Das Kulturhaus Küngsmatt: ein Gebäude, das die Menschen zusammen bringt
13.12.2024 SinsDie Bauherren Gewünscht war ein solches Haus schon seit vielen Jahren – ein richtiges Kulturhaus für die Anlässe der Gemeinde, der Kirche und der Vereine. Im Zuge der Neugestaltung des Gebietes Ammannsmatt-Küngsmatt wurde bereits 2008 ein Gebäude dieser Art ...
Die Bauherren Gewünscht war ein solches Haus schon seit vielen Jahren – ein richtiges Kulturhaus für die Anlässe der Gemeinde, der Kirche und der Vereine. Im Zuge der Neugestaltung des Gebietes Ammannsmatt-Küngsmatt wurde bereits 2008 ein Gebäude dieser Art projektiert.
IRIS CAGLIONI
Dank der guten Zusammenarbeit zwischen der politischen Gemeinde und der Kirchgemeinde konnte das Kulturhaus gebaut werden. Die Bauzeit war von Beginn weg sportlich geplant. Am 13. Juni 2023 erfolgte der Spatenstich. Viel ist in den rund eineinhalb Jahren geschehen. Josef Villiger, Verantwortlicher für die Bauten der Kirchgemeinde, und Josef Huwiler, Gemeindeammann von Sins, gaben Auskunft.
Was ist seit dem Spatenstich geschehen?
Josef Villiger: Sehr viel. Das ganze Gebäude wurde erstellt. Von aussen sah unser Kulturhaus schon länger fertig aus, doch da war immer noch der Innenausbau am Laufen. Bis zum Termin des ersten Anlasses, der Gemeindeversammlung vom 27. November, wurde noch fleissig ausgebaut. Ausser dem Kino waren zum Zeitpunkt der Gemeindeversammlung alle Räumlichkeiten mehr oder weniger fertig.
Bestanden nie Zweifel, dass die Termine eingehalten werden können?
Josef Huwiler: Nein. Wenn alles gut koordiniert ist, dann ist ein solcher Bau nach eineinhalb Jahren bezugsbereit. Natürlich musste so manches Puzzleteil zum anderen passen, bis alles fertig ist. Anfänglich hatten wir Probleme mit dem Wetter und den Bauvergaben. Der viele Regen verzögerte den Aushub, aber das gute Wetter beim Aufrichten hat den Rückstand wieder wettgemacht. Im Zeitplan waren aber Verzögerungen mit einkalkuliert.
Villiger: Es war immer genug Zeit, damit alles auch richtig trocknen konnte. Da nahmen wir Feuchtigkeitsmessungen vor. Es konnte vorkommen, dass wir eine oder zwei Wochen warten mussten, bis der nächste Teil obendraufgepackt werden konnte. Das war die grosse Herausforderung, auch für die Bauleitung, denn die mussten je nachdem die Termine mit den Handwerkern etwas schieben.
Huwiler: Unsere Bauleitung hat das sehr gut koordiniert. Die Umgebungsarbeiten werden im kommenden Frühling abgeschlossen sein. Das gute Zusammenspiel zwischen Kirchgemeinde und politischer Gemeinde so wie auch mit den verschiedensten Unternehmen führte zu einem reibungslosen Bau. Es gab bis zum Schluss immer noch so einiges zu erledigen. Aber zeitlich waren wir immer auf Kurs.
Der Küngsmattsaal wurde bereits mehrfach benutzt. Wie sieht es mit den anderen Räumen aus?
Huwiler: Ja, am 27. November fand die Gemeindeversammlung als offiziell erster Anlass im neuen grossen Saal statt. Zwei Tage später die Kirchgemeindeversammlung. Der erste Grossanlass eines Vereins fand am letzten Wochenende statt. Die Schweizer Meisterschaft Vereinsturnen Jugend unter der Organisation des Turnvereins führte den Galaabend im Saal durch. Mit diesen Anlässen sollte der Kultursaal die Feuertaufe bestanden haben. Per heute ist er bereits weit über 30-mal reserviert.
