwohnergemeinde und 55 Prozent an die Landeigentümer. Bei einem Oberrüter Anteil von rund 700’000 Kubikmetern rechnet die Gemeinde über zehn Jahre mit Deponieerträgen von rund 1,75 Millionen Franken. «Zusätzlich erhalten wir Steuereinnahmen der privaten Landeigentümer auf ihren Betrag», so Gemeindeammann Stenz. Er machte deutlich, dass dieser Betrag angesichts der Gemeindefinanzen höchst willkommen ist.
Kritische Stimmen
In der Fragerunde zeigte sich allerdings, dass für Anwohner nicht allein das Geld entscheidend ist. Ein Bewohner aus dem Oberdorf sprach die Lärmemissionen der Baumaschinen und insbesondere die Warnsignale beim Rückwärtsfahren an. Diese seien während des Tages deutlich zu hören. Greber räumte ein, dass sich die Belastung nicht vollständig vermeiden lasse. «Die akustischen Rückfahrwarnungen sind aus Sicherheitsgründen vorgeschrieben.» Auch Staub war während der Diskussion ein Thema. Dieser könne vor allem in längeren Trockenperioden zur Belastung für Anwohnende werden. «Bei Bedarf muss deshalb bewässert werden», so Greber der auch versprach, dass man sämtliche Unannehmlichkeiten so gut es geht aus dem Weg räumen will. Andere kritisierten den Entschädigungsbetrag, den sie in keinem Verhältnis zur Deponieerweiterung sehen.
Entscheid fällt im November
Noch ist die Erweiterung nicht beschlossen. Die öffentliche Auflage der Nutzungsplanung läuft noch bis am 1. September. Am 18. November entscheidet die Oberrüter Einwohnergemeindeversammlung über die Teiländerung des Kulturlandplans und die Ergänzung der Bau- und Nutzungsordnung. Dietwil stimmt einen Tag später ab. Heisst der Souverän das Geschäft gut, könnte nach aktuellem Terminplan die Bewilligung 2028 vorliegen.


