Auf den richtigen Drall kommt es an
16.10.2026 DietwilDer zweitbeste Aargauer Kegler, Marius Langenegger, wohnt mit seiner Familie in Dietwil. Seit rund 15 Jahren betreibt er die Randsportart Kegeln und hat schon etliche Medaillen gewonnen. Der 37-Jährige begeisterte auch seine Frau für das Kegeln.
IRIS ...
Der zweitbeste Aargauer Kegler, Marius Langenegger, wohnt mit seiner Familie in Dietwil. Seit rund 15 Jahren betreibt er die Randsportart Kegeln und hat schon etliche Medaillen gewonnen. Der 37-Jährige begeisterte auch seine Frau für das Kegeln.
IRIS CAGLIONI
Die Schweizer Meisterschaft der SFKV (Schweizerische Freie Kegel-Vereinigung) im Kegeln, die Ende September in Heimberg stattfand, bildete für die Keglergemeinschaft den sportlichen Höhepunkt des Jahres. Marius Langenegger, an der SM-Eröffnung beim traditionellen Kantonewettkampf Zweitbester des Kantons Aargau, war ein potenzieller Kandidat für die Finalrunde und das Podest. Heute schüttelt er den Kopf und meint: «Dieses Jahr habe ich die Meisterschaft verhauen. Ich erreichte keine 800 Holz, war somit nicht unter den 25 besten Schweizer Keglern und am Finaltag nicht dabei.» Der Frust war schon etwas da, doch Langenegger weiss, dass es nicht immer nur Siege gibt. «Ich hake die diesjährige Meisterschaft ab und schaue vorwärts auf die nächste.» Er meint pragmatisch, dass es eben einfach Bahnen gibt, auf denen man besser kegelt als auf anderen.
100-mal 10 Kilogramm
Die Schweizer Meisterschaft läuft folgendermassen ab: Während eines Monats kann jeder lizenzierte Kegler in seiner Kategorie antreten. Der Sportler geht dafür auf die für die SM gewählte Kegelbahn. Dieses Jahr waren es die Bahnen im Kegelcenter Rössli in Heimberg, wo parallel vier Bahnen nebeneinander liegen. Langenegger erzählt: «Jeder muss 100 Würfe machen. Wir verwendeten Kegelkugeln mit einem Gewicht von 10 Kilogramm. Ich machte auf jeder Bahn 25 Würfe, das Ganze dauerte zirka 40 Minuten.» Jeder umgefallene Kegel bedeutet ein Holz, zusammen ergibt dies das Schlussresultat. Die besten 25 Männer und 10 Frauen traten am Finaltag nochmals gegeneinander an.
Ein Familiensport?
Der zweifache Familienvater wuchs mit dieser Sportart auf. Seine Eltern kegelten, und er lernte das Kegelambiente von früh auf kennen. «2011 begann ich als Gastkegler beim Unterverband Seetal-Habsburg, und ein Jahr später löste ich meine Lizenz. Nach kurzer Zeit stieg ich von der tiefsten Kategorie C in die höchste Kategorie A auf.» Seine Ehefrau Carmen Bischof führte er in seinen Sport ein. Er weiss genau, worauf es ankommt. «Es braucht regelmässiges Training. Die Koordination zwischen den Beinen, dem Abgabearm, der Hand, welche drehen muss, damit die Kugel richtig rollt: das alles ist ein Lernprozess und geht nicht von heute auf morgen.
Wer kegeln lernen will, sollte neugierig sein und es als Gast in einem Verband eine Zeit lang ausprobieren.»
Warum fehlt der Nachwuchs?
Langenegger konnte in diesem Sommer Schülerinnen und Schüler im Rahmen des Ferienspasses mit auf die Kegelbahn in Luzern mitnehmen. «Sie haben ein paar Stunden etwas in den Sport hineingeschnuppert und es doch recht gut gemacht.» Es sind zwei ausschlaggebende Komponenten, die heute fehlen, damit es in diesem Sport wieder vorwärts gehen kann. Langenegger erklärt: «Einerseits fehlt es an genügend Bahnen. Es werden immer weniger. Hallen wie in Luzern, wo sechs Bahnen nebeneinander liegen, sind absolut rar. Dann fehlt es an Keglern der Altersgruppe 35 bis 55. Sie wären die Bindeglieder zwischen den ganz jungen und den aktuell spielenden 60 bis 80 Jahre alten Keglern.» Er wünscht sich einen Auslöser, der den Kegelsport wieder boomen liesse.