Villiger: Alle Räumlichkeiten, die buchbar sind, sind ausgestattet und können ab Dezember genutzt werden. Alle Reservationen laufen über die Gemeindekanzlei, so wie die Reservationen sämtlicher Räume der Gemeinde Sins. Auch im Kulturhaus gelten die gleichen Regelungen wie bei den anderen gemeindeeigenen Lokalen.
Wie nutzt die politische Gemeinde den Bau? Und wie die Kirchgemeinde?
Huwiler: Wir werden natürlich alle Gemeindeversammlungen und viele weitere öffentlliche Anlässe, auch seitens der Schule, im Saal abhalten. Dann sind im oberen Stock die Bibliothek und die Ludothek. Die weiteren drei Räume im Obergeschoss werden von Gemeinde und Kirchgemeinde multifunktional genutzt. Sie ersetzen auch die Räumlichkeiten des Pfrundhauses, die ab dem 1. Januar nicht mehr zur Verfügung stehen.
Villiger: Wir dürfen nun auch in einem wunderbaren Saal unsere Kirchgemeindeversammlungen abhalten. Dann verfügen wir nun über einen geschützten Platz für Apéros nach Erstkommunionen, Firmungen oder Hochzeiten. Dann stellen wir fest, dass immer häufiger die Nachfrage für einen Platz für ausgedehnten Apéro nach einer Abdankung gesucht wird. Diesen haben wir nun hier im Kulturhaus.
Wann wird es eine Einweihungsfeier geben?
Huwiler: Am 14. Juni soll es eine schlichte Feier geben mit einem Tag der offenen Türe. So können sich die Besucher umsehen und alle Räumlichkeiten besichtigen. Auch die Umgebungsarbeiten sollen dann abgeschlossen sein. Das heisst, die Kirchstrasse, die Parkplätze, die Bepflanzungen rund um unser Kulturhaus.
Was muss noch getan werden?
Huwiler: Rund um das neue Kulturhaus sind noch verschiedene Arbeiten fertigzustellen, die ab Neujahr angegangen werden.
Im Detail heisst das für die Kirchstrasse: zur Eröffnung konnte der Rohbelag eingebaut werden. Der Oberflächenbelag wird witterungsbedingt erst im Frühling 2025 eingebaut.
Die Umgebungsgestaltung beinhaltet: Seitens der Kirchstrasse werden Sitzgelegenheiten erstellt, Bäume gepflanzt und ein Brunnen gesetzt. Gleichzeitig wird die Umgebung unter dem Haus inklusive Parkplatz und Fussweg fertiggestellt. Dieser Fussweg führt über die jetzigen Parkplätze des Kirchenrains hoch, über eine neue Treppe zum Parkplatz der Gemeinde und weiter zum Kulturhaus. Dies bedeutet, dass die Parkplätze am Kirchenrain aufgehoben werden.
Bibliothek und Ludothek
Die Öffnungszeiten beider Institutionen sind identisch. Ab dem 7. Januar 2025 sind sie jeweils offen am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag von 15 bis 18 Uhr und am Samstag von 9.30 bis 11.30 Uhr.
In den Schulferien ist am Dienstag und am Samstag geöffnet.
Sie benötigen einen Raum? So gehen Sie vor:
Auf der Homepage der Gemeinde Sins unter der Rubrik «Raumreservationen» sind sämtliche möglichen Räume, die der Gemeinde untergeordnet sind, aufgelistet.
Im Kulturhaus Küngsmatt können folgende Räume reserviert werden: der Küngsmattssal, der Proberaum, der Mehrzweckraum, das Sitzungszimmer, das Foyer im Erdgeschoss inklusive WC, die Küche inklusiv Geschirr, die Aussenanlage und die Bühne.
Diese Räume können direkt online reserviert werden. Ortsansässige Vereine dürfen die Räumlichkeiten kostenlos nutzen, genauso wie alle anderen reservierbaren Räume, welche von der Gemeinde Sins verwaltet werden.
