Brandschutzkonzepte zur bevorstehenden Fasnacht
16.01.2026 RegionNach der gravierenden Brandkatastrophe im Wallis und im Hinblick auf die bevorstehende Fasnacht mit ihren Bällen, den Masken und den Hallendekorationen drängt sich folgende Frage auf: Wie gehen heute die Veranstalter an das Sicherheitskonzept heran?
IRIS ...
Nach der gravierenden Brandkatastrophe im Wallis und im Hinblick auf die bevorstehende Fasnacht mit ihren Bällen, den Masken und den Hallendekorationen drängt sich folgende Frage auf: Wie gehen heute die Veranstalter an das Sicherheitskonzept heran?
IRIS CAGLIONI
Alle Veranstalter von Fasnachtsbällen in den umliegenden Gemeinden wurden angefragt. Die Konfettipfuser von Auw, die Schränzer von Sins und die Rattenschwänze von Oberrüti nahmen zu den Fragen Stellung. In unterschiedlichen Worten zeigten sie alle ihre Bestürzung und informierten ausführlich:
Oberrüti, Stellungnahme des OK-Präsidenten Silas Leu
Wir vom Mugumu-OK haben uns in der Folge des Brandunglücks Gedanken gemacht ob bei unserem Ball so etwas auch passieren könnte und ob wir etwas ändern müssen. Wir sind zum Schluss gekommen, dass wir die nötigen Vorkehrungen bereits getroffen haben, um das Risiko eines solchen Vorfalles zu minimieren.
Unser Sicherheits- und Brandschutzkonzept überarbeiteten wir letztes Jahr umfassend, dafür hatten wir mit einem Brandschutzexperten der Aargauischen Gebäudeversicherung (AGV) vor Ort in Oberrüti eine Begehung des Geländes gemacht und uns so versichert, dass unser Ball konform ist. Dieses Konzept wird jährlich der AGV zur Bewilligung vorgelegt.
Sins, Stellungnahme des Präsidenten Luca Rüttimann
Wir haben uns intensiv mit der Frage auseinandergesetzt, ob und wie das Risiko eines solchen Vorfalls am Schränzerball weiter minimiert werden kann. Der Bauchef und ich haben das bestehende Sicherheits- und Dekorationskonzept erneut kritisch überprüft und mögliche Optimierungen evaluiert.
Die Dekoration wird wie in den Vorjahren umgesetzt und ist so konzipiert, dass sie keine sicherheitsrelevanten Risiken darstellt. Es werden keine schweren, hängenden oder statisch kritischen Elemente eingesetzt. Sämtliche Materialien entsprechen den geltenden brandschutztechnischen Vorgaben. Bei Bedarf werden frühzeitig Anpassungen vorgenommen, um die Sicherheit der Besucherinnen und Besucher jederzeit zu gewährleisten. Für den Schränzerball besteht ein umfassendes Sicherheitskonzept, welches sämtliche Vorgaben und Auflagen des Kantons Aargau sowie der zuständigen Behörden erfüllt.
Auw, Stellungnahme des Präsidenten André Kurmann
Wir mussten keine direkten Änderungen vornehmen, erwarten aber, dass uns die zuständigen Behörden noch genauer kontrollieren werden.
Das Mehrzweckgebäude befindet sich, abgesehen von Nebenräumen, im Erdgeschoss, was eine Evakuation massiv erleichtert. Die Dekoration wird wie bei jedem Ball durch eine amtliche und fachkundige Person vor dem Ball geprüft. Wir achten bereits bei der Wahl der Dekoration auf die Feuerfestigkeit. Die vorgängige Brandschutzkontrolle ist streng, aber nach derart traurigen Ereignissen wird einem die Notwendigkeit wieder vor Augen geführt. Wir haben auf Verlangen der Gemeinde Auw bereits im Herbst ein umfassendes Sicherheitskonzept in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr Auw und der Regionalpolizei Muri erstellt. Das Sicherheitskonzept beinhaltet folgende Schwerpunkte: Sicherheitskonzept, Verkehrskonzept und Evakuationskonzept. Dabei werden verschiedenste Themen behandelt: Jugendschutz, Brandfall, Elementarereignis, Stromunterbruch, Schlechtwetter, Sanität, Sicherheitsdienst, Parkplätze.
