ARA Oberrüti-Dietwil sucht neue Zukunft
12.06.2026 Oberrüti, DietwilDie Abwasserreinigungsanlage ARA Oberrüti-Dietwil hat ihre Kapazitätsgrenze erreicht. Nach jahrelangen Abklärungen und einer überraschenden Absage aus Zug richtet sich der Blick nun auf einen Anschluss an den Abwasserverband Oberfreiamt in Sins.
...Die Abwasserreinigungsanlage ARA Oberrüti-Dietwil hat ihre Kapazitätsgrenze erreicht. Nach jahrelangen Abklärungen und einer überraschenden Absage aus Zug richtet sich der Blick nun auf einen Anschluss an den Abwasserverband Oberfreiamt in Sins.
RAHEL HEGGLIN
Die ARA Oberrüti wird gemeinsam mit Dietwil betrieben und ist laut Roland Meier, Gemeinderat von Oberrüti, seit einigen Jahren an ihrer Belastungsgrenze. Die Anlage ist auf rund 3’000 sogenannte Einwohnergleichwerte ausgelegt. Dabei handelt es sich um eine Rechengrösse, welche neben der Bevölkerung auch industrielle Belastungen berücksichtigt. «Neben der Überlastung spielt auch das Alter der Anlage eine Rolle. Eine umfassende Sanierung wäre mittelfristig unumgänglich geworden», erklärt Meier. Doch das hätte nicht viel gebracht, denn der Kanton Aargau verfolgt seit Jahren eine Strategie hin zu grösseren regionalen Kläranlagen. Kleine Anlagen wie jene in Oberrüti sollen langfristig verschwinden. «Deshalb würden wir keine Bewilligung für einen weiteren Ausbau erhalten», erklärt der Ressortverantwortliche.
Machbarkeitsstudie prüfte verschiedene Varianten
Die Diskussion, was mit der ARA Oberrüti-Dietwil geschehen soll, wurde bereits 2022 angestossen. Damals informierte der Abwasserverband SAMA (Gemeinden Sins, Auw, Mühlau und Abtwil) darüber, dass auch seine Anlage saniert und erweitert werden muss.
Dies veranlasste Oberrüti und Dietwil, die eigene Zukunft grundlegend zu überprüfen. Ein Ingenieurbüro erhielt den Auftrag, verschiedene Möglichkeiten zu untersuchen. Geprüft wurden ein Weiterbetrieb der eigenen Anlage sowie Anschlüsse an die ARA Rontal, den Gewässerschutzverband der Region Zug (GVRZ) in Cham und an den Abwasserverband Oberfreiamt in Sins. Die Studie zeigte rasch, dass ein eigenständiger Weiterbetrieb kaum realistisch ist. Die Variante Rontal fiel weg, weil dort keine freien Kapazitäten vorhanden sind. Übrig blieben die Optionen Cham und Sins. Besonders wirtschaftlich erschien zunächst ein Anschluss an den Gewässerschutzverband in Zug. «Die Studie hat aufgezeigt, dass die Variante GVRZ wirtschaftlich die interessantere Lösung ist», erklärt Meier. Ausschlaggebend seien unter anderem Synergien mit der Gemeinde Hünenberg gewesen, über deren Gebiet die notwendige Leitung geführt worden wäre.
Überraschende Absage aus Zug
In den vergangenen Monaten wurden deshalb gemeinsam mit der Gemeinde Hünenberg, vertiefte Abklärungen mit dem Zuger Verband und den kantonalen Behörden geführt. Laut Meier seien die Gespräche positiv verlaufen. «Wir sind eigentlich davon ausgegangen, dass das durchkommt», sagt er. Umso grösser war die Überraschung, als der Vorstand des Zuger Verbandes Ende März dem Vorhaben eine definitive Absage erteilte. Als Gründe wurden ökologische und strategische Überlegungen genannt. Zudem wolle man Kapazitäten nicht an ausserkantonale Gemeinden vergeben. Nach Vorliegen des Entscheids nahmen die Verantwortlichen der ARA Oberrüti-Dietwil die Gespräche mit dem Verband Oberfreiamt wieder auf und reichten inzwischen offiziell ein Anschlussgesuch ein.
Anschluss an Abwasserverband Oberfreiamt ist praktisch gesetzt
Der Anschluss nach Sins gilt laut Meier als gesichert, da eine mündliche Zusage vorliegt. Der Kanton unterstützt diese Lösung ebenfalls. Allerdings wird der Zusammenschluss noch Jahre dauern. Die Sinser Anlage muss zuerst saniert und erweitert werden, bevor zusätzliche Gemeinden angeschlossen werden können. Der Ausbau wird frühestens 2032 abgeschlossen sein. Hauptgrund für die lange Dauer sind die aufwendigen Bewilligungen, inklusive Raumplanungsverfahren und notwendige Umzonungen. Bis dahin bleibt die bestehende Anlage in Oberrüti in Betrieb. «Es ist nicht prekär», so Meier. Mit betrieblichen Optimierungen will man die Situation stabil halten, um grössere Investitionen zu vermeiden.
Noch keine Kredite zur Abstimmung
Langfristig soll die heutige Kläranlage in Oberrüti zu einer Pumpstation umgebaut werden. Das Abwasser würde künftig über eine Druckleitung nach Sins transportiert und dort gereinigt werden. Die bestehenden Regenbecken in Oberrüti würden dabei weiterhin genutzt. An der vergangenen Einwohnergemeindeversammlung in Oberrüti hat der Gemeinderat die Bevölkerung in einem ersten Schritt informiert. Die Bevölkerung von Dietwil wird an der kommenden Versammlung orientiert. Kredite für die Planung oder den Bau stehen noch nicht zur Abstimmung. Bis zum definitiven Anschluss dürften noch mehrere Planungs- und Bewilligungsverfahren folgen.