Andere Organisationen oder einheimische Private können die Räumlichkeiten zum Beispiel für Trauungen oder Abdankungen mieten. Weitere Infos können bei der Gemeindeverwaltung eingeholt werden.
Kulturhaus Küngsmatt – Bericht des Architekten
Das Konzept des neuen Kulturhauses Küngsmatt mit den drei Nutzungsbereichen, Saal, Bibliothek/Proberäume und Kino entspricht städtebaulich weitgehend der zweiten Etappe des Wettbewerbsprojekts aus dem Jahre 2008 für die Neugestaltung des Gebietes Ammannsmatt-Küngsmatt.
Zusammen mit den bestehenden Bauten, dem Gemeindehaus, der Kirche und der Schule, entstand mit dem Neubau ein räumlich gefasster, öffentlicher Ort – ein neuer Treffpunkt für Sins – ein neuer Dorfplatz.
Das Kulturhaus ist etwas von der Strasse zurückgeschoben angeordnet, dadurch wird einerseits das denkmalgeschützte Gemeindehaus freigespielt und andererseits entstand ein platzartiger Vorbereich zwischen dem Kulturhaus, dem kleinen Park der Schulanlage und dem Pfarrhaus. Aus Rücksichtnahme auf das Gemeindehaus wurde auf eine möglichst niedrige Bauweise und eine zurückhaltende Gestaltung geachtet.
Aussenraum
Im Wesentlichen bestehen die aussenräumlichen Eingriffe aus dem neuen Platzbereich vor dem Kulturhaus sowie aus dem grossen Grünbereich mit der neuen Parkierungsanlage zur Bremgartenstrasse. Verbindendes Element der beiden Bereiche sind die ovalen Gestaltungselemente als Analogie zur Topografie.
Die nun platzartige Kirchstrasse ist unter anderem durch diverse Gestaltungselemente, die Bepflanzung und den eingefärbten Asphaltbelag zu einer attraktiven Begegnungszone geworden. In die locker mit Bäumen durchsetzte Blumenwiese wurden die gut 40 neuen Parkplätze diskret integriert, ohne dabei die Küngsmattstrasse zu belasten.
Organisation
Aufgrund der für den grossen Raumbedarf knappen Platzverhältnisse und den Anforderungen des Veranstaltungssaales hatte sich das zweiteilige Grundrisslayout mit einem grossen Hauptnutzungsbereich und dem südlichen Kopfbau mit vertikaler Erschliessung und dienenden Räumen ergeben. Das dreiteilige Raumprogramm wurde vertikal in horizontalen Schichten logisch umgesetzt: Saal im Erdgeschoss, Bibliothek/Proberäume im Obergeschoss und Kino im Untergeschoss.
Die Haupterschliessung erfolgt direkt vom neuen Platz über den gedeckten Eingangsbereich aus. Vom gemeinsamen Windfang her verläuft die Erschliessung der drei Hauptbereiche getrennt: das Foyer des Saales unmittelbar, die Bibliotheks- und Proberäume über die Treppe nach oben, das Kino Cinepol intern über die Treppe nach unten. Der Haupteingang zum Kino erfolgt aus Gründen der Entflechtung primär über den separaten Zugang von Süden. Auf der Ostseite, ein Geschoss tiefer, sind ebenerdige Notausgänge des Kinos und der unabhängige Zugang zum Lagerraum der Jungwacht angeordnet.
Der Saal mit ungefähr 300 Sitzplätzen ist sowohl mit dem Foyer als auch mit dem gedeckten Aussenbereich räumlich verbunden, was unterschiedliche Nutzungsszenarien ermöglicht. Eine festinstallierte Bühne mit Stuhlmagazin und zeitgemässer Bühnenund Saaltechnik bietet optimale Voraussetzungen für ein breites Spektrum von Veranstaltungen. Eine Aufwärmküche mit Kochmöglichkeiten und entsprechende Lagerräume ergänzen das multifunktionale Saalkonzept sinnvoll.
