«Das mache ich nie mehr!» Reto Stuber am Race Across the Alps
04.07.2025 Informationen«Das mache ich nie mehr..!» Diese Aussage wird Reto Stuber aus Merenschwand sicher mehrmals durch den Kopf gegangen sein, als er bei 34 Grad im Schatten den Ofenpass von Zernez aus mit seinem Rennrad hinauffährt. Hat er sich doch das 2023 geschworen, als er schon einmal das ...
«Das mache ich nie mehr..!» Diese Aussage wird Reto Stuber aus Merenschwand sicher mehrmals durch den Kopf gegangen sein, als er bei 34 Grad im Schatten den Ofenpass von Zernez aus mit seinem Rennrad hinauffährt. Hat er sich doch das 2023 geschworen, als er schon einmal das anerkannt härteste Eintagesrennen der Welt das «Race Across the Alps» mit 525 Kilometer und über 13’500 Höhenmeter in 32 Stunden und 43 Minuten gefahren ist.
Noch einmal unter 32 Stunden fahren wurde als Ziel bei der Anmeldung für die Austragung 2025 definiert, und so kam es, dass Reto mit einem Freiämter Support-Team, zusammengesetzt aus Freunden und Familie, am 27. Juni um 14 Uhr wieder an der Startlinie in Nauders steht. Das Race Across the Alps ist ein offizielles Qualifikationsrennen für das Race Across America (RAAM). Als qualifiziert gelten jene Fahrer, die das Ziel in 32 Stunden erreichen.
Vorgängig wurde im Team ein minutiöser Zeitplan erstellt mit zwei Helferteams, die sich teilweise hätten ablösen sollen. Aufgrund eines Murgangs im Stelvio musste die Strecke ein paar Stunden vor dem geplanten Start am Freitag um 13 Uhr neu bestimmt werden. Eine riesige Herausforderung für den Veranstalter, und auch für alle 43 Fahrer, die sich nun neu orientieren mussten. Das zweite Team musste für die Ablösung deshalb nach Tirano statt Filisur fahren
Magnesium und gute Sprüche
Die Hitze und die psychische Belastung der neuen Strecke, bei der einiges doppelt gefahren werden musste und die auch jetzt 20 Kilometer länger war, machten sich bei Reto mit Krämpfen in den Beinen bemerkbar. Und dies schon in den ersten Pässen. Mit Magnesium, Getränken und guten Sprüchen begleitete das erste Team mit Roman Strebel und Reto Pratter den Athleten in die laue Nacht. Nach dem Reschenpass und dem Stelvio mit 2’757 m.ü.M. ging’s via Umbrail runter nach St Maria. Dann über den Ofenpass ins Engadin. Der Flüela und die Albula wurden in den Abend-/Nachtstunden abgespult, bevor es dann über den Berninapass wieder nach Italien ging. Die härteste Prüfung stand jetzt bevor. Der Mortirolo mit seinen 18 Prozent steilen Rampen, und das mitten in der Nacht, gefolgt vom moderaten Apricapass. Entspannend war die Abfahrt nach Tirano, wo dann Martin Häuselmann mit seinem Rennrad und das Support-Team 2 mit Jolanda Hüsser wartete, um Reto zum zweiten Mal auf die Bernina zu begleiten.
Die Wärme, der Verkehr und die schiere Länge der Strecke mit 37 Kilometer und 1’900 Höhenmeter Aufstieg setzten jetzt nun richtig zu. Nach einer rasanten Abfahrt, bei der sich der Göttibub Silvan dazugesellte, erreichte die Gruppe Zernez. Der Schlafentzug machte sich nach 24 Stunden nonstop bemerkbar. Der Ofenpass wurde seinem Namen mit Temperaturen über 30 Grad gerecht. Das Team 2 versuchte nun, Reto mit kühlen Getränken, Riegel, Gels und Snacks bei Laune zu halten. Der Magen spielte langsam verrückt und konnte die Mengen an Kohlenhydrate kaum verdauen. Und das war alles andere als förderlich für die Leistung der Muskulatur. Trotz allem kam Reto recht gut voran. Einige Fahrer hatten nun bereits aufgegeben. Zwei der letzten drei «Brecher», der Umbrail und der Schlussaufstieg auf den Stelvio, waren nun noch zu bewältigen, bevor es auf die Abfahrt nach Prad ging. Die 48 Kehren wurden von Reto und Silvan zügig gefahren, und der Fokus lag nun darauf, keine Murmeltiere anzufahren und einen Sturz zu vermeiden.
Die letzten 35 Kilometer über den Reschenpass mit seinen 600 Höhenmetern stellten im Prinzip keine Herausforderung mehr dar, ausser als der Gegenwind tobte. Wir mussten die letzten Kräfte mobilisieren, um das Limit von 32 Stunden zu unterbieten. Nach 31 Stunden und 44 Minuten überquerte Reto mit 536 Kilometer und 13’227 Höhenmeter, nonstop gefahren, die Ziellinie in Nauders als Zwanzigster. Ein Abenteuer, nur möglich durch gute Fitness, absolute Willensstärke und einen perfekten Support.
Reto Stuber

