Warum der Aschermittwoch heute noch bewegt
13.02.2026Brauchtum
Der Schmutzige Donnerstag markiert in unserer Region die Hauptfasnachtszeit. Enden tut die sechstätige «fette» Zeit der Fasnacht am Aschermittwoch – an dem Tag, an welchem die vorösterliche Fastenzeit eingeläutet wird.
IRIS ...
Brauchtum
Der Schmutzige Donnerstag markiert in unserer Region die Hauptfasnachtszeit. Enden tut die sechstätige «fette» Zeit der Fasnacht am Aschermittwoch – an dem Tag, an welchem die vorösterliche Fastenzeit eingeläutet wird.
IRIS CAGLIONI
Denn es soll wieder Ruhe einkehren. Nach der üppigen und überbordenden Zeit der Fasnacht könnte man die Fastenzeit als eine Entschuldigung an sich selbst ansehen. Und der spirituelle Start in die Fastenzeit kann mit einem Gottesdienst am Aschermittwoch gemacht werden, als eine Art Einladung, den Ballast der letzten Wochen abzuwerfen.
Ein Zeichen, das unter die Haut geht
Im Zentrum steht ein jahrhunderte altes Ritual: das Aschekreuz. Ob auf die Stirn gezeichnet oder auf den Scheitel gestreut, die geweihte Asche aus den Palmzweigen des Vorjahres trägt eine starke symbolische Kraft. Sie steht für Vergänglichkeit, Umkehr und Neuanfang.
Das Austeilen des Aschekreuzes erfolgt in der Regel während einer Messe. Im Oberfreiamt werden in diesem Jahr zwei solche Gottesdienste gehalten. In Sins findet speziell für Schülerinnen und Schüler am Mittwochmorgen um 8.15 Uhr ein Gottesdienst statt. «Das ist eine langjährige und gelebte Tradition. Letztes Jahr waren rund 70 Schüler sowie einige Lehrpersonen am Morgen vor der Schule in der Kirche», informierte die Bereichsleiterin der Katechese und Geschäftsführerin Martina Suter. «Am Abend findet um 18.30 Uhr ein weiterer Gottesdienst für den ganzen Pastoralraum statt. In diesem Jahr ist dieser in der Kirche von Abtwil.»
Von der Reue zur inneren Reinigung
Doch warum ausgerechnet Asche? Was hat denn der Rückstand von verbrannten Palmzweigen mit dem Beginn der Fastenzeit zu tun? Und wie sehr wird dieser Brauch noch gelebt und geschätzt? Wir haben im Netz nachgeforscht. Zum Beispiel ist in Ländern wie Mexiko, Kolumbien oder Peru der Gang zur Kirche für Millionen von Menschen fester Bestandteil dieses Tages. Auch in Rio de Janeiro, nach dem weltberühmte Karneval, kehrt mit dem Aschermittwoch wieder Ruhe ein. Viele Geschäfte öffnen erst am Nachmittag. Die einzige katholische Grossnation in Asien sind die Philippinen. Dort wird der Tag extrem intensiv und mit grossen öffentlichen Riten gelebt.
In Sins gibt es ebenfalls eine seit Jahren liebgewonnene Tradition: Die beiden Schulsekretariate bestätigten: Schulstart ist für alle Schülerinnen und Schüler der Primar- und Oberstufe in Sins am Aschermittwoch um 9.05 Uhr. Damit haben alle Schüler die Möglichkeit, den morgendlichen Gottesdienst zu besuchen.
Ein Bedürfnis nach Verzicht
Der graue Staub verweist radikal auf die eigene Begrenztheit. Die Redewendung «Asche auf mein Haupt» bringt zum Ausdruck, dass der Mensch seine Fehler anerkennt und Verantwortung übernimmt. Daher ist das bekannte «Mea culpa» das Eingeständnis, nicht perfekt zu sein.
Während sich Menschen früher sprichwörtlich in «Sack und Asche» hüllten, wird das Ritual heute eher als seelische Reinigung verstanden. Eine Art «Reset» für die Seele, das dazu dienen soll, Altes loszulassen, um innerlich Platz für Neues zu schaffen.
Ein Blick über den christlichen Tellerrand hinaus zeigt, dass der bewusste Verzicht kein exklusiv kirchliches Thema ist. In vielen Religionen und Kulturen gilt die Zeit des Fastens als ein bewährter Weg, den Geist zu öffnet, um ihn zu klären und um sich auf das Wesentlichen zu konzentrieren.
Wer also beispielsweise für 40 Tage Genussmittel reduziert und auf Überfluss verzichtet, schafft Raum für neue Routinen, spirituelle Erfahrungen und oft auch gesündere Gewohnheiten im Alltag. Nicht selten macht die ganze Familie mit und verzichtet zum Beispiel auf Süsses.
Sich einen persönlichen Startpunkt setzen
So kann der Aschermittwoch eine Startlinie für ein persönliches Experiment werden: Wie verändert sich der Alltag, wenn man bewusst auf Liebgewonnenes verzichtet? Welche Prioritäten rücken dadurch in den Vordergrund? Der Tag lädt dazu ein, die genussvoll fröhliche, aber oft auch anstrengende Fasnachtszeit hinter sich zu lassen und neu zu entdecken, was im eigenen Leben wirklich zählt.