Über dem Saal liegen Bibliothek, Ludothek sowie Probe- und Mehrzweckräume an einem Korridorbereich mit Foyer. Im überhohen Bereich unter dem Saal baute Kino Cinepol im Mieterausbau vier verschieden grosse Kinosäle mit gesamthaft über 300 Sitzplätzen ein.
Konstruktion, Ausdruck
Das Untergeschoss und der südliche Infrastrukturtrakt wurden konventionell als Massivbau erstellt. Der Saalbereich ist eine Hybridkonstruktion mit Stützen und Plattenbalkendecke in Beton sowie Wänden in Holzbauweise. Das Obergeschoss wurde ganz aus Holz konstruiert. Die hochisolierende Gebäudehülle in Holzbauweise ergänzt die Grundkonstruktion.
Die Fassaden sind mit einer lasierten, vertikalen Holzschalung verkleidet. Schmale horizontale Metallbänder gliedern diese vertikal. Die nutzugsspezifische Befensterung transformiert die verschiedenen Nutzungsarten nach aussen. Die Materialien im Inneren sind spezifisch auf die verschiedenen Nutzungen abgestimmt. Dabei wurde auf unterschiedliche, kontrastierende Raumstimmungen wie dem festlichen Ausdruck des Saales oder dem eher nüchternen des Treppenhauses Wert gelegt.
Ökonomie, Ökologie, Haustechnik
Die kompakte und gleichzeitig flexible Gebäudestruktur war die Grundvoraussetzung für eine kostengünstige Realisierung des Baues mit kleinem Ressourcenaufwand. Die optimal funktionale Organisation des Kulturhauses garantiert darüber hinaus einen wirtschaftlichen und flexiblen Betrieb auch in Zukunft.
Mit der Material- und Konstruktionswahl waren die baulichen Voraussetzungen für einen minimalen Ressourcenaufwand für den Bau gegeben und begünstigen den ressourcenschonenden Betrieb des Kulturhauses. Allein durch den Holzbau konnten total 145 Tonnen CO₂ eingespart werden.
Nach neuesten energetischen Standards wird die Wärmeenergie über Erdsonden mit einer Wärmepumpe erzeugt. Alle Räume sind mit einer modernen Lüftung ausgerüstet, und die Photovoltaikanlage auf dem Dach ergänzt das zeitgemässe Haustechnikkonzept.
Stefan Häuselmann, Baden 7. November 2024
Kulturbühnen in Sins : Wandel an Angebot und Nachfrage
Kulturstätten Mit dem Wachstum der Gemeinde und im Wandel der Zeit wurden die Bedürfnisse an Raum für kulturelle Anlässe grösser. Die Gemeinde hat den Bedürfnissen der Bevölkerung Rechnung getragen und mit zeitgemässen Bauten gehandelt – der jüngste ist das Kulturhaus Küngsmatt.
IRIS CAGLIONI
Die Einhornbühne früher und heute
Als Kulturbühne in Sins gilt und galt schon immer die Bühne des Einhornsaals. Bereits vor 162 Jahren wurde im «Saale zum Einhorn» konzertiert.
Historischen Aufzeichnungen zufolge wurde das Haus am Dorfplatz 1832 erbaut. Es wurde in zwei Wirtschaften aufgeteilt. Im östlichen Teil war es «das Gasthaus zum Einhorn» und im westlichen die «Wirtschaft zur Gerbe». Historischen Dokumenten zufolge konzertierte das Sinser Orchester bereits 1862 auf der Bühne im Einhornsaal.
