Blasmusik fürs Herz und den Schmerz
02.04.2026 AuwAm letzten Märzwochenende des Jahres lud die Brass Band Auw zweimal in die Mehrzweckhalle im Dorfzentrum zum Jahreskonzert. Das Publikum goutierte die musikalischen Darbietungen jeweils mit lautem Applaus.
MARCO MOROSOLI
Der Kanton Zug hat ein Crypto-Valley. ...
Am letzten Märzwochenende des Jahres lud die Brass Band Auw zweimal in die Mehrzweckhalle im Dorfzentrum zum Jahreskonzert. Das Publikum goutierte die musikalischen Darbietungen jeweils mit lautem Applaus.
MARCO MOROSOLI
Der Kanton Zug hat ein Crypto-Valley. Das benachbarte Freiamt verfügt über ein Blasmusik-Tal. Einer dieser Cluster – zu Deutsch Zusammenballung – befindet sich in Auw. Die Brass Band Auw verfügt über 30 Blasmusikerinnen und Blasmusiker. Bei einer Einwohnerschaft von 2’330 Menschen dürfte dieser Verein einer der wichtigsten in der Gemeinde am Lindenberg sein.
Ruft der Musikverein jeweils im Frühjahr zum Jahreskonzert, dann ist die Mehrzweckhalle im Dorf bei beiden Vorstellungen schnell ausverkauft. Die Platzanweiserin kommt dabei nicht wegen des Andrangs ins Schwitzen, sondern vielmehr, weil sie praktisch alle der Einlass begehrenden Menschen kennt. Ein kurzer Schwatz muss einfach sein. 250 Tickets standen jeweils pro Vorstellung zum Verkauf. Die Brass Band Auw ist der Stolz des Dorfes. Über das Jahr hindurch ist die Bläsergruppe an verschiedenen Daten im Dorf präsent.
Beim Eidgenössischen Musikfest in Biel will Auw überzeugen
Im laufenden Jahr möchte die Band am Eidgenössischen Musikfest in Biel (14. bis 17. Mai) für einen guten Rang sorgen und so die Auwer stolz machen. Dieses Treffen findet in diesem Jahr erstmals seit 2016 statt. Wegen der Corona-Pandemie mussten diese Olympischen Spiele der Blechmusikanten im Jahre 2021 ersatzlos ausfallen.
Die Auwer Bläser spielen am 16. Mai am Morgen vor einer Jury. Sie schrieben sich in der zweiten Klasse ein. Das frei wählbare Musikstück haben die Besucher und die Besucherinnen des Jahreskonzerts bereits gehört. Es handelt sich um «Lions of the Legend» von Thierry Deleruyelle. Die Löwen sind ab dem ersten Takt richtig laut. Die Musikrichter brauchen bei der Präsentation auch kaum einen wiederholten Weckruf. Hinzu kommt noch eine musikalische Darbietung, welche der Band von offizieller Seite übergeben wird.
Interessant ist, dass die Musikvereine ihre Spielklasse selbst wählen können. Absteiger wie auch Aufsteiger gibt es in diesem System jedoch nicht. Es ist für den Zuhörer des Jahreskonzerts schwierig zu beurteilen, in welche Kategorie die Auwer Brass Band gehört. Was aber ist: Die Blasmusikanten und Blasmusikantinnen aus dem Dorf am Lindenberg sind vielseitig. Die dargebotenen neun Nummern sind einmal laut und dann etwas leiser. Sie decken zudem die verschiedensten Musikrichtungen ab. Das Stück «Olympic Spirit» von John Williams kommt – wie es sich für einen vielbeschäftigten US-Filmmusikschreiber gehört – ohne laute Passagen nicht aus. Dass sich das Daherkommen nicht unbedingt verallgemeinern lässt, zeigte sich im Elvis-Presley-Evergreen «Can’t Help Falling in Love». Das Melancholische, das die Trompete oft so schön ausdrücken kann, kam in der Mehrzweckhalle Auw gut zur Geltung.
Im Saal hörte auch Christoph Villiger zu. Zum ersten Mal seit 40 Jahren kann er nicht auf der Bühne alles geben. Dies geschieht nicht, weil er zu wenig geübt hätte. Vielmehr zwang ihn eine Verletzung am rechten Arm zur Inaktivität. Seine Vereinskollegen versuchen, ihn aufzurichten: «Du darfst heute einmal zuhören.»
Klar ist: Christoph Villiger steigt wieder auf die Bühne, sobald sein rechter Arm, der jetzt noch geschient ist, sich wieder frei bewegen kann. Einmal Blasmusiker, immer Blasmusiker.
Nachwuchsförderung ist für die Auwer essenziell
Das Kommen und Gehen von aktiven Blechmusikanten sorgt letztlich dafür, dass der Verein seit seiner Gründung im Jahre 1881 immer noch aktiv ist. Dieses Weiterreichen der Blasmusikinstrumente fördert die Brass Band Auw nach Kräften. Die Aktion läuft unter dem Titel «Gäch mit Bläch». Der Verein versucht auf diesem Wege für Nachwuchs zu sorgen. Das Angebot spricht alle an: Anfänger, Wiedereinsteiger und sonst Interessierte. Sie können sich im Gruppenunterricht auf verschiedenen Blechblasinstrumenten üben. Die Leitung ist professionell. Die Fähigkeit des Notenlesens ist keine Voraussetzung zur Teilnahme. Instrumente stellt der Musikverein Brass Band Auw zur Verfügung. Es findet wöchentlich eine Probe statt.
Der jüngste Teilnehmer der Übungsgruppe ist sieben Jahre alt, der älteste (sein Vater) feierte schon seinen 38. Geburtstag.
Die musikalische Darbietung des Blechinstrument-Nachwuchses kam sehr gepflegt daher. Patrick Steiner, er ist der Dirigent der Hoffnungsträger, sagte nach der Darbietung entschuldigend: «Sie waren ein wenig nervös.» Das mag stimmen, aber die flatternden Nerven wirkten sich nicht auf ihr Spiel aus.
Der nächste Kurs für die Blechmusikfrischlinge geht ab Oktober in eine neue Runde. Hilfreich ist, dass neben Patrick Steiner noch ein weiterer Profi in der Person von Marco Imbach jeweils zugegen ist. Dieser spielt bei der Brass Band Auw mit und kann dem Nachwuchs über alles Auskunft geben, was die Blechmusik ausmacht.