«Würde ein Spitzensportler wie zum Beispiel Roger Federer oder Marco Odermatt heute sagen, sie wechseln zum Kegelsport, dann würde das Kegeln boomen wie schon lange nicht mehr – ein ziehendes Idol würde vielleicht etwas bewegen.»
Geschichte des Kegelns
Bereits in der Antike wurden Zielwurfund Kugelspiele gespielt. Internetrecherchen zeigen auf, dass bereits ab dem 12. Jahrhundert schriftliche Belege über Kegelspiele in Mitteleuropa existieren. Bis zum 18. Jahrhundert war das Kegeln stark verbreitet als Volks-, Wett- und Glücksspiel, bevor es zunehmend gesellschaftlich akzeptiert und reglementiert wurde. In Deutschland wurde der Keglerbund 1889 gegründet.
In der Schweiz existieren Belege aus einer Bündner Chronik, dass Kegeln ein gemütliches und kurzweiliges Unterhaltungsspiel sei, das gleichzeitig Muskeln und Gesundheit in Übung halte. Somit war auch in der Schweiz bereits im 18. Jahrhundert das Kegeln nicht bloss ein Glücksspiel, sondern eine körperliche Betätigung.
Gesellschaftsspiel und Restaurantkultur
Der eigentliche Boom kam im frühen 20. Jahrhundert. 1931 schlossen sich Zürich, Luzern, Basel und Aargau zusammen und gründeten am 20. Mai 1931 den Schweizerischen Sportkegler-Verband (SSKV). In den Nachkriegszeiten stand der Sport in einer enormen Blüte. Klubs, Verbände, Zentren und Meisterschaften, aber auch Wettbewerbe und nationale Wettkämpfe fanden überall statt.
1952 gründete sich die Schweizerische Freie Kegler-Vereinigung (SFKV) mit damals noch 17 Unterverbänden - heute sind es noch zwölf. Mit rund 1’000 Mitgliedern ist die SFKV noch der grösste Keglerverband – Tendenz aber auch hier schwindend.
Kegelbahnen waren entscheidend für die Schweizer Geschichte der Wirtshaus- und Restaurantkultur. Denn die Kegelbahnen waren nicht in Sporthallen angesiedelt, sondern meist im Restaurant. Sie galten als der Treffpunkt für Geselligkeit und Sport und erlangten eine grosse gesellschaftliche Bedeutung. Ein perfektes Beispiel dafür ist Zürich. Im Jahr 1963 hatte der Verband allein im Kanton Zürich 1’400 Mitglieder. Heute sind es schweizweit rund 700.
Einbruch der Attraktivität
In den 1980er und 1990er Jahren konnte sich das Kegeln noch auf starke Vereinsstrukturen stützen, doch dann veränderten sich die Freizeitgewohnheiten. Es gab plötzlich enorme Konkurrenz wie Fitnesscenter, Tennis, digitale Freizeitangebote und zahlreiche neue Vereinssportarten. Das klassische Schweizer Wirtshausleben verschwand und mit ihm die alten Kegelbahnen.
Recherchen zufolge gab es früher bis zu 300 wettkampftaugliche Kegelbahnen, heute sind es noch knapp ein Drittel. Die Ursache ist schlicht: Schloss eine Wirtschaft oder wurde sie umgebaut, verschwand die Kegelbahn ersatzlos. Hallen mit mehreren Bahnen nebeneinander gibt es nur noch eine Handvoll. Zudem leidet der Sport an einer massiven Überalterung. Das Durchschnittsalter der lizenzierten Stammspieler liegt bei 66 bis über 70 Jahren mit kaum mehr jungen Nachwuchsspielern.
Zahlen und Fakten zu Schweizer Bahnen
In der Schweiz beträgt die Bahnlänge 19,49 Meter. Sie enthält eine Steigung von drei bis fünf Zentimetern. Der Ries ist die Stellfläche, auf welcher die neun rund drei Kilogramm schweren Kegel aufgestellt sind. Die Fläche hat die Form eines auf dem Spitz stehenden Quadrats. Ziel des Kegelns ist es, möglichst alle Kegel mit einem Wurf umzuschmeissen. Die dafür verwendeten Kugeln haben ein Gewicht zwischen 9,3 und 10,5 Kilogramm.