Der durch den Wirt betriebene Saal wurde vielseitig genutzt, gleichsam die Bühne. Von 1945 bis 1970, also 25 Jahre lang, diente die Bühne im Einhornsaal zum Beispiel dem Jodlerclub Heimelig für seine Jahreskonzerte mit Theateraufführungen. «Da mussten wir jeweils aussen ums Haus herum laufen, um von hinten auf die Bühne zu kommen», erinnert sich Margrith Arnold, langjähriges Mitglied der Theatergruppe. «Und der Holzboden hinterliess auch so manchen Splitter unter der Haut.» Der Saal und die Bühne wurde Jahrzehnte lang genutzt für alle kulturellen Ereignisse, sei es für grosse Feste wie Hochzeiten, Taufen oder Leichenmahle, Vereinsanlässe wie diejenigen der Jodler. Dann wurde es ruhiger im Saal. Grossanlässe wurden in die Turnhalle verlegt.
Zeitsprung in die 90er Jahre
Wirtin Theres Staufer war im «Gasthaus zum Einhorn» am Zepter, als drei energie-geladene Sinser Männer etwas wagten.1991 gründeten Stefano Florida, Jules Bittel und Gerry von Flüe den Verein «d’Seiser Kurve» und setzten damit ein weiteres Zeichen für Kultur im Dorf. «Plötzlich erinnerten sich die Leute wieder daran, dass es noch einen weiteren ansprechenden Saal mit Bühne im Dorf gab, nicht nur die Turnhalle», erzählt Florida.
Es bedurfte anfänglich technischer Ergänzungen und etwas Farbe, Isolation des Bühnenbereichs und Strom. Ansonsten blieb der Saal wie er war. Lesungen, Vernissagen, klassische bis rockige Konzerte, Kleintheater oder Kabarett konnte darin stattfinden. Auch heute ist das «Horn», wie es liebevoll von der Bevölkerung genannt wird, ein Kulturtempel der ganz besonderen Art und Bühne von «d’Seiser Kurve».
Vorgänger des Pfrundhauses
Einer der kleinsten Kultursäle von Sins fand sich im Wöschhüsli im heutigen Obergeschoss. Gemeindeschreiber Marcel Villiger berichtet, dass darin Anfang der 70er Jahre zum Beispiel der Frauenbundnachmittag abgehalten wurde. «Im Februar, bei Kälte, da sassen 50 Frauen am Tisch zu Kaffee und Kuchen, und wir Kinder hatten den Auftrag, dort den Frauen vorzusingen, um sie zu unterhalten. Das sind gemeindekulturelle Geschichten.»
Die erste Turnhalle im Dorf
1959 wurde sie erbaut, und sie galt als die grossartigste Sache der Region. Mit dieser neuen Halle eröffneten sich plötzlich Möglichkeiten, die vorher nicht gegeben waren. Die Schule erhielt eine Turnhalle für den Schulsport, und für die Vereine war sie der Veranstaltungsort schlechthin – auch wenn anfänglich daran gezweifelt wurde, ob die Halle auch gefüllt werden könnte. 40 Jahre lang stellte sie das Hauptzentrum für grössere Vereinstätigkeiten mit Bühnenaktivitäten dar. Von 1971 bis 2011 hielt der Jodlerclub Heimelig sein Konzert mit Theater denn auch auf dieser Bühne. Grossartig waren auch die Turnerabende mit sportlichen Darbietungen und Theateraufführungen. Die Stufenbarrendarbietungen auf der Bühne waren genauso spannend zu verfolgen wie die Trampolin-Show der Jumpers oder die Tänze der Männerriege. Da wurde bei Bedarf auch mal eine zusätzliche Reihe Tische hineingepackt.
Gemeindeschreiber Villiger, selbst langjähriges Vereinsmitglied der Musikgesellschaft Sins, meint: «Alles fand in dieser Halle statt. Politische und Vereinsversammlungen, Schulanlässe, Fasnachtsbälle. Ich erinnere mich sogar, dass Gottesdienste darin abgehalten wurden, als die Kirche renoviert wurde.» Jeder durfte die Halle nutzen. Für ortsansässige Vereine war die Nutzung kostenlos, für Anlässe wie Generalversammlungen von Grossbanken wurde die Halle vermietet.
