Seit 35 Jahren ist er der Mann für alle Fälle
06.02.2026 AbtwilMarcel Felber sorgt dafür, dass innerhalb der Gemeinde alles läuft. Ob Winterdienst, Wasserversorgung, Friedhof, Strassenunterhalt oder Sondereinsätze mitten in der Nacht – sein Arbeitsalltag ist so vielseitig wie anspruchsvoll.
RAHEL ...
Marcel Felber sorgt dafür, dass innerhalb der Gemeinde alles läuft. Ob Winterdienst, Wasserversorgung, Friedhof, Strassenunterhalt oder Sondereinsätze mitten in der Nacht – sein Arbeitsalltag ist so vielseitig wie anspruchsvoll.
RAHEL HEGGLIN
Für viele ist er die erste Anlaufstelle, wenn irgendwo im Dorf etwas nicht mehr funktioniert. Felber ist nicht nur Werkdienstleiter, sondern eine zentrale Stütze der Gemeinde, auf die man sich jederzeit verlassen kann. Um es in den Worten des Gemeindeammanns Stefan Balmer zu sagen: «Marcel ist mit seinen Fähigkeiten, seinen Kenntnissen und seiner Erfahrung ein sehr wichtiger Mitarbeiter für das Funktionieren unserer Gemeinde.»
Die Anfänge vor 35 Jahren
Begonnen hat alles am 1. Januar 1991. Damals unterstützte er seinen Vater im Stundenlohn im Werkdienst. Dieser war Totengräber und erledigte daneben auch Arbeiten im Strassenunterhalt. «Mein Vater putzte die Strasse noch mit dem Besen von Hand», erinnert sich der heute 59-Jährige. Schritt für Schritt wuchs der Junior in die Tätigkeiten hinein, sodass er 1994 die Aufgaben offiziell übernahm.
Alleinverantwortung mit grosser Tragweite
Bis heute arbeitet der 59-Jährige grösstenteils allein und dies, obwohl sich die Einwohnerzahl der Gemeinde seit den 1990er Jahren fast verdreifacht hat. Entsprechend ist auch die Arbeitslast stetig gewachsen. «Ich habe damals mit einem 40-Prozent-Pensum begonnen, heute arbeite ich zu 90 Prozent als Werkdienstleiter», sagt er. Anfangs lag sein Schwerpunkt beim Totengräberdienst, später kamen die Pflege des Friedhofs, der Strassenunterhalt, Grünarbeiten, Winterdienst und zahlreiche weitere Aufgaben hinzu. «Eigentlich alles, was auf dem Gemeindegebiet anfällt.» Für Felber ist das selbstverständlich. Er kennt jede Ecke des Dorfs, jede Anlage, jede Leitung.
Wetterkapriolen bringen Herausforderungen
Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm der Winter 2006. Am Wochenende vom 6. März begann es am Samstagmorgen heftig zu schneien. «Solch grosse Flocken habe ich vorher und nachher kaum mehr gesehen», erinnert er sich. Eigentlich hatte er private Pläne, doch daraus wurde nichts. «Ich war 38 Stunden praktisch im Dauereinsatz.» Ununterbrochen räumte er Strassen, Kreuzungen und Zufahrten, damit die Sicherheit im Dorf gewährleistet blieb.
Ein weiteres prägendes Erlebnis war ein Hochwasserereignis im Jahr 2020. Felber reparierte tagsüber mit dem Bagger eine Bachböschung und liess die Maschine am Abend stehen. Eine Entscheidung, die er später bereute. Ein starkes Gewitter setzte den Bagger rund 40 Zentimeter tief in den Schlamm. «Warum ich ihn dort stehen liess, weiss ich bis heute nicht», sagt er. Mit viel Aufwand gelang es ihm jedoch, die Maschine wieder instand zu setzen.
Wasserlecke orten
2016 übernahm Felber zusätzlich die Funktion des Brunnenmeisters. Seither ist er für die gesamte Wasserversorgung von Abtwil verantwortlich. Täglich kontrolliert er die Reservoirs und Pumpwerke über die Steuerungen und besucht wöchentlich die Bauwerke. Bei Störungen oder auffälligem Wasserverlust meldet sich das System auch nachts auf seinem Handy. «Dann muss ich raus, denn Wasser ist ein kostbares Gut», sagt er. Ein Leck könne unbemerkt enorme Wassermengen verlieren. Leckortungen sind besonders anspruchsvoll. Mit Spezialisten, Gas, und Sonden wird dem Wasser nachgespürt.
Neben der Versorgung ist auch die Qualität zentral. Felber nimmt regelmässig Wasserproben, organisiert Kontrollen und trägt die Verantwortung für sauberes Trinkwasser im Dorf.
Nähe zu den Menschen
Zu seinem Aufgabenbereich gehört auch die Funktion als Wasenmeister. Wird auf dem Gemeindegebiet ein Tier überfahren oder verendet es aus anderem Grund, rückt Felber aus. Bei Haustieren versucht er mithilfe eines Chiplesegeräts, den Halter ausfindig zu machen. «Den Leuten diese Nachricht zu überbringen, ist nie einfach», sagt er. «Das ist kein schöner Teil meiner Arbeit.» Umso mehr schätzt er die positiven Begegnungen. Felber liebt die Nähe zu den Menschen im Dorf. Ein unkomplizierter Umgang ist ihm wichtig, deshalb ist er mit allen per Du. Besonders Freude hat er, wenn Kinder ihn grüssen oder Einwohner ihm für seine Arbeit danken.
Immer im Einsatz
Seit seinem Stellenantritt 1991 war Felber nie in den Ferien. «Vor allem im Winter war Weggehen kein Thema», sagt er. Erst in diesem Januar gönnte er sich erstmals ein verlängertes Wochenende in Adelboden. Für diese paar Tage organisierte er eine Stellvertretung. «Ausgerechnet dann hat es geschneit», erzählt er. So habe er während und nach diesem Wochenende viele Nachrichten von Einheimischen bekommen, ob es ihm gut gehe oder ob er krank sei. Das zeigt, dass Felber ein wichtiger Bestandteil des Abtwiler Dorflebens ist. Für ihn ist aber auch wichtig zu betonen, dass er viel Unterstützung von seiner Frau Trudy bekommt. «Ohne sie im Hintergrund würde vieles nicht gehen» so der Vater von drei erwachsenen Kindern.
Der Dank geht aber auch an ihn und kommt vom Gemeinderat: «Wir sagen herzlichen Dank für deine grosse Arbeit zum Wohle der Allgemeinheit.»




