Bunte Laternen und Räbeliechtli
08.11.2024 DietwilAufgeregte Kinder, entzückte Mütter und stolze Väter prägten die Szene anlässlich der Vorbereitungen am Dienstagabend zum traditionellen Liechtliumzug in Dietwil.
HANS-PETER SCHWEIZER
Der Herbst hat längst Einzug gehalten, und ...
Aufgeregte Kinder, entzückte Mütter und stolze Väter prägten die Szene anlässlich der Vorbereitungen am Dienstagabend zum traditionellen Liechtliumzug in Dietwil.
HANS-PETER SCHWEIZER
Der Herbst hat längst Einzug gehalten, und somit sind auch landauf und landab die bunten Lichterumzüge wieder zu bestaunen. Jahr für Jahr bringt diese Schweizer Tradition Kinderaugen zum Leuchten und Eltern zum Schwärmen. Der Räbeliechtli-Umzug ist heute vor allem ein Brauch für Kinder. In früheren Zeiten war es aber ein Volksfest zum Ende der Erntezeit. Am letzten Dienstag war es auch in Dietwil wieder Zeit für den farbenfrohen Umzug durch das Dorf. Auch in diesem Jahr fand der Anlass grossen Gefallen bei einem stattlichen Aufmarsch von Einheimischen wie auch Zugereisten. Der von den Lehrpersonen der Schule Dietwil liebevoll organisierte Umzug begeisterte durch die Originalität der Sujets auf den Räbeliechtli wie auch der selbsthergestellten bunten Lampions aus Karton und Papier. Eine Freude war es für Jung und Alt zuzusehen, wie die kleinen Mädchen und Jungs zusammen um die Wette strahlten. Was in den Anfängen als Räbeliechtli-Umzug für die Kleinsten begann, hat sich mit der Zeit zu einem grossen Zug Oberfreiamtanzeiger 68x30mm
Neu ab 01/2020 von interessierten Kindern bis in die höheren Klassen erweitert. Um möglichst abwechslungsreiche Sujets auf den Räben abzubilden, kamen unter anderem verschiedene Ausstechformen für Weihnachtsguetzli zum Einsatz.
Laterne oder Räbeliechtli
Die Kindergärten und die 2. Klasse hätten Laternen gebastelt, ist von Rita Schumacher von der Schule Dietwil zu erfahren. Schumacher weiter: «Weil Räben schnell schrumplig werden, haben die erste, dritte und vierte Klasse heute Morgen fleissig Räben geschnitzt, während die 5.- und 6.-Klässler den Kürbissen das ‹süsse Grinsen› per Messer beibrachten». Um punkt 18.15 Uhr starteten die 125 Kinder mit ihren Lichtern in die Dunkelheit. Begleitet von 14 Lehrpersonen wanderten die Kindergärtler, Schülerinnen und Schüler singend durch die anbrechende Nacht. Das diesjährige Repertoire umfasste die drei Lieder «Räbeliechtli», «Näbellied» und «Die Blätter werden bunter». Nach der Rückkehr auf dem Schulhausplatz erwartete die Teilnehmer und Zuschauer ein kurzes Konzert und selbstverständlich eine kleine Belohnung in Form einer kleinen Verpflegung. Damit war der offizielle Teil abgeschlossen. Die Kinder wurden wieder in die Obhut der Eltern übergeben. Mit brennenden Räbeliechtli, ein Wienerli in der linken und Tee in der rechten Hand, wurde anschliessend unter Kinder wie auch Eltern ausgiebig diskutiert, um so den schönen Abend in Harmonie abzuschliessen. Ein grosses Kompliment gebührt den Lehrerinnen und Lehrern, welche sich alle Jahre wieder etwas Neues einfallen lassen, um mit begeisterten und disziplinierten Schülern der Gemeinde eine Freude zu bereiten. Auch die Schulleiterin Sibylle Mahler war des Lobes voll über den vorbildlichen Einsatz ihrer «Schulhaustruppe» und freute sich, wie alle Umzugsbesucher, bereits auf nächsten November.
Der Ursprung des Brauches
Die Herkunft des Räbeliechtli-Kults ist nicht eindeutig. Fest steht aber, dass bereits die Römer und Kelten Herbstrüben geschnitzt und als Lichter benutzt hätten.
Es wurden auch grimmige Gesichter in die Räben geschnitten, um die Geister der Toten zu vertreiben. Im Mittelalter gehörten Räben zu den Grundnahrungsmitteln. Umso mehr Räben die Bauern ernten konnten, umso sicherer war die Lebensmittelversorgung in der Winterzeit. Die Bauern feierten als Dank für die gute Ernte einen Gottesdienst und veranstalteten ein Volksfest. Die Bäuerinnen seien zum Gottesdienst und Fest mit Räbeliechtli vom Berg hinab ins Tal gestiegen. Die Räbeliechtli hätten ihnen den Weg zur Kirche erleuchtet. Mit der Verbreitung der Kartoffel verlor die Ackerrübe als Nahrungsmittel an Bedeutung. Beim Räbeliechtli Auskratzen gibt es allerdings
Abfälle. Entsorgen sollte man diese nicht. Denn aus den vielen kleinen Schnitzen kann ein leckeres «Räbemus» gekocht werden. Während beim Kürbis Schnitzen erst die sogenannte «Drecksarbeit» – das Aushöhlen, das jede Küche in ein Fruchtfleisch-Massaker verwandelt – verrichtet wird, ist es beim Räbeliechtli Schnitzen genau umgekehrt: Zuerst die Schnitzereien, erst danach aushöhlen. Dann bricht die dünne Wand sicher nicht. Ein Drittklässler erklärte das folgendermassen: «Wenn du zuerst aushöhlst und danach schnitzt, dann bricht sicher die Wand und du kannst die Räbe sogleich in den Kochtopf werfen»!