Kantonale Vorgaben
Die Vorgaben und Auflagen des Kantons Aargau sowie der zuständigen Behörden werden von den drei informierenden Guggenmusigen eingehalten. So sind in jeder Bar Feuerlöscher platziert, die regionalen Feuerwehren führen die Brandwache aus. Die Besucherzahl würde strikt eingehalten, meinten alle drei Ballverantwortlichen.
Ebenso einheitlich halten sie es bei den brennbaren Materialen. Die mittelund leichtbrennbaren Materialien werden entsprechend behandelt und auf die Klassifizierung RF2, also schwer brennbar, gebracht. Ebenso achten die Verantwortlichen sehr auf die Freihaltung und die gute Kennzeichnung der Fluchtwege.
Was meinen die Kommandanten der regionalen Feuerwehren?
Kommandant Andrin Hunkeler, Sins-Abtwil informierte, dass die aktuelle Praxis vorsieht, dass Veranstaltungen mit mehr als 1’000 Personen eine feuerpolizeiliche Abnahme benötigen. «An den Veranstaltungen selbst sind zwei Personen der Feuerwehr als Brandwache aktiv.» Diese patrouillieren und stellen sicher, dass die Brandschutzvorschriften eingehalten werden. Bei einem Ereignis lösen sie den Alarm aus und leiten die Evakuation ein.
Reto Mathis, Kommandant der Feuerwehr Dietwil-Oberrüti meinte zusätzlich, dass es äusserst wichtig sei, dass die Personen im Ereignisfall den Sicherheits- und Rettungskräften Folge leisten.
Marco Schmid kommandiert die Feuerwehr in Auw. Er meinte: «In unserer Gemeinde wird zusätzlich ein Schutzkonzept verlangt. Zudem besteht bei uns in Innenräumen seit einigen Jahren ein generelles Rauch- und Feuerverbot. Meines Wissens wird das strikt eingehalten.
Wie bedient man einen Feuerlöscher?
Ex-Kommandant Jan Steiner meinte auf Anfrage: «Die ersten, die intervenieren müssen, sind die Personen, die hinter der Bar arbeiten, denn sie sind die ersten, die das Feuer sehen. Auch ist es so, dass in den meisten Fällen die Feuerlöscher dort positioniert sind. Dass das Personal hinter den Bars auch weiss, wie man die Feuerlöscher bedient, dafür sind die Veranstalter verantwortlich. In der Oberrüter Guggemusig sind Feuerwehrleute mit dabei. Somit ist das Wissen bereits am richtigen Ort.»
Und wer macht die feuerpolizeiliche Abnahme?
«Ein Experte von der Gebäudeversicherung oder auch ein Kaminfeger hat die Befugnis, die feuerpolizeiliche Abnahme durchzuführen. Die Feuerwehr darf das nicht. Was die Feuerwehr soll oder nicht soll, das regelt jede einzelne Gemeinde für sich.
Als ich noch Kommandant von Dietwil-Oberrüti war, hatte ich den behördlichen Auftrag, die Brandwache zu instruieren, die Feuerlöscher zu überprüfen und zu kontrollieren, ob die Notausgänge sicher sind.»
Auch die Aargauer Gebäudeversicherung (AGV) reagiert
Das tragische Ereignis bewegt die Schweiz, insbesondere auch jene, die täglich Verantwortung für die Sicherheit in Clubs, Bars und Veranstaltungsorten tragen. Als Unterstützungsangebot hat die AGV eine Checkliste zur Brandsicherheit für Gastrobetriebe lanciert. Sie weist aber darauf hin, dass dies lediglich eine Hilfestellung ist, und kein Garantieschein.

