Abtwiler gewinnen den Zukunftspreis der LUKB
30.10.2026 VermischtesLuzern Mit einer innovativen Geschäftsidee, viel Mut, Know-how, Kreativität und einem starken Netzwerk haben Marius Gächter, Mario Steinger und Joël Rüttimann den Zukunftspreis der Luzerner Kantonalbank gewonnen. Die Konkurrenz war schlicht chancenlos! ...
Luzern Mit einer innovativen Geschäftsidee, viel Mut, Know-how, Kreativität und einem starken Netzwerk haben Marius Gächter, Mario Steinger und Joël Rüttimann den Zukunftspreis der Luzerner Kantonalbank gewonnen. Die Konkurrenz war schlicht chancenlos!
MANUELA ROTH
Angefangen hat alles an einem Familienfest. Dort kam Marius Gächter ins Gespräch mit einem Landwirt, der schilderte, wie aufwändig das Jäten der Felder sei. Der Einsatz von Herbiziden kostet Geld, kann Mensch und Umwelt schaden, und die genaue Dosierung ist eine Herausforderung.
Marius ging daraufhin zurück nach Zürich, wo er zu dem Zeitpunkt an der ETH im Doktoratsstudium zum Doktor der Physik war. Die Idee, das Unkrautjäten in der Landwirtschaft zu verändern, liess ihn nicht mehr los. Er fing an, einen Prototypen zu bauen. Das war eine Handmaschine mit Laser. Getestet hat er diesen dann im Murimoos. Er merkte, dass es sich lohnt, an der Idee dranzubleiben. Er will die Unkrautbekämpfung neu definieren und sich für eine herbizidfreie Zukunft einsetzen!
Das Abenteuer «Start-Up» begann
Im Mai 2025 gründete Marius die Precira AG. Der Name setzt sich zusammen aus Preci von precision und a für agriculture, das r kam dann noch dazu, um die beiden Wörter zu verbinden.
Im Herbst 2025 holte er seinen ehemaligen Sandkastenfreund Mario Steinger mit ins Boot. Dieser ist gelernter Automatiker und studierte daraufhin Elektrotechnik an der HSLU. Seit Mai 2026 sind beide nun Vollzeit im Start-up mit dabei. Fast gleichzeitig kam in Teilzeit Joël Rüttimann mit ins Team. Er ist gelernter und studierter Informatiker.
Angefangen haben sie in Räumlichkeiten in Auw. Seit diesem Jahr ist der Firmensitz nun in Littau. Der Gewerberaum, in dem so viel Know-how Raum findet, wirkt wie ein Ideenlabor. Mit gemütlicher Sitzecke zum Austauschen, Computern, Maschinen, Kabeln und Technik – dass jeder Laie ins Staunen kommt. Die drei Co-Founder sind alle an der Firma beteiligt. So beeindruckend wie der Geschäftssitz sind auch die Jungunternehmer selbst: Bescheiden, bodenständig, unglaublich fokussiert und voller Tatendrang!
Diesen Sommer waren sie mit ihrer ersten Maschine viel auf dem Feld unterwegs. Sie testeten, programmierten neu und tüftelten immer weiter vor Ort, bis sie mit dem Ergebnis zufrieden waren. Währenddessen schliefen sie häufig im Bus direkt am Feld!
Ab 2027 arbeiten sie mit einer Partnerfirma, welche die Fahrzeuge baut, an die ihre Lasertechnik montiert wird.
Der Wettbewerb
Der Zukunftspreis der LUKB in der Kategorie «Technologie und Innovation» kam den Jungunternehmern sehr gelegen. Die 40’000 Franken Preisgeld können sie optimal für den Bau der nächsten Roboterversion brauchen.
Aus 91 eingereichten Projekten wurden in drei Kategorien jeweils drei Projekte für das Finale ausgewählt. Ihr starkes Netzwerk im Freiamt und in Luzern liess den anderen aber keine Chance! Sie gewannen in der Kategorie «Technologie und Innovation» mit 3’080 Stimmen! Der Zweitplatzierte folgte mit rund 900 Stimmen.
Die Preisverleihung fand am vergangenen Freitag in der Spinnerei Emmen statt. Die Spannung war gross – der überragende Vorsprung von Precira ebenfalls! Beim anschliessenden Unternehmer-Apéro konnten sie sich weiter vernetzen und feierten dann im kleinen Rahmen weiter. Sie durften sich über viele Gratulationen freuen.
Der Jätroboter
Die Technologie von Precira wird als Modul zur Montage an Landwirtschaftsfahrzeugen entwickelt. Sie nutzt KI um zu erkennen, ob es sich bei einer Pflanze um eine Nutzpflanze oder Unkraut handelt. Wird Unkraut erkannt, zerstört dies der Hochleistungs-Laser umgehend. Die Technik ist komplex. Sie funktioniert durch eigene Beleuchtung auch bei Nacht. Dank des leichten Gewichts kann der Roboter auch bei Regen fahren. Damit ist er auch einsetzbar, wenn Arbeiten mit dem Traktor auf dem Feld nicht möglich sind, und spart Zeit und Geld. Precira bringt den Roboter aufs Feld, dieser bewegt sich dann selbständig. Gibt es mal ein Problem, können sie via Remote-Lösung von zu Hause aus oder vom Feldrand eingreifen. Der Roboter erkennt über 99 Prozent der Unkräuter, und es kann bis zu 80 Prozent der manuellen Jätarbeit gespart werden.
Die Ideen der Jungunternehmer gehen bereits weiter: Die Lasertechnik kann auch in anderen Bereichen verwendet werden. So könnte sie zum Beispiel in Gewächshäusern montiert werden. Sie sind ausserdem in Kontakt mit einer Förderstiftung, um weitere Prototypen bauen zu können.
Interessierte Bauern können sich gerne bei Precira melden. Der Jätroboter ist preislich attraktiv einsetzbar. Für Biobauern lohnt er sich definitiv. Bisher wurde er für Jätarbeiten auf Karotten-Feldern gebaut. Die nächsten Entwicklungen folgen dann auch für konventionell angebauten Kürbis und Hanf sowie Zwiebeln, Nüsslisalat und Randen.
Precira möchte die Landwirtschaft positiv verändern – der Start dazu scheint mehr als geglückt!