Nicht nur die grossen Vereine wie die Musikgesellschaft, der Jodlerclub oder der Männerchor benötigten die Halle. In den zwei Jahrzehnten nach der Eröffnung wurden etliche Vereine gegründet, die Veranstaltungsorte brauchten.
Ein Beispiel dafür waren die sieben Jugendlichen von Rhythm Stick, die die Rockmusik ins Dorf brachten. 1979 gliederten sie sich dem Verein Kreativ 77 an und organisierten rund zehn Jahre lang Discoabende und Konzertanlässe in der Turnhalle. Das waren über das Jahr verteilt bis zu zehn Anlässe. Die Disco war ein Schwitzkeller und fand im «Schluuch», im Untergeschoss der Turnhalle, statt. Als Veranstalter aber organisierten sie Konzerte mit Schweizer Rockgrössen wie NH3, Crown, Trampolin oder Steve Whitney.
Fasnacht in Sins – ein Kapitel für sich
1971 wurde der Sinser KIFASI-Umzug zum ersten Mal abgehalten. Da beschlossen einige Fasnachtsverrückte aus Alikon, den Umzug musikalisch zu begleiten und dann auch noch Auftritte in diversen Restaurants abzuhalten – der Grundstein für die Rüüsstalschränzer war gelegt, und ab 1973 war dies der offizielle Name der ersten Sinser Guggenmusik. 1980 fand am 15. Februar der erste Schränzerball im Einhornsaal statt. Erst 1986 durften die Schränzer den Ball nach vielen Gesprächen mit den Behörden in der Ammannsmatthalle durchführen. Noch hatten die Schränzer selbst Bedenken, die Halle zu füllen – man bedenke, dass sie heute die Dreifachhalle problemlos füllen! Darum verkleinerten sie die Turnhalle mit Trennwänden und bauten sogar eine Bar hinein.
Im Laufe der Jahre wurde der Andrang der Fasnachtsbegeisterten immer grösser. 1989 wurde erstmals das Untergeschoss mit einbezogen, die Bar eingebaut, und in späteren Jahren wurde das Fasnachtsgelände mit Zelten ausgebaut.
Dreifachhalle Ammannsmatt
Mit der Realisierung der modernen Dreifachturnhalle entstand wieder viel Raum für die Sportvereine und für kulturelle Anlässe. 2012 wurde sie feierlich mit einem grossen kulturellen Angebot über mehrere Tage eingeweiht. Auf ihrer Bühne fanden Schulanlässe, Theaterdarbietungen und Musikkonzerte wie in ihrer Vorgängerin statt. Es konnten aber doppelt so viele Zuschauer darin untergebracht werden.
Für Sportanlässe und Grossversammlungen ist die Halle optimal, dafür wird sie auch in Zukunft immer genutzt werden. Akustisch für Gesang und Musik jedoch eignete sie sich eher weniger. Mit dem Kulturhaus Küngsmatt wird nun auch diesem Aspekt Rechnung getragen, und die Vereine haben nun eine Auswahl an Raum mehr.
Die Aula im Lettenschulhaus
Als Probenraum dient sie seit Jahren ortsansässigen Vereinen, so zum Beispiel dem Orchesterverein oder der Musikgesellschaft. Auch werden Musikschulkonzerte und andere schulische Anlässe durchgeführt. Als Veranstaltungsort wird sie nur punktuell und in Ausnahmen vergeben.
Heute stehen folgende Säle mit Bühne für Veranstaltungen zur Verfügung
Der Saal im Gasthaus Einhorn Mexicano kann mit Bankettbestuhlung rund 120 Personen aufnehmen. Die Dreifachhalle Ammannsmatt wurde mit Tischen und Stühlen für bis zu 700 Personen ausgestattet, und der Küngsmattsaal hat Tische und Stühle für 288 Personen.
