Der politische Druck gegen die geplante Schliessung der Geburtenabteilung geht weiter. Am Dienstag hat ein überparteiliches Komitee einen Vorstoss eingereicht.
RAHEL HEGGLIN
Als Motionsführer zeichnet Harry Lütolf. Er war bis zum Zeitpunkt der ...
Der politische Druck gegen die geplante Schliessung der Geburtenabteilung geht weiter. Am Dienstag hat ein überparteiliches Komitee einen Vorstoss eingereicht.
RAHEL HEGGLIN
Als Motionsführer zeichnet Harry Lütolf. Er war bis zum Zeitpunkt der Bekanntgabe (Schliessung Geburtenabteilung am Spital Muri) Mitglied im Stiftungsrat beim Spital. Als die Medienmitteilung mit den brisanten News verschickt wurde, reichte er seinen Rücktritt an. Seither kämpft er gegen die Schliessung der Geburtenabteilung.
Geburt kann zum Notfall werden
Unterstützung bekommt er von Parteikollegin und Grossrätin Franziska Stenico-Goldschmid, Rita Brem-Ingold, ebenfalls von der Mitte, und Stefan Dietrich von der SP. Stenico unterstreicht, dass es ihnen darum geht, die Versorgungssicherheit im Bezirk Muri mit einer Geburtshilfe – unter medizinisch gesicherten Bedingungen – weiterhin zu gewährleisten. «Unser Vorschlag ist, in einer Region mit Unterversorgung in medizinisch gesicherter Geburtshilfe das dort gelegene Spital zu dieser Geburtshilfe zu verpflichten. Nach unserem Verständnis gehört die Geburtshilfe zur Grundversorgung, wenn andere Spitäler mit ihren Geburtenabteilungen zu weit entfernt sind. Auch vor, während oder nach einer Geburt kann es zu einem Notfall kommen. Dann muss es immer schnell gehen. Daher sollte eine Geburtshilfe unter medizinisch gesicherten Bedingungen im gesamten Kanton innert ‹notwendiger Frist› erreichbar sein. Unserer Meinung nach sollte es nicht länger als 30 Minuten dauern, um eine Geburtenabteilung zu erreichen. Diese Frist kann im Freiamt nach der Schliessung im Spital Muri für werdende Eltern nicht mehr eingehalten werden. Insbesondere zu Stosszeiten mit hohem Verkehrsaufkommen ist es unmöglich, innert 30 Minuten die Geburtenabteilungen der Spitäler in Baden, Aarau, Luzern, Schlieren, Zug oder Zürich zu erreichen. Das könnte zum Risiko für Gebärende und Neugeborene werden. Wir wollen den Regierungsrat daran erinnern, dass der Kanton für die Versorgungssicherheit in allen Regionen verantwortlich ist. So steht es in der Kantonsverfassung. Zur Versorgungssicherheit im Freiamt gehört auch eine Geburtenabteilung in unserem Regionalspital.»
Defizite muss der Kanton übernehmen
Stenico betont, dass die Motionäre das Spital Muri unterstützen und nicht behindern möchten. Sollte die Motion im Grossen Rat angenommen werden, ist auch klar, dass die neue Verpflichtung zur Vergabe des Leistungsauftrags für die Grundversorgung (Basispaket) in Kombination mit dem Leistungsauftrag für Geburtshilfe durch den Kanton entschädigt werden muss. Heute schon zahlt der Kanton für die sogenannten gemeinwirtschaftlichen Leistungen (GWL) der Akutspitäler. Da die Geburtshilfe unter den aktuell geltenden Tarifen nicht rentabel betrieben werden kann, muss der Kanton die Defizite im Weiterbetrieb einer Geburtenabteilung ausgleichen. Auch dazu wurde bereits eine Motion eingereicht.