Der Verein bleibt lokal – das Netz wird kantonal
26.01.2024 RegionAb dem 1. Februar will der Kanton Aargau flächendeckend ein First-Responder-Netz einführen. Der Verein im Oberfreiamt wird unabhängig dazu weiterbestehen bleiben und in Notfällen zum Einsatz kommen.
RAHEL HEGGLIN
«Die News kam etwas ...
Ab dem 1. Februar will der Kanton Aargau flächendeckend ein First-Responder-Netz einführen. Der Verein im Oberfreiamt wird unabhängig dazu weiterbestehen bleiben und in Notfällen zum Einsatz kommen.
RAHEL HEGGLIN
«Die News kam etwas überraschend», sagt der Präsident des Vereins First Responder Oberfreiamt, Thomas Huber. Hatte er doch vor der Gründung des lokalen Vereins, einige Gespräche mit dem Kanton geführt. Um vorwärtszukommen und handlungsfähig zu sein, gründete er im Sommer 2022 zusammen mit fünf weiteren Personen den Verein. «Danach machten wir uns auf die Suche nach Personen, die sich einen Einsatz als First Responder vorstellen konnten. Daneben galt es, Gespräche mit den Gemeinden zu führen, Equipment anzuschaffen und in einem weiteren Schritt mit der Ausbildung der freiwilligen Personen zu starten», so Huber. Seit dem 1. März 2023 ist der Verein nun offiziell im Einsatz und hat seither bei 41 Notfällen geholfen. «Diese Zahl zeigt, wie wichtig es ist, ein First-Responder-Netz im Oberfreiamt zu haben.»
Zentrale Registrierung
Nun kommt der Kanton und führt ein eigenes, flächendeckendes Netz an Ersthelfenden ein. Personen, die sich als First Responder zur Verfügung stellen wollen, müssen über ein BLS AED-Zertifikat verfügen, das nicht älter als zwei Jahre alt ist. Dieses Zertifikat gilt es auf der Onlineregistrierung hochzuladen. «Dieses Prozedere müssen unsere 25 First Responder aus dem Oberfreiamt ebenfalls durchlaufen. Sonst bekommen sie zukünftig keine Alarmierungen mehr», erklärt Huber. Denn das Alarmierungssystem wird nun zentral vom Kanton über die App «First Responder Aargau» gesteuert. So kann es sein, dass bei einem Notfall im Oberfreiamt auch ein First Responder aufgeboten wird, welcher nicht im Verein First Responder Oberfreiamt ist. «Damit haben wir grundsätzlich kein Problem. Wir gehen ja davon aus, dass sämtliche Personen gut ausgebildet sind und nur das Beste für den Patienten wollen», so Huber. Dennoch gibt es Unterschiede zu den lokalen First Respondern.
Wichtiger Unterschied
Die lokalen Ersthelfer verfügen insgesamt über 15 Notfallrucksäcke, die dem Verein gehören. In diesen gibt es unter anderem ein Defibrillator sowie ein Sauerstoffgerät. Sauerstoff gilt in der Medizin als Medikament. Die Abgabe muss deshalb von einem Arzt bestätigt werden. «Unsere First Responder haben alle dieses Zertifikat, da sie entsprechend ausgebildet wurden. Die First Responder, welche sich über den Kanton angemeldet haben, verfügen aber über keine eigenen Rucksäcke. Sie sind somit nicht mit einem Defibrillator und Sauerstoffgerät ausgerüstet», so der Präsident. Das heisst, in einem Notfall können diese dem Patienten keinen Sauerstoff abgeben und müssen bei einem Herz-/Kreislaufstillstand erst den Defibrillator an einem zentralen Ort holen.
Patienten im Oberfreiamt müssen aber keine Angst haben, dass sie bei einem Atemnot- oder Herz-/Kreislauf-Notfall keinen ausgerüsteten First Responder bekommen. Das Alarmierungssystem sendet die entsprechenden Stichworte, damit die First Responder aus dem Oberfreiamt sicher alarmiert werden. «Die public First Responder werden nur bei den Stichworten leblos und bewusstlos aufgeboten. Unsere Ersthelfer bekommen auch Notfälle mit den Stichworten Atemnot und Brustschmerzen», erklärt Huber. Somit können sie sofort ausrücken und sind im Durchschnitt innerhalb von drei Minuten nach der Alarmierung beim Patienten.
Auf Gönner angewiesen
Für die Oberfreiämter First Responder und die Bevölkerung hat das flächendeckende, kantonale Netz an First Respondern weder einen Vor- noch einen Nachteil. Auch finanziell wird der lokale Verein nicht profitieren. «Wir bekommen kein Geld vom Kanton. Unsere Finanzierung läuft weiterhin über die Gemeinden und über Spenden.» Mit den sechs Gemeinden Dietwil, Oberrüti, Sins, Abtwil, Auw und Mühlau konnte ein Vertrag abgeschlossen werden. Jede Gemeinde bezahlt pro Jahr und Einwohner einen Franken. «Das ergibt durchschnittlich 13’000 Franken, was leider nicht reicht», so Huber. Mit dem Geld wird die Ausrüstung, die Ausbildung sowie die Besoldung der First Responder bezahlt. Um die Lücken zu decken, ist der Verein auf die Unterstützung von Gönnern angewiesen. Und dass dieses Geld gut investiert ist, zeigt sich an der grossen Zahl an Einsätzen. «Grundsätzlich gingen wir von 25 Einsätzen im Jahr aus. Nun sind wir noch nicht mal ein Jahr im Einsatz und rückten schon über 40mal aus», so der Präsident. Und bei mindestens einem Notfall geht Huber davon aus, dass der Patient ohne den Einsatz seiner Ersthelfenden nicht mehr am Leben wäre.
Hinweis:
Angaben zum Spendenkonto für den Verein First Responder Oberfreiamt finden sie auf Seite 18.