Zum Vergleich: In der alten Ammannsmatthalle wurde Bankettbestuhlung bis 350 Personen zugelassen, obwohl sie einen Meter schmäler war als der heutige Küngsmattsaal. Gemeindeammann Huwiler meinte dazu: «Während der Fasnachtszeit war die Turnhalle immer extrem ausgelastet – feuerpolizeilich wäre das heute nicht mehr denkbar.»
CINEPOL Das neue Kino im Kulturhaus Küngsmatt
Kino Im ersten und zweiten Untergeschoss des Kulturhauses findet das Cinepol seinen neuen Standort. Inhaber Bruno Arnold realisiert hier ein hochmodernes Kino mit vier unterschiedlich grossen Sälen.
IRIS CAGLIONI
Der Eingangsbereich ist grosszügig gehalten und gibt genügend Raum, sich vor dem Film zu treffen, damit der Kinobesuch zum Erlebnis wird. Das moderne und energieeffiziente Kino bewegt sich im Bereich Green-Cinema. Das Ziel ist es, jederzeit ein Wohlfühlklima von 23 Grad auf jedem Sitzplatz zu erreichen. Dafür will Arnold so wenig wie möglich externe Heizleistung beziehen. Genutzt wird die Abwärme der Projektoren.
Noch sieht es nicht gemütlich aus. «Heute kann ich noch nicht mehr sagen als im Sommer, als der Rohbau besichtigt werden konnte. Wir sind immer noch am Innenausbau», berichtet Arnold auf der Baustelle. Er wird an seinem bisherigen Standort bis Ende Februar den Betrieb aufrechterhalten. «Dann wird dort abgebaut und in das Kulturhaus gezügelt. Wir eröffnen hier im Kulturhaus, wenn wir fertig sind.» Arnold geht davon aus, dass dies im März sein wird, und betont, dass es für ihn keine Verspätung bedeutet, auch wenn der Rest des Hauses bereits eröffnet ist. «Sobald wir eröffnen, freuen wir uns, unseren Kunden das Neueste zu bieten, was die Kinobranche zu bieten hat.»
Doch was bietet das neue Kino?
Das neue Kino wird auf rund 650 Quadratmeter Fläche vier Kinosäle mit Grössen von 48 bis 130 Sitzplätzen sowie ein einladendes und grosszügiges Foyer beherbergen. Einen sehr hohen Stellenwert bei Arnold hat der Komfort für seine Kunden. Dieser Komfort beginnt bereits vor dem eigentlichen Kinobesuch, denn mit dem neuen Kassensystem können die Kunden bequem ihr Ticket digital beziehen und bezahlen. An der Kinokasse müssen diese Tickets kurz gescannt werden – fertig. Weiter legt Arnold Wert auf bequeme Sofas im Foyer-Bereich. Hier hat er rund 60 Sitzplätze geplant. In den Sälen werden weiche Teppiche verlegt und bequeme Sitze montiert.
Komfort für Augen und Ohren bietet die neue Toneinheit. Zudem wird der grösste Saal mit einem Atmos-Sound-System ausgestattet werden. «Ob das auf den Start hin in Betrieb genommen werden kann, werden wir noch sehen. Auf jeden Fall ist alles dafür vorbereitet», so Arnold. Ein anderer Saal wird mit 3D-Technik ausgestattet sein.
Komfort für die heissen Sommerabende bietet das Openair-Kino. Auf der Wiese wird die Neuausrichtung des «Broggekinos» stattfinden. Als Silent-Cinema entsteht kaum Umgebungslärm. Die dafür benötigten Kopfhörer und Liegestühle hat Arnold bereits organisiert. Ein Besuch mit Kinogenuss unter freiem Himmel lohnt sich.
Knabbern gehört zum Kinobesuch
Neu werden nebst süssem und salzigem Popcorn auch Nachos angeboten. An der neuen Candybar können Süssigkeiten aller Art von den Kunden selbst zusammengestellt werden, und an der Kinobar gibt es weiterhin Getränke und Glaces zu kaufen.



















