Besserer Schutz vor Hochwasser
30.10.2026 OberrütiNach den schweren Überschwemmungen im Jahr 2024 soll der Hochwasserschutz in der Gemeinde umfassend verbessert werden. Am Dienstagabend wurden die vorgesehenen Massnahmen an einer Informationsveranstaltung erläutert.
RAHEL HEGGLIN
Die beiden ...
Nach den schweren Überschwemmungen im Jahr 2024 soll der Hochwasserschutz in der Gemeinde umfassend verbessert werden. Am Dienstagabend wurden die vorgesehenen Massnahmen an einer Informationsveranstaltung erläutert.
RAHEL HEGGLIN
Die beiden Hochwasserereignisse vom 3. Juni und 1. September 2024 haben in Oberrüti erhebliche Schäden verursacht. Wie Gemeinderat Roland Meier am Dienstagabend erklärte, hatten die beiden Ereignisse unterschiedliche Ursachen. «Während im Juni langanhaltende Niederschläge auf bereits stark gesättigte Böden trafen, führten im September intensive Gewitterregen zu grossen Wassermengen innerhalb kurzer Zeit.» Gemäss der anschliessenden Ereignisanalyse erreichte das Septemberhochwasser die Grössenordnung eines Jahrhunderteignisses.
Bestehende Durchlässe sind zu klein
Die Analyse zeigte weiter, dass im Bereich der Kantonsstrasse die Durchlässe des Dorf- und Gibelbachs die Wassermengen nicht ausreichend aufnehmen konnten. Dadurch kam es zu Rückstau und Überschwemmungen. Ein weiteres Problem entstand beim Dorfbach. Dieser trat über die Ufer und floss über das Beugenfeld in Richtung Industriegebiet. Das zusätzliche Wasser belastete auch den Schorenbach und dessen Durchlass unter der Bahnlinie. Oberflächenabfluss und Rückstau aus der Kanalisation verschärften die Situation. Im vergangenen Jahr wurden einzelne Sofortmassnahmen umgesetzt. Diese reichen jedoch nicht aus, um das angestrebte Schutzniveau zu erreichen.
Drei Varianten untersucht
Mario Weber vom Kanton Aargau erläuterte die gesetzlichen Anforderungen.
Ziel ist es, geschlossene Siedlungsgebiete, Industrieanlagen sowie Freizeitund Sportanlagen vor einem Hochwasser zu schützen. Gleichzeitig müssen bei baulichen Eingriffen die natürlichen Funktionen der Gewässer möglichst erhalten oder verbessert werden. Für den Hochwasserschutz wurden drei grundsätzliche Lösungsansätze geprüft, welche Gemeinderat Meier präsentierte: Bei der Variante «Rückhalten» würde das Wasser oberhalb des Dorfes in Rückhaltebecken gesammelt und anschliessend kontrolliert abgegeben. Diese Lösung benötigt allerdings grosse Landflächen und ist mit erheblichen Unsicherheiten bei der Dimensionierung verbunden. Eine zweite Möglichkeit wäre, das Hochwasser über neue Abflusswege am Dorf vorbeizuleiten.
Dadurch könnten jedoch andere Gewässer belastet werden. Zudem wären umfangreiche Bauarbeiten, ökologische Ausgleichsmassnahmen und zusätzliche Unterhaltsarbeiten nötig. «Der Gemeinderat entschied deshalb im Herbst 2025 in Absprache mit dem Kanton, die Variante ‹Durchleiten› weiterzuverfolgen», erklärte Meier. Dabei werden bestehende Bachläufe und Durchlässe so ausgebaut, dass grössere Wassermengen sicher abfliessen können.
Ausbau in drei Abschnitten vorgesehen
Christian Wüthrich vom Ingenieurbüro Basler + Hofmann stellte das ausgearbeitete Vorprojekt vor. Dieses umfasst drei Teilabschnitte. Im ersten Abschnitt, der sich vom Dorfzentrum bis zum Durchlass beim Schulhaus erstreckt, soll der heute teilweise eingedolte Gibelbach auf zwei Grundstücken offengelegt werden. Ausserdem ist vorgesehen, die zu kleinen Bachdurchlässe unter der Kantonsstrasse und der Bahnhofstrasse zu ersetzen. Der Dorfund der Gibelbach sollen künftig möglichst getrennt geführt werden, damit sie sich bei Hochwasser nicht gegenseitig zurückstauen. Die Arbeiten im Strassenbereich sollen mit dem geplanten behindertengerechten Umbau der Bushaltestellen koordiniert werden. Dieses kantonale Vorhaben war nach den Hochwasserereignissen vorläufig sistiert worden. Der zweite Projektabschnitt betrifft den Dorfbach im Siedlungsgebiet und im anschliessenden Landwirtschaftsgebiet Beugenfeld. Dort soll das Bachbett verbreitert werden. Im dritten Abschnitt stehen der Schorenbach und der bestehende SBB-Durchlass im Mittelpunkt. Der Bach soll ausgebaut und der zu kleine Durchlass unter der Bahnlinie ersetzt werden. Dafür sind weitere Absprachen mit den SBB notwendig.
Gemeinde rechnet mit 1,5 Millionen Franken
Die Kosten des gesamten Vorhabens werden derzeit auf rund 4,25 Millionen Franken geschätzt. Bund, Kanton und die Aargauische Gebäudeversicherung dürften zusammen rund 2,8 Millionen Franken übernehmen. Für die Gemeinde Oberrüti verbleibt damit ein Anteil von ungefähr 1,5 Millionen Franken. Die Kostenschätzung weist allerdings noch eine Unsicherheit von rund 20 Prozent auf.
SBB-Durchlass sorgt für Diskussionen
In der anschliessenden Fragerunde betrafen mehrere Wortmeldungen die Abhängigkeit von den SBB. Seitens der Gemeinde und des Kantons wurde versichert, dass entsprechende Gespräche laufen. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass die geplanten Massnahmen am Dorfbach auch unabhängig vom Ersatz des Bahndurchlasses Verbesserungen bringen können. Deutlich wurde auch, dass das Projekt nicht sämtliche Überschwemmungen verhindern kann. Es konzentriert sich auf Hochwasser aus den Gewässern.
Wasser, das bei Starkregen direkt über Strassen und Grundstücke abfliesst, muss weiterhin mit geeigneten Objektschutzmassnahmen gelenkt werden.
Erster Kreditentscheid im Sommer 2027
Als Nächstes wird das Vorprojekt dem Kanton zur Prüfung unterbreitet. An der Einwohnergemeindeversammlung im Juni 2027 soll über einen Planungskredit entschieden werden. Wann die Bauarbeiten beginnen können, steht noch nicht fest. Insbesondere beim Durchlass unter der Bahnlinie ist die Gemeinde auf die Zusammenarbeit mit den SBB angewiesen.




