Der Holzerwettkampf sorgt rundum für viel Begeisterung
02.10.2026 MerenschwandFünf Disziplinen: Kettenwechsel, Kombischnitt, Präzisionsschnitt, Baumfällen und Asten. Das Forsthandwerk zog die Besucherinnen und Besucher in seinen Bann. Genauigkeit und Schnelligkeit imponierten. Aber auch das Fest an sich, mit ganz vielen zusätzlichen ...
Fünf Disziplinen: Kettenwechsel, Kombischnitt, Präzisionsschnitt, Baumfällen und Asten. Das Forsthandwerk zog die Besucherinnen und Besucher in seinen Bann. Genauigkeit und Schnelligkeit imponierten. Aber auch das Fest an sich, mit ganz vielen zusätzlichen Höhepunkten.
aro | Es ist Unterhaltung pur. Wenn Bruno Furrer die Bühne betritt, dann geht etwas. Seit 1973 ist er als Gantrufer bei Versteigerungen tätig. Seine Sprüche sind legendär. Nicht nur bei Versteigerungen von Vieh oder landwirtschaftli hen Gütern. Furrer kann auch Holzskulpturen. Und die ganze Festwirtschaft hängt an seinen Lippen. Lacht über seine Witze. Verfolgt vor allem aber, wer die Skulpturen ersteigert. Die Skulpturen, die vorher innerhalb genau sechs Stunden beim Kreativ-Wettbewerb entstanden sind. Sechs Künstler haben sich dafür angemeldet und innerhalb der kurzen Zeit aus dem Rundholz ein Kunstwerk gemacht. Mal ist es ein Drache, mal das Antlitz des Wilhelm Tell, mal ein Brunnen mit einer Eule, mal zwei Wolfköpfe, mal ein Bär und – dem Anlass entsprechend – ein Forstarbeiter samt Motorsäge und Bier.
Dass beides durchaus zusammengehören kann, das wird an diesem Anlass deutlich. Natürlich nicht, bevor der Wettkampf beendet ist. Und natürlich nicht im Alltag im Wald. Schliessdie Forstleute, das sind gemütliche und gesellige Menschen. Die Festwirtschaft auf dem Gelände der Kistenfabrik ist rund um die Uhr voll. Natürlich bei der Versteigerung, und bei der anschliessenden Rangverkündigung ganz besonders. Für 1’300 bis 3’000 Franken wechselten die Holzskulpturen den Besitzer. Und so viel sei verraten – ein paar bleiben im Freiamt.
Kette in 9,38 Sekunden gewechselt
Am Holzerwettkampf wird aber mehr geboten als Plausch und Geselligkeit. Über 200 Forstleute messen sich in fünf verschiedenen Disziplinen. So viele, wie an keinem anderen solchen Anlass im Land. Sie messen sich in Disziplinen, die der täglichen Arbeit im Wald nachempfunden sind. Etwa der Kettenwechsel. «Da werden vorher die Hände der Wettkämpfer kontrolliert», verrät Linus Staubli via Mikrofon, sodass alle Besucherinnen und Besucher auf Platz das Gebotene besser einordnen können. Bei der Kontrolle der Hände werden Schnitte gekennzeichnet. Hat es nach dem Kettenwechsel mehr, gibt es Abzüge. Aber wie bei allen Disziplinen steht die Geschwindigkeit im Fokus. 15,12 Sekunden braucht der schnellste Aargauer Teilnehmer. Perspektiven zeigt die Forst-Nationalmannschaft auf. 9,38 Sekunden ist da der Bestwert.
Kombischnitt, Präzisionsschnitt – die Abweichungen sind im Millimeterbereich. Wer das Gebotene zum ersten Mal live sieht, ist durchwegs begeistert. Applaus gibt es immer wieder für die Leistung der Forstleute. Auch beim Fällen. Hier muss eine Fallkerbe aus einem Rundholz gesägt werden, damit der Baum einen anvisierten Punkt auf einer Distanz von 15 Metern genau treffen kann. Und besonders attraktiv ist das Asten. 30 künstliche Äste müssen möglichst schnell und präzise abgesägt werden. Bleiben mehr als fünf Millimeter am Stamm oder ist der Stamm tiefer als fünf Millimeter verletzt, gibt es Abzug. Es ist eine Berufsmeisterschaft. Diese als Sport zu bezeichnen, wäre aber nicht falsch. Wegen der Spannung, wegen der Stimmung, wegen der Leistung.
150 «Ameisi» im Einsatz
Rund 100 Bäume werden an diesen beiden Tagen in Merenschwand «zersägt» Das Holz wird anschliessend für Holzschnitzelheizungen verwendet. «Nachhaltigkeit wurde im Wald erfunden», sagt OK-Präsident Stefan Staubli denn auch. «Nicht mehr zu nehmen, als man gibt – diese Grundhaltung würde der ganzen Welt guttun.» Er spricht aber auch von Herausforderungen, mit denen sich die Branche konfrontiert sieht. Von den Ansprüchen, die alle an den Wald haben. Und Staubli ist überzeugt: «Holz ist einmalig, vielfältig und überraschend.» Eine Holzbar? Wer will, kann auf dem Gelände auch das kaufen. Und die Kinder toben sich auf dem riesigen Holzschnitzelberg aus.
150 Helferinnen und Helfer sind im Einsatz. «Eine sehr grosse Zahl für unseren kleinen Freiämter Forstverein», sagt Staubli. «Ameisi» steht auf ihren grünen T-Shirts. Fleissig und wichtig für den Wald, wie die Tiere eben. Ein erleichtertes OK, riesige Mengen begeisterter Besucherinnen und Besucher, glückliche Wettkämpfer, zufriedene Gastgeber. Der Holzerwettkampf überzeugt auf der ganzen Linie. «Die Begegnung» heisst die Skulptur, die OK-Präsident Staubli dem Ehepaar Birrer von der Kistenfabrik überreicht. Für Begegnungen hat dieser Anlass tatsächlich zuhauf gesorgt. «Das wollten wir auch. Denn wir wollen und dürfen uns zeigen», betont Staubli. Wie wahr das ist, das hat sich an diesen beiden Tagen x-fach gezeigt.



