Aettenbühl: Alters- oder Pflegeheim?
09.10.2026 Sins, SeniorenDas Zentrum Aettenbühl ist das zweitgrösste Pflegeheim im Oberfreiamt. Die aktuelle Warteliste zeigt den hohen Bedarf an Pflegeplätzen, Tendenz steigend.
IRIS CAGLIONI
Wer ist berechtigt, ein Bett im Zentrum Aettenbühl zu beziehen? Diese ...
Das Zentrum Aettenbühl ist das zweitgrösste Pflegeheim im Oberfreiamt. Die aktuelle Warteliste zeigt den hohen Bedarf an Pflegeplätzen, Tendenz steigend.
IRIS CAGLIONI
Wer ist berechtigt, ein Bett im Zentrum Aettenbühl zu beziehen? Diese Frage sorgte neuerdings in der Region für Gesprächsstoff. Dass angeblich zwei Personen aus der Region abgewiesen wurden, weil sie zu wenig pflegebedürftig seien, liess die Gerüchteküche brodeln. So kursierte die Meinung, die Heimleitung würde willkürlich Personen abweisen, obwohl das Aettenbühl doch das Altersheim der Oberfreiämter sei.
Ursula Guggenbühl, Stiftungsratspräsidentin des Zentrums Aettenbühl, meint dazu: «Es ist eine Fehlinformation, dass das Zentrum Aettenbühl der Bevölkerung gehört. Das Zentrum wird von der Stiftung Aettenbühl betrieben, welche auch für die strategische Führung verantwortlich ist.»
Daheim oder ins Heim
Schleichend veränderten sich in den letzten rund 20 Jahren die Präferenzen für den richtigen Zeitpunkt eines Heimeintritts. «In der Regel wollen heute betagte Menschen, solange sie es irgendwie können, in ihrem gewohnten Umfeld bleiben, also daheim. Erst wenn sich eine echte Pflegebedürftigkeit einstellt, ziehen sie die Möglichkeit in Betracht, in ein Pflegeheim zu ziehen», informierte Guggenbühl. Sie ergänzte: «Den regionalen Senioren wurde durch den Bau von Alterswohnungen neben dem Zentrum ein Zwischenschritt ermöglicht. Bewohnende der Alterswohnungen sind selbstbestimmt, können aber im Bedarfsfall Unterstützung aus dem Pflegeheim bekommen.»
Altersheim versus Pflegeheim: Unterschiede
Per Definition liegt der Hauptunterschied zwischen Altersheim und Pflegeheim im Grad der Hilfsbedürftigkeit: Ein Pflegeheim bietet eine stationäre, medizinische und intensive Rundumversorgung für pflegebedürftige Menschen. Beim Altersheim hingegen liegt der Fokus auf dem selbständigen Wohnen der Senioren und der Gewährleistung von sozialer Gemeinschaft ohne oder mit geringem Unterstützungsbedarf.
Vom Alters- zum Pflegeheim
Beim Zentrum Aettenbühl begann der Prozess des Wechsels vom Altersheim zum Pflegeheim bereits 2013. Nachdem Beatrice Emmenegger 2017 die Leitung übernommen hatte, wurde der Prozess abgeschlossen. Seit 2020 ist das Zentrum Aettenbühl klar ein Pflegeheim, beherbergt Menschen mit einer erhöhten Pflegebedürftigkeit und hat auch die entsprechend qualifizierten Mitarbeitenden vor Ort.
Ambulant vor stationär
Aufgrund der permanent steigenden Nachfrage nach Pflegeplätzen für Menschen mit einer hohen Pflegebedürftigkeit klärt das Zentrum Aettenbühl jeweils anhand der RAI-Richtlinien die Höhe der Pflegestufe ab. Emmenegger präzisiert: «In Gesprächen und bei einem Kurzaufenthalt bei uns, zum Beispiel im Ferienzimmer, können wir die Pflegestufe abklären. Ist die Selbständigkeit der Person noch so weit vorhanden, dass sie mit keiner oder wenig ambulanter Hilfe, zum Beispiel durch die Spitex, zurechtkommt, empfehlen wir die Rückkehr nach Hause. Wir bieten gerne auch Hand, um die passende ambulante Hilfe zu finden. Ebenso sind wir in jedem Fall dazu bereit, Beratungsgespräche zu führen.» Weiter verweist Emmenegger darauf, dass alleinstehende und noch rüstige Senioren gerne das Angebot des Mittagstisches nutzen können. «Das kann eine willkommene Abwechslung in den Alltag der Senioren bringen.»
Warum braucht es Pflegestufen?
Das Evaluieren der Pflegestufe dient dazu, den täglichen Hilfsbedarf einzuschätzen. Sie dient auch als Finanzierungs- und Abrechnungsgrundlage.
Der gemessene tägliche Zeitaufwand ist massgebend für die Einteilung in eine der zwölf klar definierten Pflegestufen. «Alle unsere Bewohnenden sind pflegebedürftig. Der Durchschnittsmix liegt bei einer RAI-Pflegestufe von 5,5 (RAI = Resident Assessment Instrument)», informierte die Zentrumsleiterin Emmenegger.
Bedarf steigt bis 2030 an
Eine aktuelle, vom Kanton Aargau veröffentlichte Auswertung des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums, kurz Obsan, kommt zum Schluss, dass der Bedarf an Langzeitpflege in allen Versorgungsstrukturen weiter zunehmen wird. In der Region muss davon ausgegangen werden, dass bereits vor 2030 die Anzahl der Langzeitpflegebetten knapp sein werden. Emmenegger meint dazu: «Wenn wir nun Menschen aufnehmen, die selbstständig sind und gerne etwas Gesellschaft hätten, dann kann womöglich eine stark pflegebedürftige Person keinen Platz mehr finden.»

