Barrierefreier Bahnzugang nur mit Perronverschiebung
14.11.2025 OberrütiSeit Mitte Oktober liegt das Plangenehmigungsverfahren in der Gemeindekanzlei auf. Die umfangreichen Unterlagen und die Pläne zeigen, was die SBB vorhaben.
IRIS CAGLIONI
Die SBB wollen gemäss der Ausschreibung das Behindertengleichstellungsgesetz ...
Seit Mitte Oktober liegt das Plangenehmigungsverfahren in der Gemeindekanzlei auf. Die umfangreichen Unterlagen und die Pläne zeigen, was die SBB vorhaben.
IRIS CAGLIONI
Die SBB wollen gemäss der Ausschreibung das Behindertengleichstellungsgesetz umsetzen und den barrierefreien Bahnzugang in Oberrüti ermöglichen.
Im Rahmen des Programms «Umsetzung Bahnzugang 2023» werden die Bahnhöfe auf Handlungsbedarf bezüglich Sicherheit, Barrierefreiheit und Kapazität überprüft.
Um einen hindernisfreien Zugang zu gewährleisten, müssen darum die Perrons in den Bahnhöfen auf eine Standardhöhe von P55 (55 Zentimeter ab Schienenoberkante) erhöht werden.
Ausgangslage in Oberrüti
Der Bahnhof Oberrüti verfügt über keinen hindernisfreien Zugang, weder beim Gleis 2 noch beim Gleis 3. Der zu überwindende Tritt auf der Seite Fahrt Richtung Sins beim Bahnhofhäuschen ist gigantisch. Hier liegt die Einstiegshöhe bei P20. Es fehlen also 35 Zentimeter für einen hindernisfreien Zugang. Einsteigen mit Rollstuhl oder Kinderwagen ist ohne Hilfe unmöglich. Auf dem Perron von Gleis 3 ist die Situation wenig besser, aber entspricht trotzdem noch nicht den gesetzlichen Vorgaben. Hier liegt die Einstieghöhe aktuell auf P35, was bedeutet, dass auch hier 20 Zentimeter überwunden werden müssen.
Das soll gemacht werden
Die von den SBB geplante Lösung ist: eine Neuerstellung beider Perrons auf eine Nutzlänge von 235 Meter mit der entsprechenden gesetzlich vorgegebenen Perronhöhe von 55 Zentimeter über der Schienenoberkante.
Perron 3 wird mit einer neuen Rampe erschlossen, und beim Perron 2 wird ein neuer Zugang mit Faltrampe ermöglicht. Die existierende Wartehalle soll rückgebaut werden. Sie wird ersetzt durch zwei neue, verglaste Wartehallen, je eine pro Perron.
Zeitgleich sind Substanzerhaltungsarbeiten an den Fahrleitungen und Fahrbahnerneuerungen geplant, eine neue Veloabstellanlage beim Zugang Perron 2 ist vorgesehen, und die Beleuchtungen auf den Perrons, in der Personenunterführung sowie die Gleisbeleuchtung sollen ersetzt werden. Damit die Normen eingehalten werden können, muss das Perron 2 verschoben werden, weg vom Bahnhofhäuschen.
Objekt von «Nationaler Bedeutung»
Den aufgelegten Unterlagen konnte entnommen werden, dass das Aufnahmegebäude der Bahnstation Oberrüti 1881 nach den Plänen des Architekten Josef Eichenberger für die Aargauische Südbahn gebaut wurde. Der Betriebspunkt Oberrüti mit Aufnahmegebäude, angebautem Güterschuppen und separat stehendem WC-Gebäude ist im ISBA, dem Inventar der schützenswerten Bauten und Anlagen der SBB, inventarisiert und gemäss Natur- und Heimatschutzgesetz als Objekt von «Nationaler Bedeutung» eingestuft.
Gemeindeschreiber Patrick Troxler meinte: «Das Perron 2 kann am bestehenden Ort nicht saniert werden. Das Gelände mit den bestehenden Bauten lässt eine Anpassung, wie sie vorgesehen ist, nicht zu. Darum haben die SBB geplant, den Einstieg Perron 2 nach Norden zu verschieben. Faktisch vor die Firma Elektrozinn.»
Wie steht die Firma Elektrozinn dazu?
Die SBB haben das ordentliche Verfahren mit Enteignung beantragt. «Es gibt im Projekt temporären sowie auch definitiven Landerwerb», schreibt die Medienstelle der SBB. Dieser Landerwerb betrifft auch die Firma Elektrozinn AG. Matthias Koch, Inhaber der Elektrozinn AG, nimmt wie folgt Stellung: «Grundsätzlich begrüssen wir, dass der Bahnhof in Oberrüti ausgebaut wird und künftig auch beeinträchtigten Personen einen erleichterten Zugang zur Bahn erlaubt. Im Zusammenhang mit diesem Projekt stehen wir im konstruktiven Austausch mit den SBB. Da es sich um ein laufendes Projekt handelt, können wir hierzu keine weiteren Auskünfte erteilen. Wir sind uns aber sicher, dass das Projekt im Sinne aller beteiligten Parteien ausgeführt wird.»
Stellungnahme der SBB
Laut Mediensprecherin der SBB, Mara Zenhäusern, wurde ein Variantenstudium durchgeführt: «Die vorliegende Variante mit dem Perron 2, welches Richtung Norden verschoben wird, ist die Bestvariante. Nach der Sanierung ist der Bahnhof Oberrüti vollständig barrierefrei. Zu den beiden Perrons wird eine neue Rampe als barrierefreier Zugang gebaut und die Perrons erfüllen den Standard P55.»
Sie informierte weiter, dass sie mit einem Baustart im Januar 2027 rechnen. Während der Bauphase kann es teilweise Einschränkungen geben: «Entsprechende Ersatzkonzepte werden zur Verfügung gestellt. Wie diese genau aussehen, wird noch erarbeitet. Die SBB werden die Kundinnen und Kunden rechtzeitig informieren.» Die SBB rechnen auch mit zeitweisen Einschränkungen bei der Zufahrt zum Bahnhof, den Parkplätzen und den Fusswegen. «Ziel ist es jedoch, die Einschränkungen möglichst gering zu halten.»


