Das wunderbare Seniorendasein von Dackel Jill
23.08.2024 DietwilBesser könnte es der betagte Langhaardackel nicht haben. Der kleine Rüde Jill ist der 15-jährige treue Begleiter seiner Halterin Rita Arnet. Seine getrübten Augen zeigen, dass er nicht mehr viel von seiner Umgebung sieht, doch wahrnehmen tut Jill trotzdem fast alles. ...
Besser könnte es der betagte Langhaardackel nicht haben. Der kleine Rüde Jill ist der 15-jährige treue Begleiter seiner Halterin Rita Arnet. Seine getrübten Augen zeigen, dass er nicht mehr viel von seiner Umgebung sieht, doch wahrnehmen tut Jill trotzdem fast alles.
IRIS CAGLIONI
Eine Dame spaziert mit ihrem Hund. Dieses Bild können sich wohl die meisten vorstellen. Doch wie einzigartig die Verbindung zwischen Halterin Arnet und ihrem Dackel Jill ist, zeigte die Hundeliebhaberin bei einem Morgenspaziergang auf. Bereits kurz nach 7 Uhr stand das Duo erwartungsvoll vor dem Haus, bereit zum Einsteigen ins Auto, um bis zum Parkplatz beim Wald zu fahren.
Die umsorgende Hundehalterin nutzt jeweils die kühlen Morgenstunden, um den Bedürfnissen ihres betagten Hundes gerecht zu werden. Im Sommer muss sie früher raus als im Winter. «Es ist fast wie bei den älteren Menschen. Jill verträgt die Hitze einfach nicht mehr und würde leiden. Der eher kühlere und regnerische Sommer, den wir bis Mitte Juli hatten, kam mir und meinem Dackel daher gelegen.»
Jill kam als viermonatiger, junger Hund zu Arnet. «Wir wollten damals einen Welpen und gingen zu einer uns bekannten Züchterin. Sie hatte bei unserem Besuch noch keinen Welpen, den sie hätte aushändigen können. Also sassen wir dort und redeten, da rannte Jill auf mich zu, hüpfte auf meinen Schoss und wollte nicht wieder runter. Somit hat er mich ausgesucht, und wir durften ihn am selben Tag mit nach Hause nehmen.»
Hunde gehören seit ihrer Kindheit zum Leben
Die im luzernischen aufgewachsene Arnet war Einzelkind und hatte das Glück, mit Tieren aufwachsen zu dürfen. «Wir lebten am Waldrand, in der Nähe eines Baches, und es war einfach herrlich. Hauptsächlich hielten wir Deutsche Schäferhunde.» Arnet war keinen Tag ohne Hund und hätte sich das auch nie vorstellen können. «Ich habe einen wirklich guten Draht zu Tieren und durfte in meinem Leben rund 30 Hunde hegen, manchmal waren es drei bis vier gleichzeitig. Einen Hund schon als Welpen zu sich zu nehmen und ihn bis zu seinem Lebensabend zu begleiten und zu betreuen ist einfach das Grösste.»
Ein Lebenszyklus
Arnet sieht viele Parallelen zwischen einem Menschen- und einem Hundeleben. Die vier Lebensphasen: Baby, Teenager, Erwachsener und Betagte – alle vier Abschnitte haben ihren Charme. «Einen kleinen Welpen zu haben, das ist eine Faszination. Das Leben eines Welpen besteht aus rennen, spielen, schlafen, essen und sich knuddeln lassen. Dann kommt das Teenager-Alter. Die Hunde müssen alles ausprobieren und Grenzen suchen – auch ähnlich wie bei den Menschen. Danach kommt die schöne Zeit, in der man mit dem treuen Gefährten durchs Leben gehen kann. Da spürt man die bedingungslose Liebe des Hundes für seinen Halter. Und dann kommt eben die Zeit, die manchmal traurig macht, wenn der Hund alt wird. Bei Jill kam der Tag, da bemerkte ich, dass er mehr schläft als früher. Dann sah ich, dass die Härchen bei der Schnauze ergrauten und stellte fest, dass ihn seine Knochen manchmal schmerzen. Für mich sind Hunde grossartige Begleiter, egal in welchem Alter.»
Jill ist 15-jährig und fast blind
Arnet weiss: Einen alternden Hund in seinen letzten Lebensjahren begleiten zu dürfen, hat schöne und auch trau— rige Seiten. Es bedeutet, langsam Abschied nehmen. «Jill ist ein hochsensibler und beseelter Hund. Das wirklich Schwierigste ist, sich mit dem Gedanken zu befassen, wie viel kann ich dem Tier noch zumuten oder muss ich es zum Tierarzt bringen?» Vor zirka fünf Jahren stellte der Tierarzt bei Jill einen beginnenden Grauen Star fest. Seine Sehkraft ist mittlerweile stark eingeschränkt, doch mindestens Schatten nimmt er gemäss seiner Halterin noch wahr. Einen blinden Hund zu haben bedeutet, dass Arnet in ihrem Haus darauf achten muss, dass alles am selben Ort steht. «Ich habe Teppiche am Boden, das erleichtert ihm das Laufen und er kann sich so orientieren.» Je älter ein Hund wird, umso mehr Fürsorge und Ruhe benötigt er. Es sei viel, was einem durch die Pflege eines alten Hundes beigebracht wird. «Man lernt dabei, gelassener und toleranter zu werden, alles geht langsamer.» Die Spaziergänge mit Jill werden kürzer und eine Bänkli-Pause zwischendurch, um wieder Kraft für den Rückweg zu tanken, gehört zum Rundweg dazu.
Hege und Pflege an jedem Tag
Über grössere Tritte trägt Arnet ihren Dackel. Jills vordere Gelenke weisen eine leichte Arthrose auf und Sprünge sollte er nicht mehr machen. Doch sonst fehlt dem liebenswerten Hund nichts. Arnet ist davon überzeugt, dass sehr viel mit der Ernährung zusammenhängt. «Meine Hunde leiden oder litten nie an Durchfall. Ich bereite immer Frischfleisch für sie zu. Das beziehe ich bei meinem Futterlieferanten des Vertrauens. Ich füge dem Fleisch Gemüse, Vitamine und Mineralstoffe sowie essenzielle Fette hinzu. Bei mir gibt es kein Fertigfutter.»
Nebst Jill sind im Haushalt noch zwei Belgische Schäferhunde, Siri 13-jährig und Fley 14-jährig. Im grossen Garten haben die drei Hunde genügend Platz, um zu spielen oder auch, damit jeder für sich sein kann.
Wenn Jill einmal gegangen ist, würde sich Arnet wünschen, noch einmal einen Welpen zu sich zu nehmen, aber nur in Absprache mit der Familie. «Ich bin in einem Alter, wo ich nicht weiss, ob ich einen Hund nochmals bis in den Lebensabend begleiten kann. Einen Welpen würde ich nur nehmen, wenn ich sicher sein kann, dass der Hund, wenn ich nicht mehr kann, in den guten Händen meiner Familie ein schönes Leben haben wird.»